Bilderweltarchiv 2025

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Vielfältige Frucht

Immer genügend zum Essen zu haben, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Jede Religion versucht, das Bewusstsein für dieses Grundbedürfnis zu stärken. In Bildern und in Festen wird ausgedrückt, dass ausreichend Nahrung nicht selbstverständlich ist, dass wir Menschen uns nicht darauf verlassen können, dass wir immer all das zum Essen haben, was wir brauchen. Geschweige denn, dass wir einen Anspruch darauf hätten, dass unser Teller immer voll ist. Die Erfahrung zeigt uns das Gegenteil, vielleicht nicht so sehr in unseren Breiten, aber weltweit gesehen gibt es viele Regionen, in denen Menschen um ihre tägliche Nahrung kämpfen müssen oder  hungern. In Gebeten und Segenswünschen wird deshalb immer wieder Gott angesprochen, dass immer genügend zum Essen da ist. Es sind dann die schönsten biblischen Zusagen, in denen paradiesische Zustände herrschen und man sich keine Sorgen um das tägliche Brot machen muss und darum, dass wir eine Auswahl an Lebensmitteln haben.
Am Elia-Turmsehen wir gleich mehrere Darstellungen dieser Sehnsucht und Verheißung. Verschiedene Pflanzen tragen unterschiedliche Früchte, alles wächst und gedeiht mit größter Selbstverständlichkeit, weil Gott für sein Volk sorgt und dessen Bedürfnisse in reichem Maß stillt.

Es soll wachsen und gedeihen

Der Baum des Lebens ist ein wunderbares Bild, weil da etwas wächst, das wir als Geschenk begreifen müssen. Ein Lebensbaum ist ein Sinnbild für das Leben schlechthin, für das Leben, das unverfügbar ist und für das wir eintreten müssen, das wir bewahren müssen, weil es doch so vielfältig bedroht ist. Hier sehen wir einen ganz einfachen Baum, der Früchte oder nur Blätter trägt. Daneben, sehr viel kleiner, noch einen Baum in aller Pracht. Es ist ein wichtiges Thema beim Propheten Elia, denn er steht wie kein anderer für Wachstum und Leben im Überfluss, auch wenn die größte Not droht. Elia vertraut auf die Zusage Gottes, dass der Mehltopf nicht leer wird und der Ölkrug immer voll bleibt. Für die Zeit, in der Elia lebte, waren diese Bilder lebensnotwendige Selbstverständlichkeiten. Durch Dürren, Überschwemmungen, Krankheiten und Kriege war die Versorgung mit den notwendigsten Lebensmitteln immer wieder bedroht, wir heute im reichen Westen können nur erahnen, wie sich eine schlechte Ernte oder zerstörte Felder auswirken. Wir beginnen erst langsam wieder zu entdecken, wie wichtig jeder einzelne Baum, jeder Quadratmeter Ackerfläche für uns und das Leben allgemein ist, nicht nur für die Versorgung mit Lebensmitteln. 
 

Früchte tragen

In unserer westlichen Kultur haben wir den direkten Bezug dazu verloren, wie Nahrung auf unseren Teller kommt. Wir reden von landwirtschaftlicher Erzeugung, Lebensmittelproduktion, von industrieller Verarbeitung von Lebensmitteln und so weiter. Gerade bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln, die direkt oder indirekt die Grundlage unserer Ernährung sind, gehen wir davon aus, dass alles immer und zu jeder Zeit verfügbar ist, dass es nicht viel kosten darf und doch von herausragender Qualität sein muss. Diese Selbstverständlichkeit ist eine Illusion. Im Zeitalter von Klimawandel und anderen Krisen werden wir eines besseren belehrt. Wir sehen, dass der ungezügelte Konsum von Nahrungsmitteln sehr viel zur Verschwendung beiträgt, vieles wird ungenutzt vernichtet, weil große Mengen nicht gelagert werden können, weil es Spekulationsobjekte sind oder weil einfach zu viel da ist und gar nicht gebraucht wird. Das ist aber nur in der westlichen Welt so. In anderen Regionen der Erde herrscht nach wie vor Hunger aufgrund von Misswirtschaft, Dürren, Kriegen und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen. 

Glauben und Zweifeln

Der Apostel Thomas kommt in der Darstellung der Jüngerinnen und Jünger Jesu nicht besonders gut weg. Er ist derjenige, der den anderen nicht glauben will, dass Jesus auferstanden ist: »Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer aus dem Kreis der Zwölf, nicht dabei gewesen. Die anderen Jünger erzählten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!« Thomas sagte zu ihnen: ›Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den Nägeln an seinen Händen sehen und sie mit meinem Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst nicht!‹« (Johannes 20,24-25, Übersetzung Gute Nachricht). Der »ungläubige Thomas« ist derjenige, der den Glauben in Frage stellt, er will es selbst erfahren, ansonsten lehnt er das Bekenntnis der anderen ab und stellt sich gegen sie. So wird der »ungläubige Thomas«, wie er genannt wird, zum Zeugen der Auferstehung für moderne Menschen. 

