Im Weihnachtsfenster an der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir eine unübliche Krippendarstellung: Ein Kind liegt auf Heu und Stroh, aber wir sehen keine Krippe, Maria und Josef stehen oder knien nicht daneben, keine Hirten oder Weise kommen zur Anbetung, lediglich ein Esel schaut herein, selbst der obligatorische Ochse fehlt. Reicht das für die Krippe aus? Ja, natürlich! Emil Wachter beschränkt sich auf das Notwendige: Das in Windeln gewickelte Kind, mehr braucht es wirklich nicht. Da ist schon das Stroh eine Zugabe, auf die man verzichten könnte. In dieser Beschränkung sehen wir das, worauf es bei Weihnachten ankommt: Ein Kind kommt zur Welt und in diesem Kind wird Gott Mensch. Das sagt sich so einfach, aber was bedeutet es?
Bilderweltarchiv 2023
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Ich will schweigen
Wir leben in einer ziemlich lauten Welt. Die meiste Zeit sind wir von Geräuschen umgeben. Waren es früher eher die Laute, die die Natur hervorgebracht hat, sind es jetzt zunehmend künstliche Geräusche von Geräten, Motoren, Radios und alle möglichen anderen Geräusche. Wir können fast schon von einer Geräuschverschmutzung sprechen. Wir selbst tragen zu dieser Inflation von Dezibel und Tönen bei, indem wir sehr viel reden. Da nimmt es nicht wunder, dass die Sehnsucht nach Stille immer größer wird und Räume gesucht werden, in denen ich Stille finden und vor allem auch mal schweigen kann. Die Sehnsucht nach Stille steht im Zusammenhang mit einem Bedürfnis, nicht reden zu müssen.
Gott redet
In Heiligen Schriften ist oft die Rede davon, dass Gott oder verschiedene Götter zu den Menschen sprechen. Manchmal tun sie das direkt, dann wieder über himmlische Boten oder durch den Mund der Propheten. Besonders im Alten und Neuen Testament finden sich viele Geschichten, in denen göttliche Botschaften von Menschen wahrgenommen werden. So erfährt Mose von Gott den Namen in der Erscheinung des brennenden Dornbuschs, Josef werden im Traum von einem Engel göttliche Botschaften übermittelt. Die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes erfahren auf dem Berg Tabor durch eine göttliche Stimme, dass Jesus von Gott auserwählt worden ist. Das sind in der Regel knappe Erzählungen, in denen lediglich das Ereignis berichtet wurde, aber nicht, wie sich die Menschen, die diese Botschaften empfangen haben, darauf vorbereiteten. Es mag ja sein, dass wir die Rede Gottes plötzlich vernehmen und verstehen können. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass wir erst nach einem langen Übungsweg in der Lage sind, die göttliche Stimme wahrzunehmen und zu deuten.
Lust am Weltuntergang
Wir Menschen sind Wesen, die gerne nach vorne schauen und deren Leben und Streben von Hoffnung geprägt ist. Da verwundert es dann doch, dass wir uns sehr gerne mit Fantasien beschäftigen, die sich um das Ende der Welt und allen Lebens drehen. Das mag daher kommen, dass wir heute in der Lage sind, unsere Welt selbst zu zerstören, aber auch in frühen Zeiten hat das Ende der Welt die Menschen immer wieder fasziniert. Sie haben sich Geschichten darüber erzählt, wie die Welt enden wird. Da ist dann von großer Verzweiflung und vielfältigem Schrecken die Rede, wir schaudern und können uns doch nicht abwenden. In der Gegenwart sind es dann Filme die zu Kassenschlagern werden, weil sie das Ende der Welt durch einen Meteoriteneinschlag, durch den Besuch von Außerirdischen oder durch andere Katastrophen ausmalen. Und wir schauen zu!
Essen, um sich zu erinnern
Ritualisierte Mahlzeiten gehören bei uns zum Alltag. Bei Familienfesten und anderen Anlässen berufen wir uns auf alte Traditionen, die in der Familie oder der jeweiligen Kultur üblich sind. Mit diesen Ritualen schaffen wir uns so etwas wir Heimat und drücken die Verbundenheit untereinander aus, denn die, die da miteinander essen, wissen, worum es geht. Nicht selten werden zu solchen Anlässen auch Erinnerungen aufgefrischt und Gegebenheiten erzählt, die diese Bindung stärken. Beim gemeinsamen Essen erinnert man sich an das, was uns ausmacht. Oft werden dann ganz bestimmte Gerichte gereicht, das besondere Geschirr kommt zum Einsatz und man folgt besonderen Ritualen. Da ist der Schritt zur religiösen Qualität nicht weit.
