Notwendiger Abstieg

Eine alte Weisheit besagt, dass man erst einen Berg bestiegen hat, wenn man auch wieder hinabgestiegen ist. Dahinter steht die Erfahrung, dass man nicht auf dem Berg bleiben kann, man muss von seinen Erfahrungen auch berichten können. So geht es auch Mose. Er stieg auf den Horeb hinauf, hatte Kontakt mit Gott und kam mit dem Gesetz, festgehalten auf zwei Steintafeln, wieder zurück. So sehen wir an der Südseite des Noah-Turmes mit den Tafeln im Arm, wie er aufrecht gehend, den Berg herabsteigt. Emil Wachter hat ihn selbstbewusst dargestellt, Mose weiß, was er will und er hat etwas zu übergeben, was für das Volk Israel überlebenswichtig ist. Ich frage mich, was wohl in seinem Kopf vorgeht. Macht er sich Gedanken darüber, was ihn erwartet, wenn er unten ist? Wie haben sich die ihm anvertrauten Israeliten verhalten, während er weg war? Oder hängt er noch dem nach, was er erlebt hat? Dass er eine Begegnung mit Gott erlebt und überlebt hat? Dass er von Gott würdig gefunden wurde und fast schon als Partner mit Gott verhandelt hat? Oder dass er sich in der Begegnung mit Gott verändert hat und wie sich das auf ihn selbst und sein Leben ausgewirkt hat? Schließlich könnte er sich ja auch ganz auf den Abstieg konzentrieren, denn wir wissen, dass der Abstieg meist mühsamer ist als der Aufstieg und dass dabei viel eher die Möglichkeit besteht, zu stürzen und sich zu verletzen. 
Mose steigt vom Horeb herab und weiß, dass es ein besonderer Abstieg ist. 
Er bringt ja etwas mit und weiß von etwas zu erzählen. Die Israeliten, die ihn nach dem Abstieg gesehen haben, schilderten ihn so: »29 Als Mose mit den beiden Tafeln den Berg hinabstieg, wusste er nicht, dass sein Gesicht einen strahlenden Glanz bekommen hatte, während der HERR mit ihm sprach. 30 Aaron und das ganze Volk sahen das Leuchten auf Moses Gesicht und fürchteten sich, ihm nahe zu kommen.« (Exodus 34, 29-35, Übersetzung Gute Nachricht) Mose hat sich verändert, aber das weiß er erst, als er wieder unten war. In der Nähe Gottes zu verweilen ist das eine, verändert unter den Mensch zu leben das andere.