Bilderweltarchiv 2025

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Staunender Pharao

Eine eigenartige Darstellung! Aus sich heraus wird sie nicht verständlich. Wir brauchen dazu die Beschreibung, die Emil Wachter dazu gibt: Er nennt dieses Relief: »Der Pharao in Tiergestalt vor dem Geheimnis Israels«. Emil Wachter verarbeitet dabei verschiedene Traditionen. Zum einen wird der Pharao als Tier gezeigt, was im alten Ägypten eher alltäglich war. Man denke nur an die Sphinxen, diese Mischwesen aus Mensch und Löwe. Einige Anklänge erkennt man hier auch. Wir sehen das, was Emil Wachter als Geheimnis Israels bezeichnet, in Form einer Pflanze, die erst noch aufblühen muss. Sie ist in sich verdreht, als Spirale kann sie sich entfalten.

Gotteswort in Menschenwort

Wenn von Heiligen Schriften die Rede ist, dann wird immer davon gesprochen, dass sie göttlichen Ursprungs sind. Es wird oft behauptet, dass sie von Gott selbst verfasst oder zumindest von einem Engel übermittelt worden sind und deshalb von Menschen nicht verändert werden dürfen oder nur unter besonderen Umständen und auf eine ganz eigene Weise ausgelegt werden dürfen, wenn überhaupt. Die Aufklärung hat gezeigt, dass diese Sichtweise schwierig ist und zu Recht. Es gibt zu viele Widersprüche, als dass wir diese einem allwissenden Wesen zusprechen können. Wenn wir aber wissen, dass diese Schriften von Menschen verfasst wurden, die in einer bestimmten Zeit an einem ganz konkreten Ort unter eigenen Umständen gelebt haben, dann werden diese Widersprüche erklärbar und helfen uns, sie besser zu verstehen.

Stilleschweigen ist lautere Stille

 
Zwei Hände umfassen eine dunklen Kreis. Dort, wo in der Abbildung das Schwarz ist, brennt in der Krypta der Autobahnkirche eine Lampe. Die Hände tragen und schließen das Licht gleichsam mit ein. Sie schützen es, und zeigen auch, wie gefährdet es ist. Das ist eines der Deckenreliefs in der Krypta der Autobahnkirche, die kaum beachtet werden und doch dem Raum einen besonderen Ausdruck verleihen. Sie laden zur Betrachtung ein und beruhigen den Geist. Sie führen uns ins Schweigen. Das ist ein Schweigen, das nicht nur nicht reden bedeutet. Es ist ein aktives Schweigen, bei dem man nichts sagen will. Meister Eckhart, der mittelalterliche Mystiker, nennt es »Stilleschweigen«. Das ist für ihn die lautere Stille, die reine Stille. Wir können uns das heute sehr schwer vorstellen, weil wir doch sehr von Geräuschen und Lärm umgeben sind. Ich glaube, dass wir von einer tiefen Sehnsucht nach dieser reinen, lauteren Stille erfüllt sind und diese auch suchen. Emil Wachter drückt diese Sehnsucht in diesem Deckenrelief aus.
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