Gott gesichten
Gott kann man nicht erkennen, denn Gott hat ja kein Gesicht und wir sollen uns kein Bildnis von Gott machen. So haben wir es gelernt. Aber wir geben Gott ein Gesicht, weil wir sonst nicht denken können, wer oder was Gott ist. Es ist einfacher, von Gott in menschlichen Kategorien zu denken und Gott mit einem Gesicht zu versehen, auch wenn das einengend für unsere Vorstellungen ist und Gott auf einen kleinen Teil dessen begrenzt, was möglich ist. Im Buch Genesis wird geschildert, wie Abraham Gott erkennt, als drei Männer zu ihm kommen: »1 Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der Herr. Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. 2 Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder 3 und sagte: »Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu Diensten!« (Genesis 18,1-3, Übersetzung Gute Nachricht)
Heilige Geistkraft
»Im Namen des Vaters, und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft. Amen« So lautet, ein klein wenig verändert das christliche Glaubensbekenntnis. Es ist ein Bekenntnis zu Gott in drei verschiedenen Erscheinungsweisen. Ich verwende bewusst nicht den Begriff der Person, denn der ist heute missverständlich und auch sehr eingrenzend. Das gleiche gilt auch für den Begriff des Heiligen Geistes. Es sind verschiedene Möglichkeiten im Umlauf von ihm oder ihr zu sprechen. Im abendländischen Denken sprechen wir vom griechischen »pneuma« oder lateinischen »spiritus«, wenn wir Heiligen Geist meinen, vom Geist, der männlich ist. Im jüdischen Bereich ist von »ruach« die Rede, und die ist weiblich. Wenn Jesus den Heiligen Geist zugesagt hat, dann hat er wohl von der weiblichen Ruach, der weiblichen Stimme Gottes, gesprochen.
Der Mörder eines Mörders
An der Nordseite des Noah-Turm sehen wir Tubal-Kain. Emil Wachter schreibt dazu: »Tubal-Kain, der Kain tötete.« Im Buch Genesis wird nichts dergleichen berichtet, auch nicht in anderen biblischen Überlieferungen. Wir wissen, dass Kain durch das Kains-Mal davor geschützt sein sollte, umgebracht zu werden. Der Mörder hat so einen gewissen Schutz genossen, vor allem vor der Blutrache, bei der sich die Zahlen der Opfer immer weiter hochschaukelte. Doch auch er findet einen gewaltsamen Tod durch einen seiner Nachkommen. In einer jüdischen Legende werden wir fündig: »Die jüdische Aggadah lehrt, dass Lamech im Verlauf seines Lebens blind wurde und ihn sein Sohn Tubal-Kain bei Bedarf herumführte. Eines Tages gingen die Beiden auf die Jagd und Tubal-Kain sah von Weitem ein Tier, was erlegt werden sollte. Allerdings handelte es sich um kein Tier, sondern es war Kain. Fälschlicherweise sagte Tubal-Kain seinem Vater, er könne den Pfeil abschießen und das Tier erlegen. Lamech schoss und tötete Kain.«
Was Propheten zu sagen haben
Ein nachdenklicher Mensch, den wir an der Südseite des Elia-Turmes sehen. Es ist einer, der vom Propheten angesprochen wurde und jetzt auf der Suche nach der richtigen Antwort ist. Vorher hat er aber auch zu klären, ob dieser Prophet glaubwürdig ist und er seinen Worten trauen kann. Wir haben heute ein von der Bibel geprägtes Bild von Propheten. Wir sehen in ihnen diejenigen, die das Wort Gottes verkünden, die den Menschen und vor allem den Herrschenden ins Gewissen reden und für die gerechte Sache eintreten. Doch es gibt auch andere Propheten, denen wir nicht so leicht Glauben schenken. Am jüdischen Königshof gab es die sogenannten Hofpropheten, die vom König bezahlt wurden, um den Willen Gottes zu erraten und die Zukunft vorherzusagen. Ob deren Aussagen wirklich immer glaubwürdig waren oder nicht den eigenen Interessen gedient haben? »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!« sagt das Sprichwort.
Zukunft möglich machen
Es gibt Situationen, in denen weiß man nicht mehr, wie es weitergehen kann. Man zweifelt daran, ob es überhaupt noch eine Zukunft gibt. Das Buch Exodus im ersten Testament beginnt mit solch einer mehr als aussichtslosen Situation. Das Volk der Israeliten wurde von den Ägyptern versklavt, ihre Lebensmöglichkeiten mehr und mehr eingeschränkt. Die Knaben sollten noch als Neugeborene getötet werden, damit das Volk selbst nicht mehr überlebensfähig war. Das war der Punkt, an dem die Kreativität einsetzte. Wenn es um die Zukunft geht, sind Menschen zu Leistungen fähig, die ihnen kaum jemand zugetraut hat. Eine der Hebräerfrauen bringt einen Sohn zur Welt und versteckt ihn. Als das nicht mehr möglich war, legte sie ihn in ein Binsenkörbchen in den Nil, das von der Tochter des Pharao gefunden wurde.
Ergebnisse 1 - 10 von 52





















