Engel kommen dann ins Spiel, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn wir mit unseren Erklärungen am Ende sind und Dinge geschehen, die nicht zu unseren üblichen Vorstellungen passen. Mit Engel und ihrem Wirken können wir vieles erklären. Im Gegensatz zum Buch der Apokalypse, in dem die Engel auch kriegerisch und zerstörerisch auftreten, haben wir fast ausschließlich positive Bilder von Engeln im Sinn. So auch hier im Ostfenster in der Autobahnkirche. Dieser Engel tritt mit Vollmacht auf, es ist eine imposante Erscheinung. Sein Blick, seine Haltung, die Dynamik, die dieser Engel ausstrahlt, lässt diese Macht sichtbar und spürbar werden. Und er fällt auf, weil er zwischen den farbigen Fenstern als weiße Gestalt sofort ins Auge sticht.
Bilderweltarchiv 2025
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Ein Kind ist uns geboren
Weihnachten ist zwar nicht das wichtigste Fest der Christenheit, aber es ist das, mit dem wir am meisten verbinden können. Es ist ein durch und durch positiver Anlass, weil ein Kind auf die Welt kommt. In diesem Kind, so die christliche Überzeugung, wird Gott Mensch. Nach christlicher Lesart ist es der Messias, der seit Jahrhunderten versprochene Retter, der in die Welt kommt, um das Volk Israel zu erlösen. So heißt es im ersten Testament beim Propheten Jesaja: »1 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht; für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf. ... 5 Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst. 6 Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren. Er wird auf dem Thron Davids regieren und seine Herrschaft wird für immer Bestand haben, weil er sich an die Rechtsordnungen Gottes hält. Der Herr, der Herrscher der Welt, hat es so beschlossen und wird es tun.« (Jesaja 9,1.5-6, Übersetzung Gute Nachricht)
Friedenslicht
Man muss schon sehr genau auf die Südseite am Altar in der Krypta schauen, um zu erkennen, dass wir hier eine Hand sehen, die eine kleine brennende Kerze hält. Eine kleine Kerze, die für den Frieden brennt, ist eines der eindrücklichsten Symbole, die wir für den Frieden kenn. Jedes Jahr wird ein solches Licht in Bethlehem entzündet und dann von Pfadfinderinnen und Pfadfindern in alle Welt hinausgetragen. Jedes Licht wird an einem anderen entzündet, jedes Licht lässt sich so zum Ursprung zurückverfolgen. Neben dem Lichtschein, der selbst in einem großen dunklen Raum von überall her sichtbar ist, steht dieses Licht dafür, dass sich der Friede Stück für Stück und Kerze für Kerze ausbreiten kann. Das geschieht nicht von allein, es braucht die tatkräftige Unterstützung von Menschen, die das Licht weitergeben, es entzünden, es bei sich zuhause ins Fenster stellen und unter Umständen es an andere weitergeben.
Was im Verborgenen wächst
Das ist eine Darstellung, die man gar nicht sieht! Eine Pflanzenranke wächst auf der Oberseite der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche. Nur wenn man auf eine Leiter steigt, ist dieses Motiv zu entdecken. Ansonsten ist es verborgen - aber doch präsent und da! Auf diese Weise ein vielsagendes Bild, das viel über unsere Wachstumprozesse, über Wachstum allgemein verrät.
Für Recht und Gerechtigkeit
In Gesellschaften, in denen Staat und Religion getrennt sind, dürfen geistliche oder spirituelle Begründungen für Entscheidungen nicht herangezogen werden. Wenn man es aber genauer betrachtet, sind unsere Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit immer schon religiös geprägt, und sei es nur deshalb, weil entsprechende Gesetze in religiös geprägten Kontexten entstanden sind und erlassen wurden. So finden wir in unserer Rechtsprechung immer noch Anklänge an die Zehn Gebote, die ihre religiöse Begründung als von Gott erlassen nicht leugnen können. Deshalb wird gerade dann, wenn es um Gerechtigkeit geht, der spirituelle Blick notwendig. Dabei geht es weniger um den Aspekt der Bestrafung, das ist wohl geregelt. Viel wichtiger ist vielmehr, ob und wann Barmherzigkeit zum Zuge kommt.
