Der Mörder eines Mörders

An der Nordseite des Noah-Turm sehen wir Tubal-Kain. Emil Wachter schreibt dazu: »Tubal-Kain, der Kain tötete.« Im Buch Genesis wird nichts dergleichen berichtet, auch nicht in anderen biblischen Überlieferungen. Wir wissen, dass Kain durch das Kains-Mal davor geschützt sein sollte, umgebracht zu werden. Der Mörder hat so einen gewissen Schutz genossen, vor allem vor der Blutrache, bei der sich die Zahlen der Opfer immer weiter hochschaukelte. Doch auch er findet einen gewaltsamen Tod durch einen seiner Nachkommen. In einer jüdischen Legende werden wir fündig: »Die jüdische Aggadah lehrt, dass Lamech im Verlauf seines Lebens blind wurde und ihn sein Sohn Tubal-Kain bei Bedarf herumführte. Eines Tages gingen die Beiden auf die Jagd und Tubal-Kain sah von Weitem ein Tier, was erlegt werden sollte. Allerdings handelte es sich um kein Tier, sondern es war Kain. Fälschlicherweise sagte Tubal-Kain seinem Vater, er könne den Pfeil abschießen und das Tier erlegen. Lamech schoss und tötete Kain. Als Lamech den tödlichen Irrtum bemerkte, begann er vor Trauer um Kain wild mit den Armen zu fuchteln und irgendwie kam dabei auch noch sein Sohn Tubal-Kain zu Tode. Nach den tragischen Ereignissen weigerten sich Ada und Zilla, die Ehefrauen von Lamech weiterhin mit ihm zusammenzuleben, doch Lamech bestand darauf, dass alles nur ein Irrtum war und er niemanden hatte töten wollen, anders wie sein Vorfahr Kain, der Abel absichtlich erschlagen hat.« Diese Legende setzt die gewaltsame Geschichte des Brüderpaares Kain und Abel fort, sie ist nicht weniger grausam, die Familienmitglieder sind sich gegenseitig eine tödliche Gefahr. 
Es scheint, als läge auf diesem Zweig der Familie ein tödlicher Fluch, denn der Stammbaum mit Kain als Ausgang erlischt. Mit der Darstellung am Noah-Turm wird demjenigen, der für den Tod des Kain verantwortlich ist, doch noch ein Denkmal gesetzt. Diese Tat, auch sie eine Folge des ersten Mordes, wird nicht vergessen. Das Böse, das einmal geschehen ist, ob es nun beabsichtigt war oder nicht, muss in Erinnerung bleiben, zur Mahnung für alle nachfolgenden Generationen. 
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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