Bilderweltarchiv 2024

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Stilleschweigen ist lautere Stille

 
Zwei Hände umfassen eine dunklen Kreis. Dort, wo in der Abbildung das Schwarz ist, brennt in der Krypta der Autobahnkirche eine Lampe. Die Hände tragen und schließen das Licht gleichsam mit ein. Sie schützen es, und zeigen auch, wie gefährdet es ist. Das ist eines der Deckenreliefs in der Krypta der Autobahnkirche, die kaum beachtet werden und doch dem Raum einen besonderen Ausdruck verleihen. Sie laden zur Betrachtung ein und beruhigen den Geist. Sie führen uns ins Schweigen. Das ist ein Schweigen, das nicht nur nicht reden bedeutet. Es ist ein aktives Schweigen, bei dem man nichts sagen will. Meister Eckhart, der mittelalterliche Mystiker, nennt es »Stilleschweigen«. Das ist für ihn die lautere Stille, die reine Stille. Wir können uns das heute sehr schwer vorstellen, weil wir doch sehr von Geräuschen und Lärm umgeben sind. Ich glaube, dass wir von einer tiefen Sehnsucht nach dieser reinen, lauteren Stille erfüllt sind und diese auch suchen. Emil Wachter drückt diese Sehnsucht in diesem Deckenrelief aus.

Auf Heu und auf Stroh

»Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh. Maria und Josef betrachten es froh. Die redlichen Hirten knien betend davor, hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.« Das ist die zweite Strophe des Weihnachtsliedes »Ihr Kinderlein kommet«. Es wird das übliche Weihnachtsidyll beschrieben, das wir mit Weihnachten und besonders mit Heiligabend verbinden. Im Mittelpunkt liegt, wie hier auf diesem Ausschnitt aus dem Weihnachtsfenster der Autobahnkirche das Kind, auf goldenem Stroh. Emil Wachter verzichtet darauf, das ganze Personal drumherum darzustellen. Das Kind reicht vollkommen aus. Es bildet die Mitte und den Kern der Weihnachtsbotschaft. Alles andere ist schmückendes Beiwerk, das für entsprechendes Ambiente sorgt, aber all das verdeckt eher, worauf es ankommt. In klarer und schlichter Form weist Emil Wachter darauf hin und räumt dem Kind den Platz ein, der ihm zusteht.

Du klare Sonn

Sonnentage gelten als die schönen Tage. Die Sonne scheint hell, die Luft ist klar, meist ist es richtig warm oder wenn es kalt ist, wird die Kälte als angenehm empfunden. Wir lieben es, wenn die Sonne scheint, und wir sehnen uns danach, besonders, wenn tagelang Wolken am Himmel waren. Die Sonne ist deshalb auch im übertragenen Sinn ein Zeichen für unsere Sehnsucht nach einer guten, heilen Welt. Nicht umsonst ist die Sonne zum Symbol für Gott schlechthin geworden. In vielen Religionen wird sie gottgleich verehrt und diesen Status hat sie bis heute nicht verloren. Wir verehren immer noch die Sonne. Menschen, die sich im Urlaub nach der Sonne sehnen und sich beim Baden in ihre warmen Strahlen legen, sind  Sonnenanbeter. Hier schließt sich der Kreis zwischen wirklicher Erfahrung und übertragener religiöser Deutung.

Heilsame Frohbotschaft

Der Evangelist Lukas wird an der Autobahnkirche am Pfeiler im Nordwesten als Stier dargestellt. Das ist das Symbol, mit dem er immer wieder auftaucht und das Emil Wachter natürlich auch  verwendet. Natürlich hat er jetzt wenig mit einem Stier zu tun, man weiß auch nicht genau, wie es zu dieser Zuschreibung gekommen ist. Das ist auch zweitrangig. Wichtig ist, dass wir einen der vier Pfeiler der Autobahnkirche ihm zuschreiben können. Lukas war höchstwahrscheinlich ein Jude griechischer Abstammung, der sich besonders der Heilkunde verpflichtet wusste. Sein Interesse galt deshalb auch den Heilungen, die Jesus vollzogen hat. Es war ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Evangelium nicht nur eine frohe Botschaft ist, sondern auch eine heilsame. Es soll eine Botschaft sein, an der Menschen an Leib und Seele gesund werden können. 

Der Himmel reißt auf

In einem bekannten Adventslied des Barockdichters Friedrich von Spee (1591-1635) heißt es: »O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!« In diesem Lied ruft der Dichter nach einer Veränderung, für die die Menschen nicht mehr sorgen können. Es braucht das Eingreifen des Heilands, des göttlichen Gesandten, um die Not, die herrscht, zu wenden. So ist dieses Lied angesichts des Elends, das uns in der Welt tagtäglich begegnet, immer noch aktuell. Es führt uns vor Augen, dass wir angesichts des Leidens sehr wenig ausrichten können.

