Heilige Geistkraft

»Im Namen des Vaters, und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft. Amen« So lautet, ein klein wenig verändert das christliche Glaubensbekenntnis. Es ist ein Bekenntnis zu Gott in drei verschiedenen Erscheinungsweisen. Ich verwende bewusst nicht den Begriff der Person, denn der ist heute missverständlich und auch sehr eingrenzend. Das gleiche gilt auch für den Begriff des Heiligen Geistes. Es sind verschiedene Möglichkeiten im Umlauf von ihm oder ihr zu sprechen. Im abendländischen Denken sprechen wir vom griechischen »pneuma« oder lateinischen »spiritus«, wenn wir Heiligen Geist meinen, vom Geist, der männlich ist. Im jüdischen Bereich ist von »ruach« die Rede, und die ist weiblich. Wenn Jesus den Heiligen Geist zugesagt hat, dann hat er wohl von der weiblichen Ruach, der weiblichen Stimme Gottes, gesprochen. Es mag vielleicht wie Haarspalterei klingen, doch es ist wichtig im göttlichen Wirken weibliche und männliche Prinzipien gleichermaßen zum Ausdruck zu bringen. Deshalb verwende ich gerne den Begriff »Geistkraft«, weil sich hier zu den geistigen Dimensionen, von denen ich hier in weiblicher Form reden kann, noch ein dynamisches Element mit einbezieht. Heilige Geistkraft ist nicht statisch, sondern beweglich und lebendig. Nicht umsonst hat sich als Symbol die Taube eingebürgert, mit der wir sie darstellen. Als Vogel bewegt sie sich in drei Dimensionen vorwärts, nach oben und unten, nach rechts und links, nach vorne und hinten. Ihr sind keine Grenzen auferlegt, sie kann sich frei bewegen.
An der Ostseite des Johannesturm hat Emil Wachter neben einer eher abstrakten Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit auch das einfache Symbol der Taube hinzugefügt. Er weiß wohl, dass diese Geistkraft einen ganz konkreten Anker in unserer Erfahrungswelt braucht. Dann ist es nicht so wichtig, ob man es männlich oder weiblich sieht, beides hat ja seine Berechtigung. Aber der dynamische, der bewegende Aspekt ist wichtig. Das wird ja dieser Kraft Gottes zugeschrieben, dass sie Menschen antreibt und verändert, dass sie die Welt zu einer anderen macht. Es ist die Kraft, um die wir bitten, wenn es uns schwer wird. Die Erfahrung, dass es dann anders wird, mündet im Glaubensbekenntnis. Wenn diese Kraft nicht schon göttlich wäre, müsste man sie schnellsten dazu machen!
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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