Sechzigfach, hundertfach
Es ist eine Erfahrung aus der landwirtschaftlichen Kultur, dass sich Einsatz lohnt. Aus einen Saatkorn wird ein Vielfaches, wenn es eingepflanzt wurde und entsprechend wachsen konnte. Der kleine Samen, der unscheinbare Einsatz bringt etwas Großartiges hervor. Das ist die Erfahrung einer bäuerlichen Kultur, wenn am Ende eines Jahres die Ernte eingebracht wird, oder über viele Jahre hinweg, wenn beispielsweise immer wieder die Früchte eines Baumes geerntet werden. Gerade bei Bäumen wird es offensichtlich. Wenn ein Baum wächst, dann hat man sehr lange davon, die Ernte hat sich nicht nur verdoppelt, sondern für den Einsatz eines einziges Kerns der Frucht wird man das ganze Jahr mit Früchten versorgt, und das über Jahre hinweg. Dieser eine Kern hat sich gelohnt! Was so einfach und selbstverständlich klingt, ist es aber nicht. Ernten sind immer wieder bedroht durch zu viel oder zu wenig Sonnenschein, durch zu viel oder zu wenig Regen, durch Naturkatastrophen und Kriege, durch Krankheiten und Schädlinge, die auch die Pflanzen immer wieder heimsuchen. All diesen Gefährdungen zum Trotz halten die Menschen an der Hoffnung fest, dass der Ertrag größer sein wird als der Einsatz. Erfüllt sie sich, dann ist das Überleben gesichert.
Vogelbotschaft
Wie kann man das Evangelium, die frohe Botschaft, darstellen? Einen außergewöhnlichen und gelungenen Versuch sehen wir an der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche: Ein Vogel mit einer Blume im Schnabel! Da fällt einem sofort das Lied: »Kommt ein Vogel geflogen.« ein. Im Volkslied hat der Vogel einen Zettel mit einem Gruß im Schnabel, hier ist es eine Blume, nicht minder schön und anrührend. Der Ort mit der Christophorus-Stele ist Teil dieser Botschaft. Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden, die Autobahnkirche steht unter seinem Patronat. Im Lied werden Grüße von einer Liebsten übermittelt, die Geliebte, die in der Ferne weilt, hält die Verbindung zu ihrem Partner aufrecht und mit Hilfe des Vogels gelingt das auch. Was liegt da näher, als sich noch einmal des Vogels für einen Gruß zu bedienen? Nur was ist jetzt die Botschaft?
Wachse!
Beim Elia-Turm der Autobahnkirche geht es um das wichtige Thema Gerechtigkeit und um das Verhältnis von Religion und Politik. Wir finden an diesem Turm auch sehr viele Darstellungen von Pflanzen und von Bäumen. Das ist kein Widerspruch, sondern verweist darauf, dass ein guter Umgang mit der Natur die Grundlage für eine gerechte Weltordnung ist. Ohne ein gesundes Wachstum von Pflanzen gibt es keine Gerechtigkeit auf der Welt, denn nur diejenigen, die es sich leisten können, haben genug zu essen und können die Natur so nutzen, wie es ihnen gut tut. Eines wird dabei gerne vergessen: Wachstum braucht Zeit und die alte Erkenntnis, dass die Ernte dieses Jahres der Grundstock für die Aussaat und Ernte des nächsten Jahres ist, wird gerne übersehen. Wie lange dauert es, bis ein Obstbaum so weit ist, dass er Früchte trägt? Wie lange dauert es, bis ein Getreidefeld abgeerntet werden kann? Wieviele Hindernisse und Gefährdungen gibt es auf dem Weg zu einer guten Ernte? Das war den Menschen früherer Generationen schon bewusst. Heute aber, wo die Bedrohungen viel umfassender und globaler geworden sind, vergessen wir diesen Zusammenhang.
Verbunden sein und bleiben
Das Fenster vom Weinstock, mit den Rebzweigen und den Trauben als Früchten bezieht sich auf die zweite Abschiedrede aus dem Johannesevangelium. Jesus schärft auf seine Art mit eindrücklichen, aber auch geheimnisvollen Bildern seinen Jüngerinnen und Jüngern ein, wie sie ihr Leben gestalten können. Ihm ist es dabei ganz wichtig, in Beziehung zu sein, untereinander, zu ihm selbst und zu Gott. Wenn das gelingt, dann gelingt auch das Leben. Er sagt: »10 Wenn ihr meine Gebote befolgt, dann bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich die Gebote meines Vaters befolgt habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Ich habe euch dies gesagt, damit meine Freude euch erfüllt und an eurer Freude nichts mehr fehlt. 12 Dies ist mein Gebot: Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe.« (Übersetzung Gute Nachricht 2018).
Ihr in mir und ich in euch
Die Bezüge, die Jesus in Verbindung mit dem Bild des Weinstocks verwendet, klingen sehr geheimnisvoll und verwirrend: In der zweiten Abschiedrede sagt Jesus: 1 »Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.« (Johannes 15,1-5, Einheitsübersetzung 2016) In der Glaubensgeschichte wurde diese Stelle ganz unterschiedlich ausgelegt, mal repressiv, mal ermutigend, mal wortwörtlich, dann wieder sehr weit interpretiert. Aber alle Versuche, diese Sätze richtig zu verstehen, haben ihnen nichts von ihrem geheimnisvollen Charakter genommen.
Ergebnisse 1 - 10 von 53



















