Der Noah-Turm

 
Wer auf die Autobahnkirche von der Raststätte zuläuft, stößt zuerst auf den Noah-Turm. Der gedrungene Beton-Klotz wirkt verstörend und ist doch harmonisch in die Landschaft eingebettet. Als erstes sticht das Bildnis des roboterhaften Menschen ins Auge, dessen Kopf ein Auto darstellt und der aus Autoteilen besteht. Ein Fanal der Technik.
Das ist das große Thema hier am Noah-Turm. Die moderne Technik, die wie die biblische Sintflut alles leben auf der Erde zerstört. An der Ostseite sehen wir Noah, der sich in seine Arche rettet und die Türen schließt. Wir sehen Christophorus, der das Kind trägt und eine Mutter, die ein Kind stillt. Geschütztes Leben und bedrohtes Leben
Auf der Ostseite sehen wir das erste Menschenpaar, deren Sündenfall und den modernen Sündenfall, die Zerstörung der Natur. Es ist das Öl und die Prinzipien der kapitalistischen Marktwirtschaft, die die Erde zerstören. Während wir an der Nordseite eher die geretteten Lebenwesen sehen, befinden sich auf der Südseite Menschen, die sich schuldig fühlen und aus dem Paradies vertrieben sind. Über allem schaut Noah aus der Arche auf die Welt hinaus.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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