Im Stau

Es gehört zu den unbeliebtesten Beschäftigungen: Im Stau zu stehen. Ob es jetzt die Zeit im Berufsverkehr ist, die man verliert, oder wertvolle Urlaubszeit, die man gerne am Strand oder in den Bergen verbracht hätte, im Stau wird die Zeit nutzlos vergeudet. In den wenigsten Fällen kann man etwas dafür, dass es nicht weitergeht. Im schlimmsten Fall ist viel weiter vorne ein Unfall passiert und man muss warten, bis die Autobahn wieder freigegeben ist oft. Meistens aber stockt der Verkehr, weil zu viele unterwegs sind. Aufgrund hohen Verkehrsaufkommens steht alles still und es bewegt sich gar nichts mehr. Je mehr Fahrzeuge es gibt, je mehr Verkehr auf die Straße verlagert wird, umso mehr Zeit geht im Stau verloren und die Kosten, die das verursacht, gehen in die Milliarden. Ja, es sind die vielen anderen Autos und LKWs, die Kleintransporter, die Raser, die plötzlich abbremsen müssen, die Baustellen, die immer zur unpassenden Zeit eingerichtet werden und viel zu lange bestehen bleiben, obwohl mal wieder nicht gearbeitet wird, ... Die Liste von Erklärungen und Schuldzuweisungen ließe sich endlos fortsetzen. Das ändert alles nichts, wir ärgern uns, wenn wir im Stau stehen und nicht vorwärtskommen.
Als Emil Wachter 1978 den Noah-Turm geschaffen hat, war die Verkehrsdichte noch lange nicht so hoch wie heute, aber es gab immer wieder kilometerlange Staus. Stoßstange reihte sich schon damals an Stoßstange. In dieser Zeit wurde der Begriff der »Blechlawine« geboren, die sich besonders zur Urlaubszeit Richtung Süden wälzte. In den Siebziger Jahren  begann aber auch ein Umdenken. Es sind nicht die anderen, die den Stau verursachen! »Du bist der Stau!« wurde formuliert und das gilt heute noch! 
Als Teil dieser Blechlawine bin ich auch mit meinem Fahrzeug ein Teil des Staus, ich gehöre dazu und muss, wie alle anderen warten, bis es wieder weitergeht. »Du bist der Stau!« Ist keine Schuldzuweisung, wir können nichts dafür, im Stau zu stehen! Oder doch? Wäre es nicht besser gewesen, diese Strecke zu meiden? Hätte man nicht noch früher losfahren können? Oder vernünftiger planen? All das hilft nichts. Ich bin ein Teil des Staus. Gut, wenn es gelingt, sich die Wartezeit zu vertreiben mit Spielen, lesen Hörbüchern, Musik oder ähnlichem. Das am wenigsten hilfreiche ist, sich aufzuregen. Ein bewährtes Mittel dagegen ist eben dieser Satz: »Du stehst nicht im Stau, du bist der Stau!«