Bilderweltarchiv 2021

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Ewiger Augenblick

Wie stellt man die Ewigkeit dar? Wie rede ich von etwas, für das ich keine Worte finden kann, weil es unbeschreiblich ist? Wie kann ich etwas verstehen, was eigentlich nicht zu verstehen ist, weil uns die Bilder fehlen? Wir verwenden den Begriff der Ewigkeit, wenn wir lange Zeiträume beschreiben, aber das, was wir meinen, klingt oft lächerlich. »Ich musste ewig an der Kasse warten, bis ich drangekommen bin.« Dabei hat es nur ein paar Minuten länger als erwartet gedauert. »Ich war eine Ewigkeit lang damit beschäftigt, meinen Schreibtisch aufzuräumen.« Auch damit sind wohl höchstens zwei, drei Stunden gemeint. Ewigkeit ist etwas ganz anderes.

Sehnsuchtsorte

»Aber du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.« So heißt es Buch des Propheten Micha (Mi 5,1). Die Schriftgelehrten am Hof des Herodes verweisen auf diese Stelle, als die Magier aus dem Osten nach Jerusalem kommen und nach dem neugeborenen König fragen. Sie erkennen so Bethlehem als die Stadt, in der der Messias geboren werden soll. Bethlehem wird damit zum Ort, an dem sich eine Verheißung erfüllt, einem »Sehnsuchtsort«.

Propheten und ihr zuhause

Propheten werden immer in Aktion dargestellt. Sie haben ja auch eine wichtige Tätigkeit. Sie treten für Gott und die göttliche Botschaft sein, sie weisen den richtigen Weg und sagen vielleicht noch voraus was geschehen kann. Sie sind durch und durch verantwortungsvoll, sie stehen zu ihrem Wort und tun, was sie sagen. Selbst wenn Propheten wie Elia beim Ausruhen beschrieben werden, dann steht auch das im Dienst der Botschaft, die sie vertreten. Doch haben sie auch einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und mal ganz privat sein können? Wahrscheinlich ist das eine Frage, die nur wir als moderne Menschen stellen.

Der leere Kreis

Wenn wir auf etwas Wichtiges aufmerksam machen wollen, dann kreisen wir es ein. Die Kreislinie markiert, das, das sie umschließt, als bedeutsam und bemerkenswert. Was eingekreist ist, wird nicht übersehen. Was aber, wenn ein Kreis gezogen wird, in dem sich nichts befindet? Ist dann etwas schiefgelaufen? Oder wird etwas Widersinniges betont, das wir nicht verstehen? Leere Kreise tauchen immer wieder in spirituellen Traditionen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen auf. Sie sind meist ein Verweis auf das unbegreifliche Geheimnis Gottes oder Sinnlosigkeit, ein festes Ziel zu definieren.

In Gottes Gegenwart leben

Wir können nur schwer in Worte fassen, was es heißt, in der Wirklichkeit Gottes zu leben. Wir können nicht sagen, was und wie Gott ist, noch weniger sagbar ist die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Aber es gibt die Erfahrung, dass es so ist. Wir brauchen die Poesie, die Musik und die bildenden Künste, um Wirklichkeiten auszudrücken, die dem objektiven Begreifen und der Vernunft verschlossen bleiben. In der Nordostecke in der Autobahnkirche sehen wir einen Versuch Emil Wachters, mit den er genau das versucht. Es ist eine abstrakte Darstellung. Auf leicht goldenem Hintergrund sehen wir einzelne rote, blaue und goldene Glassplitter.

Ihr seid die Reben

Das Bild vom Weinstock ist ein gängiges Bild, das Jesus aus seiner Umwelt übernimmt. Im Johannes-Evangelium sagt er: »1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er weg, und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie noch mehr Frucht bringe. 3 Schon an euch zeigt sich, dass ihr rein seid, weil ihr das Wort, das ich zu euch geredet, aufgenommen habt. 4 Bleibt ihr in mir, dann bleibe ich auch in euch. Wie die Rebe für sich allein und aus eigener Kraft keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie in Verbindung mit dem Weinstock bleibt: ganz ebenso ist's auch mit euch, wenn ihr nicht in Gemeinschaft mit mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, nur der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.« Er betont damit den Zusammenhalt, den er mit seinen Jüngerinnen und Jüngern hat.

Beten oder Opfern

Im Fenster der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir einen Engel, der eine Schale mit Weihrauch über einem Altar hält, der ansonsten leer ist. Weihrauch und Altar stehen für zwei Weisen, wie wir uns Gott nähern können. Der Altar bezieht sich auf das Opfer. Man gibt Gott etwas vom eigenen Reichtum ab und erhofft sich dadurch eine bevorzugte Behandlung. Man kann sich aber nicht sicher sein, ob das Opfer angenommen wird, deshalb wird es von Bittgebeten begleitet. Das Opfer gehört zu den ältesten Praktiken der Menschen. Um Altäre herum sind Kultstätten entstanden. Nicht zuletzt wurden Tempel, dann Kirchen um sie herum gebaut. Wir reden noch immer vom Opfer, aber es werden keine Tiere mehr geschlachtet und auf den Altären verbrannt.

Liebe überwindet Grenzen

Zwei Gesichter blicken in die gleiche Richtung. Wir wissen nicht, wie sie zueinander in Beziehung stehen. Lieben sich die beiden oder sind sie im Hass getrennt? Zwischen ihnen steht ein Baum und markiert eine Trennlinie. Rechts und links, die eine und der andere, miteinander oder gegeneinander, jedes für sich. Sind sie jetzt durch den Baum getrennt oder miteinander verbunden? Es ist ein rätselhaftes Motiv, das Emil Wachter als Rückenlehne für die Sitze auf der linken Seite in der Autobahnkirche geschaffen hat. Eine Darstellung, in die viel hineininterpretiert werden kann und die sich im ersten Betrachten gar nicht erschließt.

Gott stürzt Mächtige vom Thron

Wenn man politische Prozesse verfolgt, stellt man immer wieder fest, dass diejenigen, die Macht innehaben, sie nicht gerne wieder abgeben. Es wird als Fortschritt der Demokratie gepriesen, wenn ein Machtwechsel ohne große Probleme und friedlich von statten geht. Das, was in demokratischen Strukturen als der Normalfall gilt, ist in autoritären Systemen selten der Fall. Es drohen immer größere Unruhen, wenn ein Herrscher seine Macht verliert und vom Volk, vom Militär, einer rivalisierenden Clique, von ausländischen Mächten oder von der eigenen Familie gestürzt wird. In allen Fällen muss eine gute Lösung gefunden werden, wie der Übergang gestaltet wird.

Apostolin der Apostel

Sie war die erste Zeugin der Auferstehung Jesu und hat die frohe Kunde dem Jüngerkreis überbracht. Sie ist schon bei der Entdeckung des leeren Grabes am Morgen den anderen voraus und holt sie zum Grab. Später dann erscheint ihr Jesus und sie verwechselt ihn mit dem Gärtner. Als sie ihn dann doch erkennt, wird sie mit einem Auftrag zu den anderen geschickt: »Jesus sagte zu ihr: ›Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹ Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.« (Johannes 20,17-18) So ist sie in mehrfacher Hinsicht die erste, sie entdeckt das leere Grab, sie hat die erste Erscheinung des Auferstandenen und sie ist die erste, die die Botschaft der Auferweckung weitertragen kann und soll.
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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