Bilderweltarchiv 2025

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Welche Wahrheit?

Wenn Pilatus beim Verhör von Jesus ins Philosophische abgleitet, dann ist das kein Zufall. Er ist Angehöriger der römischen Oberschicht, er ist der Statthalter, der die Besatzungsmacht vertritt. Er ist gebildet, er kennt die römischen Überlieferungen und hat sich wohl auch mit den römischen Philosophen seiner Zeit auseinander gesetzt. Und so stellt er beim Verhör die Frage, die die  Menschheit seit Anfang umtreibt: Was hat es mit der  Wahrheit auf sich? »Jesus sagte: ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?« (Johannes 18,37b-38a) Auch wenn die Wahrheit zur Sprache kommt, ist nicht klar, um was es dabei wirklich geht.

Türöffner für die Welt

Judas Taddäus steht stellvertretend für die sechs Paare von Aposteln, die bei den drei Ausgängen der Autobahnkirche als Türwächter eine wichtige Aufgabe wahrnehmen. Er ist nicht sehr auffällig, seine Gesichtszüge sind wie die der anderen elf eher durchschnittlich. Die sehr flachen Reliefs springen auch nicht so sehr ins Auge wie beispielsweise die Fenster, die man sofort wahrnimmt. Aber, wie immer bei Kirchenbauten, ist nichts zufällig an seinem Platz und die Apostel erfüllen auch hier eine wichtige Funktion. In alten Kathedralen sind die zwölf Säulen im Langschiff in der Regel den Aposteln gewidmet. Sie tragen die Kirche, sie sorgen für deren Stabilität und bilden quasi ihr Fundament. Auf ihnen ist die Kirche errichtet.

Für wen schlägt dein Herz?

Wohl kaum ein Symbol wird häufiger bemüht als das Herz. Es gibt viele Begriffe wie herzlich, herzerweichend, von Herzen, herzallerliebst und so weiter. All diesen Begriffen sind die Eigenschaften des Herzen zu eigen, dass es etwas Gutes anzeigt. Es steht für Liebe und Zusammengehörigkeit. Selbst in der modernen Kommunikation mit den sozialen Medien sind die Emojis mit Herzen nicht mehr wegzudenken. Wenn das Herz im Spiel ist, dann geht es immer um Beziehung. Das Herz schlägt nie für einen allein, es braucht immer jemanden anders, dass es schlagen kann. Deshlab ist die Frage hin und wieder berechtigt, für wen das Herz eigentlich schlägt und warum das so ist. Das Herz am Altar in der Krypta der Autobahnkirche mag ein Anlass dafür sein, darüber nachzudenken.

Für euch und für alle

Unter den Aposteln, die an den drei Portalen der Autobahnkirche dargestellt sind, nimmt Paulus eine besondere Position ein. Er war laut biblischer Überlieferung keiner der von Jesus Auserwählten. Er gehörte auch nicht zum Zwölferkreis, den wir als den Kreis der Apostel bezeichnen. Und doch nennt er sich »Apostel«, weil er den Herrn gesehen hat. Er hat die Erfahrung der Auferstehung Jesu gemacht, und das nicht schon am dritten Tag, die viele andere, sondern erst Jahre später, nachdem er die jungen Christengemeinde blutig verfolgt hatte. Er ist ein besonderer Mensch, manchmal wird er gar als die eigentliche Gründergestalt des Christentum bezeichnet. Aus der Reihe der zwölf Apostel in der Autobahnkirche sticht er nicht heraus, er gehört ganz selbstverständlich dazu.

Ein Herz, das lebt

Wir verbinden mit dem Herzen immer Lebendigkeit. Wenn das Herz schlägt, dann sind wir am Leben, mit dem Herzschlag belegen wir auch, ob jemand am Leben ist oder nicht. Wenn das Herz kalt und hart wird, wenn es versteinert, dann werden Menschen selbst hart und unbarmherzig. In der Religion ist das eine wichtiges Thema. Wir finden beim Propheten Ezechiel dieses Bild, um einen Neuanfang zu wagen. In der Gottesrede bei Ezechiel heißt es: »25 Ich besprenge euch mit reinem Wasser und wasche den ganzen Schmutz ab, der durch den Umgang mit euren Götzen an euch haftet. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt. 27 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinen Ordnungen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen.« (Ezechiel 36,25-27, Übersetzung Gute Nachricht 2018)

