Bilderweltarchiv 2025

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Im Stau

Es gehört zu den unbeliebtesten Beschäftigungen: Im Stau zu stehen. Ob es jetzt die Zeit im Berufsverkehr ist, die man verliert, oder wertvolle Urlaubszeit, die man gerne am Strand oder in den Bergen verbracht hätte, im Stau wird die Zeit nutzlos vergeudet. In den wenigsten Fällen kann man etwas dafür, dass es nicht weitergeht. Im schlimmsten Fall ist viel weiter vorne ein Unfall passiert und man muss warten, bis die Autobahn wieder freigegeben ist oft. Meistens aber stockt der Verkehr, weil zu viele unterwegs sind. Aufgrund hohen Verkehrsaufkommens steht alles still und es bewegt sich gar nichts mehr. Je mehr Fahrzeuge es gibt, je mehr Verkehr auf die Straße verlagert wird, umso mehr Zeit geht im Stau verloren und die Kosten, die das verursacht, gehen in die Milliarden.

Anti-Noah

Wie oft wurde vom modernen Menschen behauptet, dass er die Welt verbessern könne? Es gab diese Stimmen, aber sie sind in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verstummt. Was als Ideal bezeichnet wurde, der Homo sapiens, der wissende Mensch, wurde zum großen Zerstörer der belebten und unbelebten Natur und zum Vernichter der eigenen Lebensgrundlagen. Der moderne Mensch ist das erste Lebewesen, das in der Lage ist, sich selbst zugrunde zu richten. Wenn in der biblischen Erzählung Noah derjenige ist, der das Leben rettet, weil er ein Gerechter in den Augen Gottes war, so setzt Emil Wachter dem modernen Menschen ein Denkmal, das er als den Anti-Noah, den Gegenentwurf zum biblischen Propheten bezeichnet. Er trägt viele Züge, die uns heute sehr bekannt vorkommen: Die Brille steht für das Wissen, das er sich aneignet, das aber mehr zerstört, als dass es Gutes bewirkt. Das fette, aufgeschwemmte Gesicht zeigt den Wohlstand, der jegliche Schönheit vermissen lässt. Der selbstgerechte Blick lässt erahnen, dass dieser Mensch für alle Warnungen taub ist und nur seinem eigenen Willen folgt.

Ich will hören

Am Ambo in der Autobahnkirche sehen wir einen Menschen, der ganz Ohr ist, der zuhören will, der sich aktiv darauf vorbereitet, etwas zu hören und ja nichts zu verpassen. Diese Darstellung sieht selbstverständlich aus, ist es heute aber nicht. Wir hören viel, keine Frage, aber wir hören nicht mehr so richtig zu. Vieles geht ohne dass es aufgehalten wird, durch uns hindurch. Oft wissen wir wenige Augenblicke hinterher nicht einmal mehr, was wir gehört haben. Meister Eckhart sagt in seinem berühmten Satz, mit dem er seine achtsame Haltung beschreibt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet.« Ihm geht es auch um das aktive Hören. Er spricht davon, dass er hören will, sich also dazu entschieden hat. Er ist dann wie dieser Mensch am Ambo, der sich ganz auf das ausrichtet, was er hört. 

Gelungene Integration

An der Nordseite des Mose-Turm sehen wir eine Darstellung von Joseph, dem zweitjüngsten Sohn von Jakob. Gezeugt mit seiner Lieblingsfrau Rebecca war Joseph der Liebling seines Vaters und wurde, zumindest in den Augen seiner Brüder, bevorzugt behandelt. Deshalb verkauften sie ihn in die Sklaverei und sagten ihrem Vater, er sei das Opfer von wilden Tieren geworden. Joseph kam als Sklave nach Ägypten und landete schließlich am Hof des Pharao. Dort wurde seine Gabe, Träume zu deuten sehr geschätzt und er konnte sich aufgrund der Vorhersagen, die er in den Träumen des Pharao sah, eine herausragende Stellung am Hof erarbeiten. Er schaffte es, vom Sklaven bis zur rechten Hand des Pharao, zum zweitmächtigsten Mann im Staat. So sehen wir ihn auch hier: Jung, tatkräftig, zupackend, mit einem Blick für alles.

Ich will sitzen

Man bezeichnet das Sitzen heute als eine eher schädliche Tätigkeit. Das ist es deshalb, weil wir es zu häufig tun. Wenn wir ehrlich sind, dann sitzen wir schon den ganzen Tag ziemlich viel: Am Tisch bei den Mahlzeiten, mit Freunden zusammen, am Schreibtisch oder sonstwie bei der Arbeit, im Auto oder anderen Verkehrsmitteln, ziemlich viel vor dem Fernseher und nicht zuletzt, wenn wir auf einer Parkbank oder im Sessel ausruhen. Sitzen ist die häufigste Tätigkeit, die wir tun und deshalb auch nicht die gesündeste. Es ist aber auch eine wichtige Haltung, wenn wir es richtig tun. Von Meister Eckhart (1260-1327) ist ein Satz überliefert, in dem das Sitzen in einen größeren Zusammenhang gestellt wird. Er schreibt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet.«

