Gott redet

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In Heiligen Schriften ist oft die Rede davon, dass Gott oder verschiedene Götter zu den Menschen sprechen. Manchmal tun sie das direkt, dann wieder über himmlische Boten oder durch den Mund der Propheten. Besonders im Alten und Neuen Testament finden sich viele Geschichten, in denen göttliche Botschaften von Menschen wahrgenommen werden. So erfährt Mose von Gott den Namen in der Erscheinung des brennenden Dornbuschs, Josef werden im Traum von einem Engel göttliche Botschaften übermittelt. Die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes erfahren auf dem Berg Tabor durch eine göttliche Stimme, dass Jesus von Gott auserwählt worden ist. Das sind in der Regel knappe Erzählungen, in denen lediglich das Ereignis berichtet wurde, aber nicht, wie sich die Menschen, die diese Botschaften empfangen haben, darauf vorbereiteten. Es mag ja sein, dass wir die Rede Gottes plötzlich vernehmen und verstehen können. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass wir erst nach einem langen Übungsweg in der Lage sind, die göttliche  Stimme wahrzunehmen und zu deuten.
Meister Eckhart hat in einem berühmten Satz diesen Übungsweg beschrieben. Er sagt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet. In der Stille sitzen, weg von allen Ablenkungen gelingt es am besten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Schweigen, das im unbeweglichen Sitzen erst möglich wird, macht man sich los von allem, was man selbst meint, sagen zu müssen. 
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Das Hören wird durch dieses Schweigen erleichtert und geschult. Wer gelernt hat, richtig hinzuhören, kann auch die Geister unterscheiden, und lernt, die Stimme Gottes zu erkennen. Wahrscheinlich müssen wir ein ähnliches Bild gebrauchen, wie das in der Westfront der Autobahnkirche, um das beschreiben, wie wir Gottes Worte vernehmen. Aber das ist dann die leichteste Übung. Schwerer ist das Sitzen, das Schweigen und das Hören.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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