An der Südseite des Elia-Turmes bei der Autobahnkirche sieht man einen Menschen, dem die Verwirrung nicht nur ins Gesicht geschrieben ist, sondern der auch körperlich nicht weiß, wo es langgeht. Seine Arme sind zwar nicht verschränkt, aber die Hände weisen in unterschiedliche Richtungen. Sie drücken die Verwirrung aus, der dieser Mensch ausgesetzt ist. Er weiß nicht mehr, was er glauben soll, er weiß nicht, wie es in Zukunft weitergeht. Kein Wunder bei der Botschaft, die von einem Propheten wie Elia verkündet wird. Elia war zu seiner Zeit umstritten, nicht nur unter den Herrschenden, sondern im ganzen Volk. Er legte den Finger in offene Wunden, er kritisierte den Götterkult, den die Königin Isebel eingeführt hat und dem ein anderes Glaubensbekenntnis zugrunde lag, als das der israelitischen Jahwe-Verehrung.
Bilderweltarchiv 2023
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Unbequem und verletzend
Johannes der Täufer, der auch als Vorläufer für Jesus bezeichnet wird, ist eine schillernde Persönlichkeit. Nicht nur, dass er auf Jesus hinweist und damit auch die religiösen und staatlichen Hoheiten seiner Zeit provoziert, er hat auch eine für alle Menschen unbequeme Botschaft. Emil Wachter stellt am Johannes-Turm mit einer Distel oder Dornenhecke diese Eigenschaft des Johannes dar. Johannes ist das von Anfang an, sogar schon in seiner Jugendzeit, für die diese Darstellung neben zwei anderen steht. Johannes ist ein Prophet und als solcher schon unbequem genug. Die Worte, die er sagt, verletzen, weil sie Selbstverständlichkeiten des Lebens in Frage stellen. Er fordert die Menschen aus seiner Umgebung heraus und holt sie aus ihrer Bequemlichkeit.
Sonnengott
Welche Bilder verwenden wir für Gott? Wir sind ja darauf angewiesen, dass wir uns über das, über das wir nicht reden sollen und können, doch Gedanken machen und diese dann auch mitteilen müssen. Wir sind auf Bilder angewiesen, mit denen wir Unsagbares umschreiben können. Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, dass wir das Bild mit der Wirklichkeit verwechseln Wir müssen uns immer bewusst sein, dass die Wirklichkeit viel größer ist als das, was wir mit Worten und Bildern beschreiben können. Eines dieser Bilder für Gott ist das der Sonne. Jede Religion stellt eine Verbindung zwischen dem Göttlichen und der Sonne her.
Jesus oder Christus
Jesus gilt als Begründer der christlichen Religion. Doch wer ist er wirklich und vielleicht noch wichtiger: Wie sprechen wir von ihm? Es gibt eine wesentliche Unterscheidung, die sich im letzten Jahrhundert endgültig durchgesetzt hat. Wir sprechen von zwei Personen: Da ist zum einen der historische Jesus. Auf diesen gehen die Erzählungen aus dem Neuen Testament zurück, wie sie in den Evangelien berichtet werden. Doch schon diese erzählen wenig über die historische Person, denn sie wollen ja keine Geschichtsschreibung in unserem Sinn sein. Der historische Jesus ist eine Person, die im Dunkel der Geschichte verschwindet.
Besinnungszeit
Der Prophet Jona ist eine schillernde Figur. Er hat viel von uns modernen Menschen an sich. Seinen Auftrag möchte er nicht wahrnehmen, weil er Angst vor der öffentlichen Reaktion hat. Er hadert mit seinem Schicksal, weil es ihn aus seiner Komfortzone herausholt, er ist bequem und mutig zugleich. Herausgehoben ist die Zeit, die er im Bauch eines Fisches verbringt. Es ist für ihn eine Zeit des Rückzugs, in der er im wahrsten Sinne des Wortes in sich gehen kann und zumindest für eine kurze Zeit, zur Besinnung kommt: »1 Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. 2 Dort betete er zum Herrn, seinem Gott.« (Jona 2,1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Nach dieser Zeit nimmt Jona seinen Auftrag an und wirkt als Prophet. Er hat diese Zeit im Bauch des Fisches gebraucht, um sich seiner Mission bewusst zu werden.