Notwendiger Abstieg

Eine alte Weisheit besagt, dass man erst einen Berg bestiegen hat, wenn man auch wieder hinabgestiegen ist. Dahinter steht die Erfahrung, dass man nicht auf dem Berg bleiben kann, man muss von seinen Erfahrungen auch berichten können. So geht es auch Mose. Er stieg auf den Horeb hinauf, hatte Kontakt mit Gott und kam mit dem Gesetz, festgehalten auf zwei Steintafeln, wieder zurück. So sehen wir an der Südseite des Noah-Turmes mit den Tafeln im Arm, wie er aufrecht gehend, den Berg herabsteigt. Emil Wachter hat ihn selbstbewusst dargestellt, Mose weiß, was er will und er hat etwas zu übergeben, was für das Volk Israel überlebenswichtig ist. Ich frage mich, was wohl in seinem Kopf vorgeht. Macht er sich Gedanken darüber, was ihn erwartet, wenn er unten ist? Wie haben sich die ihm anvertrauten Israeliten verhalten, während er weg war? Oder hängt er noch dem nach, was er erlebt hat? Dass er eine Begegnung mit Gott erlebt und überlebt hat? Dass er von Gott würdig gefunden wurde und fast schon als Partner mit Gott verhandelt hat? Oder dass er sich in der Begegnung mit Gott verändert hat und wie sich das auf ihn selbst und sein Leben ausgewirkt hat?

Du bist bei mir

Immanuel Kant, der Philosoph aus Königsberg, der die Grenzen der Vernunft und der Religion aufgezeigt hat, schrieb einmal: »Ich habe in meinem Leben viele kluge und gute Bücher gelesen. Aber ich habe in ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht hätte, wie die vier Worte aus dem 23. Psalm: ›Du bist bei mir‹.« Das sind Worte, die eine Spur tiefer Zufriedenheit hinterlassen. Es gibt in der Bibel wohl kaum einen Satz, der so gut ein Glaubensverhältnis ausdrückt. »Du bist bei mir!«, zu Gott im Gebet gesprochen, zeugt von einer Überzeugung, dass man als Mensch nicht verlorengehen kann, weil die Nähe Gottes, man muss hier schon sagen die unmittelbare Gegenwart Gottes, als Tatsache beschrieben wird.

Verzweifle nicht

In den verschiedenen Bildmotiven der Autobahnkirche gibt es viele, in denen Emil Wachter seiner Hoffnung auf einen guten Ausgang Ausdruck verleihen will. Er findet dabei reichlich Anhaltspunkte in der biblischen Botschaft. Auch beim Propheten Elia, der selbst mehr als einmal der Verzweiflung nahe war, gibt es viele Worte, die Mut machen sollen. Es ist ja die Aufgabe eines Propheten, neben der Zeitansage, die die Menschen zum Umdenken bewegen soll, eine Perspektive zu eröffnen, für die es sich zu leben lohnt. Emil Wachter wird nicht müde, das immer wieder neu darzustellen. Am Elia-Turm finden wir eine besondere Darstellung, die nicht nur der Verzweiflung Einhalt gebietet, sondern in der Elia sagt, dass du kein Recht darauf hast, verzweifelt zu sein. Auf die Bitte Elias hin, ihm etwas zu trinken und zu essen zu geben, antwortet eine Witwe in der Stadt Sarepta.

Ägyptische Klage

Bei umwälzenden Ereignissen gibt es immer Verlierer. Menschen leiden unter den Veränderungen. Meist sind es nicht die, die das Leid verursacht haben, sondern es sind die Armen und Benachteiligten, die die Folgen zu tragen haben. Im ersten Testament gibt es viele Geschichten, die auf diese Weise enden. Die Klage ist immer gleich, ob das Unheil gerechtfertigt erscheint oder nicht. Als die Israeliten aus Ägypten fliehen wollen, haben sie bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sie erhalten Unterstützung von Jahwe, der seinerseits den Ägyptern Leid zufügt, zunächst mit neun Plagen, wie Heuschrecken, Blutregen und so weiter. Als zehnte Plage schließlich lässt Gott die Erstgeburt der Ägypter vom Todesengel erschlagen. Das Leid, das Ägypten erfährt, stimmt schließlich den Pharao um, so dass Israel in die Freiheit ziehen darf. War dieser Preis gerechtfertigt?

Blumentopf zu gewinnen

Bei den Menschen, die nichts mehr haben, lernt man das Teilen. Diese Erfahrung macht Elia, als er, selbst mittellos und auf der Flucht, zu einer Witwe und deren Sohn kommt. Wir lesen im ersten Buch der Könige: »10 Elia ging nach Sarepta. Als er ans Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. ›Bring mir doch etwas Wasser!‹, bat er sie. 11 Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: ›Bring auch etwas Brot mit!‹ 12 Doch sie sagte: ›So gewiss der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe keinen Bissen mehr, nur noch eine Handvoll Mehl im Topf und ein paar Tropfen Öl im Krug. Ich lese gerade ein paar Holzstücke auf und will mir und meinem Sohn die letzte Mahlzeit bereiten. Dann müssen wir sterben.‹ 13 Elia erwiderte: ›Geh heim und tu, was du vorhast. Aber backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot und bring es zu mir heraus. Den Rest kannst du dann für dich und deinen Sohn zubereiten. Hab keine Angst, 14 denn der Herr, der Gott Israels, hat versprochen: Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse.‹ 15 Die Frau ging und tat, was Elia ihr aufgetragen hatte. Und wirklich hatten die drei jeden Tag zu essen. 16 Der Mehltopf wurde nicht leer und das Öl im Krug versiegte nicht, wie der Herr es durch Elia versprochen hatte.«
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