Gottes Gegenwart ist ewig

In der Gebetssprache taucht das Wort Ewigkeit meist am Ende eines Satzes auf und ist die Aufforderung zu einem »Amen«, »So ist es!« Durch diesen Gebrauch ist »die Ewigkeit« formalisiert und all ihrer Bedeutungsschwere beraubt. Sie ist gezähmt und hat kaum Auswirkungen auf unser Denken, geschweige darauf, was wir tun. Aber das sollte sie, denn kaum ein Begriff ist so eng mit der Gegenwart Gottes verknüpft wie das Konzept der Ewigkeit. In der überirdischen Weise, wie wir Gott zu denken versuchen, ist das Ewige des Göttlichen Seins das vielleicht größte Unterscheidungsmerkmal zu uns sterblichen Menschen. Wir erleben Zeit, wir erfahren unsere Lebenszeit als begrenzt, der Tod gehört dazu. Wir wollen ihn zu Recht nicht akzeptieren und sehnen uns nach der unbegrenzten Fortdauer unserer Existenz. Zumindest wird unsere Lebenszeit als zu kurz empfunden.

Mächtig, kräftig, herrlich, ewig

Mit dem Lobpreis am Ende des Vaterunsers werden alle Register gezogen, um Gott ins rechte Licht zu rücken. Gott werden Eigenschaften zugeschrieben, die einem Herrscher würdig sind. Wenn am Anfang noch die liebevolle Anrede »Unser Vater«, oder wenn man es im Sinne Jesu formuliert: »Lieber Papa« dem Gebet eine persönliche Ausrichtung gibt, dann ist diese mit der Ehrerbietung zum Schluss nicht mehr zu finden. Im Gegenteil, Gott bekommt wieder ganz ein überirdisches, übermenschliches und herrscherliches Gesicht. Das ist nicht mehr der liebevolle Vater, von dem Jesus spricht, sondern im besten Fall der gütige Herrscher, dem man sich unterwerfen muss. Er wird zu dem richtenden König, der auf dem Thron sitzt, den man sich gewogen machen muss, dass er auf einen schaut und es gut meint. Dem dienen auch die Zuschreibungen, die hier Verwendung finden. Macht, Kraft, Herrlichkeit und Ewigkeit liegen in den Händen Gottes.

Von Gott ausgesprochen

Das Besondere am Schöpfungslied, das zu Beginn des Buches Genesis in der Bibel steht, ist die Art und Weise, wie Gott alles schafft: Gott spricht - es wird -  es ist gut. Alles, was ist, entsprang dem Wort Gottes. Das gilt auch für die Erschaffung des Menschen. Gott spricht, und es wird so, wie gesprochen. Das unterscheidet diese Art zu Schaffen von Schöpfungsdarstellungen aus anderen Religionen und Traditionen. Selbst im darauffolgenden (älteren) Schöpfungsbericht, schafft Gott mit den Händen und mit Material, das entsprechend geformt wird. Wenn Gott jetzt spricht und alles entsteht, dann hat das natürlich auch Konsequenzen für unser eigenes Selbstverständnis. Wir sind nicht nur von Gott geschaffen, sondern auch von Gott ausgesprochen. Das ist mehr als nur ein kreativer Schaffensprozess.

Die Herrlichkeit Gottes

Unsere Sprache ist verräterisch! Wir bekommen durch sie verschiedene Informationen, doch wir vermitteln unbewusst auch eine bestimmte Weltsicht. Das kommt daher, weil Sprache etwas Gewachsenes ist und sich durch die Menschen und mit den Menschen, die sich ihrer bedienen, verändert. So taucht in einer Gesellschaft, die patriarchalisch geprägt ist, das Wort »Herr-lichkeit« in Verbindung mit dem »Herr-scher« auf. Dort, wo der Arm des Herrn hinreicht, dort ist es herrlich. Wenn man den heutigen Gegensatz dazu nimmt, dann sind wir beim Wort dämlich, was nun niemand sein will, von der »Dämlichkeit« Gottes einmal ganz zu schweigen. 
Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm kommt herrlich ursprünglich von hirlich, was so viel heißt wie von edler Abkunft, was wir noch bei dem Wort hehr finden.

Anspruchsvoll

Das Gehör ist wohl unser zweitwichtigstes Sinnesorgan. Wir nehmen vieles mit den Ohren wahr. Geräusche von außen dringen an unser Ohr, aber auch Botschaften. Diese werden über Sprache vermittelt, über Musik und ganz bestimmte Töne, deren Bedeutung wir kennen. All diese Laute wurden mit einem besonderen Grund erzeugt: Sie wollen jemanden ansprechen, sie haben einen gewissen Anspruch. Das kann der Anspruch von Warnung vor einer Gefahr sein, die sachliche Mitteilung einer Nachricht oder die Botschaft von etwas, das uns möglicherweise im Herzen berührt. Je gewichtiger diese Worte sind, umso anspruchsvoller sind sie. Das gilt wohl nicht für Warnungen und auch nicht unbedingt für sachliche Nachrichten. 
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