Die Ehre der Altäre
Altäre sind in unseren Kirchen eine Selbstverständlichkeit. Sie stehen meist an zentraler Position in der Mitte und die Bänke oder Stühle sind darauf ausgerichtet. In Gottesdiensten findet am Altar die zentrale Handlung statt. In der Autobahnkirche stehen zwei Altäre, ein großer in der Oberkirche, ein kleinerer in der Krypta, der der Mittelpunkt der Kirche ist. In der Fensterfront im Norden sehen wir auch einen Altar, der aus roten Ziegelsteinen gemauert erscheint. Ein Engel stellt darauf eine Schale mit Weihrauch ab. Wenn die Altäre noch so selbstverständlich sind, haben sie heute doch eine andere Bedeutung als sie es in früheren Zeiten hatten. Für den christlichen Gottesdienst gehörten sie nicht immer zum zentralen Element. Die frühen Christen kannten kein Opfer, keine Altäre und keine Priester, die das Opfer vollziehen sollten.
Tanz auf dem Vulkan
Den Zustand einer Gesellschaft erkennt man oft daran, wie sie ihre Feste feiert. Dafür gibt es konkrete Anhaltspunkte: Wenn alle Bindungen reißen, alle Konventionen über Bord geworfen werden, wenn die Würde des Einzelnen nicht mehr zählt, wenn es nur noch um das reine Vergnügen einiger weniger geht, wenn alle Schranken fallen, dann spricht man von einer Orgie. Alle Regeln des gesunden Menschenverstandes werden über Bord geworfen, es findet Verschwendung und Ausbeutung statt, die Auswirkungen auf das menschliche und materielle Umfeld werden nicht mehr bedacht, weil einzig und allein das Vergnügen im Vordergrund steht. Die Darstellung einer Orgie an der Nordseite des Mosesturmes im Gelände der Autobahnkirche weist darauf hin.
Wenn man es nur wüsste
Es ist ein eigenartiges Symbol, das man an der Südostecke am Mose-Turm sehen kann. Ein doppelter Kreis umschließt ein Kreuz. In jedem Feld sehen wir einen Halbkreis mit einem Punkt. Die Bedeutung erschließt sich nicht, auch wenn man den Zusammenhang betrachtet. Man sieht dann Mose, der sich auf den Boden wirft. Emil Wachter schreibt dazu: »Mose muss sich unterwerfen.« Das kann man aus der Haltung des Mose schließen. Aber unter was und wieso? Mose ist ein Mensch, der Selbstzweifel hat. Er hat mühsam gelernt selbstbewusst aufzutreten, einem ganzen Volk gegenüber zu treten, es zurecht zu weisen, ihm aber auch als wegkundiger Führer vorauszugehen. Er überbringt ihnen das Gesetz Gottes, er selbst wagt es, Gott »ins Gesicht zu schauen«. Er hat keinen Grund, sich kleinzumachen.
Der Tanz ums goldene Kalb
Kaum eine Geschichte aus dem ersten Testament hat sich so stark als negatives Beispiel in unsere Bildersprache eingeprägt wie der Tanz um das Goldene Kalb. Dabei ist die Absicht, die die Israeliten in der Wüste verfolgt haben, mehr als verständlich: »1 Das Volk Israel hatte am Fuß des Berges auf die Rückkehr von Mose gewartet. Als er lange nicht kam, versammelten sich die Männer bei Aaron und forderten: ›Mach uns einen Gott, der uns schützt und führt! Denn was aus diesem Mose geworden ist, der uns aus Ägypten hierher geführt hat – niemand weiß es.‹ 2 Aaron sagte zu ihnen: ›Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern die goldenen Ringe ab, die sie an den Ohren tragen, und bringt sie her!‹ 3 Alle nahmen ihre goldenen Ohrringe ab und brachten sie zu Aaron. 4 Er schmolz sie ein, goss das Gold in eine Form und machte daraus das Standbild eines Jungstiers. Da riefen sie: ›Hier ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten hierher geführt hat!‹«
Taufe für den Retter
Mit der Taufe im Jordan beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Von Anfang war er umstritten und viele stellten sich die Frage, der wir, zweitausend Jahre später, auch nicht ausweichen können: »Ist Jesus wirklich der, der kommen soll? Ist Jesus der Sohn Gottes?« Auf diese Frage muss jede und jeder seine eigene Antwort finden. Ein Hinweis kann die Darstellung am Johannes-Turm bei der Autobahnkirche geben: Wir sehen Jesus im Wasser stehen, das ihn wie eine Decke einhüllt. Von oben treffen ihn Strahlen. Dazu kommt das Zeugnis des Täufers, zu dem Jesus an den Jordan gekommen war.
Ergebnisse 41 - 50 von 52





