Von Engeln getragen

Wie sehen Engel aus? Die Berichte, die wir in der Bibel lesen, sind nicht eindeutig und sie lassen sehr viel Spielraum für Spekulationen zu. Die wenigsten sind aber menschenähnlich, auch wenn sie oft so dargestellt werden. Es sind meist geflügelte Wesen, mit einem menschlichen Gesicht, aber undefinierbaren Körpern. Manchmal sind es, so wie wir sie hier in der Krypta der Autobahnkirche sehen, Köpfe mit Flügeln. Sie erscheinen als Wesen, die auf das Wesentliche reduziert sind: Ein Kopf, entsprechend einer angedeuteten Menschlichkeit, denn sie erkennen Gott und können sprechen, und den Flügeln, mit denen sie sich nicht nur im wörtlichen Sinn über jede Menschlichkeit erheben und die ihren Anteil am göttlichen Leben zeigen. Sie gehören zum himmlischen Hofstaat und geben Gott auf dem Thron die Ehre. Sie sind Sinnbilder der Macht und tragen eigene Namen. Es sind die Cherubim und die Seraphim. 

Gebrochenes Herz

Verletzungen am Herzen sind meist lebensgefährlich. Operationen am Herzen sind so, dass man mit größter Vorsicht vorgehen muss. Deshalb ist es  schwerwiegend, wenn sinnbildlich vom gebrochenen Herzen gesprochen wird. Es kann sogar sein, dass die seelischen Verwundungen ebenso lebensbedrohlich sind. Von vielen Menschen sagt man, dass sie an gebrochenen Herzen gestorben sind. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gebrochene Herzen in den religiösen Traditionen eine große Rolle spielen. Viele Heilige, Frauen und Männer, aber auch ganz gewöhnliche Menschen waren ihr Leben lang auf der Suche nach Gott oder dem Sinn des Lebens. Ihr Weg war voller Enttäuschungen, ihre Sehnsucht wurde in den seltensten Fällen gestillt. Ihre Herzen sind daran zerbrochen und sie wurden oft auch nicht sonderlich alt.

Hört mich jemand?

Am Johannes-Fries an der Westseite der Autobahnkirche sehen wir den Rufer. Es ist eine Darstellung, die vollkommen dem Johannes entspricht. Er erhebt seine Stimme und ruft die Menschen dazu auf, ihr Leben zu überdenken und einen Neuanfang zu wagen. Er wird auch in den biblischen Zeugnissen so dargestellt, dass viele Menschen seinen Ruf hören und sich bekehren. Sie gehen zu ihm in die Wüste und lassen sich im Jordan, als Zeichen für ihre Bereitschaft zur Veränderung taufen. Der Ruf des Johannes hatte Erfolg, er wurde gehört, er war laut genug. Ist das nachvollziehbar?

Hab keine Angst

Begegnungen mit dem Göttlichen sind immer Schlüsselerlebnisse. Sie durchbrechen unsere gewöhnliche Sicht auf die Dinge der Welt. Wenn etwas anders ist als sonst, dann macht es, auch wenn es eine beglückende Erfahrung ist, zunächst einmal Angst. Das Ungewöhnliche können wir noch nicht einordnen, wir brauchen Zeit, damit wir es verarbeiten und verstehen, das heißt denken können. Maria geht es kein bisschen anders, als der Engel bei ihr eintrat: »28 Der Engel kam zu ihr und sagte: ›Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!‹ 29 Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. 30 Da sagte der Engel zu ihr: ›Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden!‹« Lukas 1,28-30, Übersetzung Gute Nachricht) Maria erschrickt, sie hat selbstverständlich Angst. Der Engel sagt den Satz, mit dem in der Bibel meistens Gottesbegegnungen eingeleitet werden: »Hab keine Angst!«

Du hast Gnade gefunden

Die Erzählung aus dem Lukas-Evangelium, in der der Engel zu Maria kommt und ihr die Schwangerschaft mit Jesus verkündet, ist eigenartig und bemerkenswert zugleich. Sie steckt voller Verheißungen und kann uns neue Horizonte eröffnen, wie wir uns und unser Leben betrachten können: »28 Der Engel kam zu Maria und sagte: ›Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!‹ 29 Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. 30 Da sagte der Engel zu ihr: ›Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden! 31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben.‹« (Lukas 1,28-31, Übersetzung Gute Nachricht) Hier geht es zunächst um die Kontaktaufnahme und darum, Maria die Angst zu nehmen. Der Engel tritt zu ihr und sagt zunächst drei wichtige Dinge: »Gott ist mit dir!«, »Gott hat dich zu Großem ausersehen!« und »Du hast Gnade gefunden!« Das sind alles Zusagen, die nichts anderes als Segensworte sind. 
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