Gott gesichten

Gott kann man nicht erkennen, denn Gott hat ja kein Gesicht und wir sollen uns kein Bildnis von Gott machen. So haben wir es gelernt. Aber wir geben Gott ein Gesicht, weil wir sonst nicht denken können, wer oder was Gott ist. Es ist einfacher, von Gott in menschlichen Kategorien zu denken und Gott mit einem Gesicht zu versehen, auch wenn das einengend für unsere Vorstellungen ist und Gott auf einen kleinen Teil dessen begrenzt, was möglich ist. Im Buch Genesis wird geschildert, wie Abraham Gott erkennt, als drei Männer zu ihm kommen: »1 Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der Herr. Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. 2 Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder 3 und sagte: »Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu Diensten!« (Genesis 18,1-3, Übersetzung Gute Nachricht) Abraham erkennt Gott, weil sich Gott zu erkennen gibt. Emil Wachter hat dieses Gesicht Gottes in der Krypta dargestellt. Wir sehen hier eines der drei Gesichter.
Es ist eine Wechselspiel, das stattfindet. Abraham erkennt Gott, weil Gott sich zu erkennen gibt. Abraham hat natürlich auch Vorstellungen von Gott, er hat Gott schon lange vor dieser Begegnung ein Gesicht gegeben. In der Szene schließlich wird Gott gesichtet. 
Das Bild, das Gott zeigt und das, das Abraham hat, treffen sich, Abraham erkennt. Aus der Vorstellung wird eine reale Erfahrung. Abraham gesichtet Gott, er lässt seine Vorstellungen in eins fallen in das, was er von Gott erfährt. Das ist kein Bild, das Abraham von Gott hat, sondern es ist eine Erfahrung, die er macht. Ihm ist von einem Augenblick zum anderen klar, wer hier zu ihm kommt, ob das jetzt ein Mann, zwei, drei oder mehr Männer oder Frauen sind. Wichtig ist, dass er Gott ansichtig wird, dass er Gott gesichtet. Das ist die Erfahrung, die ihn prägt und die das Leben von Abraham und das seiner Frau Sarah verändert.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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