Am Herzen Jesu

Am Altar in der Krypta der Autobahnkirche, gegenüber dem Tabernakel sehen wir ein Herz abgebildet. Es ist ein besonderes Herz, ein verwundetes Herz. Es ist ein Herz, aus dem Flammen schlagen. Beide Bedeutungen können wir sowohl auf Jesus beziehen als auch auf uns selbst. Wir sind deshalb ganz nah am Herzen Jesu. 
Jede und jeder von uns trägt seine Lebenserfahrungen mit sich, Erfahrungen, die ihre Spuren hinterlassen haben. Manche lassen einem das Herz bluten, andere entzünden es regelrecht und es brennt lichterloh. Wir können unsere Verwundungen nicht wegreden, wegbeten oder ignorieren, sie sind da. Wir lernen mit der Zeit, mit ihnen zu leben. Manche verheilen ganz gut, aber es bleiben Narben zurück.

Lichtbringer

Schwer zu erkennen, auch im Original an der Seite des Altares in der Krypta der Autobahnkirche: Eine Hand, die eine kleine, brennende Kerze hält. Das ist das christliche Symbol schlechthin. Das kleine Kerzenlicht kann nicht übersehen werden. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich in der Osternacht das Licht der Osterkerze in der dunklen Kirche verteilt und die ganze Kirche plötzlich auf eine ganz besondere Art und Weise erstrahlt und hell wird. Dieses Licht steht für den Auferstandenen Jesus. Er ist das Licht, das unsere Welt hell macht. So heißt es auch im Choral aus Taizé in der deutschen Übersetzung: »Christus, dein Licht, verklärt unsre Schatten. Lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde, und du sagst uns, auch ihr seid das Licht.«

Ich bin bei dir!

Im Psalm 23 stehen die vier Worte, die Glauben ganz einfach zusammenfassen: »Du bist bei mir!« (Psalm 23,4) Dieses kleine Glaubensbekenntnis hat aber, wenn es so bedacht wird, Konsequenzen für ein Verständnis der Gegenwart Gottes. Wenn ein betender Mensch die Worte spricht: »Du bist bei mir!«, dann schwingt gleich auch die Aussage mit: »Ich bin bei dir!« Ein Gebet, das beide Sichtweisen sichtbar werden lässt, macht aus einer zunächst einseitigen Aussage des Vertrauens ein gegenseitiges Beziehungsverhältnis auf: »Wenn du bei mir bist, dann bin ich auch bei dir!« Glauben ist dann nicht etwas, das nur in eine Richtung geht, sondern ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht.

Frohbotschaft ist anspruchsvoll

Am Ambo der Autobahnkirche sehen wir das Gesicht eines Menschen. Die Augen sind geschlossen, dieser Mensch hört und verstärkt den Schall dadurch, dass er mit seiner Hand die Ohrmuschel vergrößert. Er möchte alles hören und nichts verpassen. Weil wir diesen hörenden Menschen am Ambo sehen, ist auch klar, dass es die frohe Botschaft ist, die nicht verpasst werden soll. Ist es allein diese Botschaft, die gehört werden muss? Natürlich nicht, es geht um sehr viel mehr. Das Evangelium ist sehr anspruchsvoll, wenn man es auf das eigene Leben anwendet. Es fordert Konsequenzen, wenn man das Wort Jesu, seine Frohbotschaft, gehört hat, kann man nicht mehr so weiterleben, wie bisher.

Wichtige Stütze

In der Krypta der Autobahnkirche gibt insgesamt sieben freistehende Säulen, wo es eigentlich aus Gründen der Symmetrie acht sein müssten. Die Säule in der Nordostecke fehlt. Die Erklärung hierfür ist einfach: In alten Kathedralen und Kirchen stehen die Säulen für die Apostel, sie tragen die Kirche. Durch seinen Verrat ist Judas keiner der Träger der Kirche, im Gegenteil, er ist eine Gefahr für die Kirche. Aus diesem Grund fehlt die achte Säule in der Krypta. Ist das richtig? Folgt man den Evangelien und der Haltung gegenüber Judas und seinem Verrat in der Kirchengeschichte, dann ist das folgerichtig. Einer, der für vierzig Silberlinge Jesus an die Häscher des Rates und an die Besatzungsmacht der Römer ausliefert, kann nichts anderes als in den tiefsten Pfühlen der Hölle schmoren. Er hat keinen Teil an der Erlösung. In alle Ewigkeit muss er für seine Missetat büßen.

Mächtiger Schutz

Selbst wenn wir uns noch so aufgeklärt geben und nach Möglichkeit alles, was uns an mythische Formen der Lebensgestaltung erinnert, verbannen wollen, können wir uns ein Leben ohne Engel kaum vorstellen. Sicherlich haben wir unterschiedliche Vorstellung davon, was die Engel sind, aber kein anderes vormals religiöses Symbol kommt in unserem modernen Alltag so häufig vor wie Engel. Wir sehen sie als kleine niedliche, weiße Gips- und Porzellanfiguren. Sie stehen kunstvoll geschnitzt auf unseren Sideboards und in Vitrinen, sie schmücken nicht nur die weihnachtliche Festtafel, sondern auch die Gräber unserer verstorbenen Angehörigen. Manchmal kitschig, dass es gar nicht schlimmer geht, dann wieder sehr anspruchsvoll und abstrakt. Es fällt auf: Engel sind in unserer säkularen Welt allgegenwärtig!
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