Und Gott wird Mensch

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Im Weihnachtsfenster an der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir eine unübliche Krippendarstellung: Ein Kind liegt auf Heu und Stroh, aber wir sehen keine Krippe, Maria und Josef stehen oder knien nicht daneben, keine Hirten oder Weise kommen zur Anbetung, lediglich ein Esel schaut herein, selbst der obligatorische Ochse fehlt. Reicht das für die Krippe aus? Ja, natürlich! Emil Wachter beschränkt sich auf das Notwendige: Das in Windeln gewickelte Kind, mehr braucht es wirklich nicht. Da ist schon das Stroh eine Zugabe, auf die man verzichten könnte. In dieser Beschränkung sehen wir das, worauf es bei Weihnachten ankommt: Ein Kind kommt zur Welt und in diesem Kind wird Gott Mensch. Das sagt sich so einfach, aber was bedeutet es?
Die Bücher, die über dieses Geheimnis geschrieben wurden, füllen ganze Bibliotheken. Eine Antwort, die für alle Zeiten gilt, wurde noch nicht gefunden, sie wird es auch nicht. Es ist meine Lebensaufgabe, zu entdecken, was es bedeutet, für mich, in der Zeit, in der ich gerade lebe. Es wird im Laufe des Lebens immer wieder andere Antworten geben. Wir sind hier nicht im Bereich der Glaubenssätze, die vorgegeben werden, wir sind ganz nah bei unserer Erfahrung, bei dem, was jetzt gerade geschieht. So wird die Frage sehr konkret: Was heißt es für mich,  bei dem, was ich gerade erlebe, dass Gott Mensch wird? Hier in der Autobahnkirche schaut mich das Kind mit wachen Augen an und stellt mir diese Frage, ich kann ihr nicht ausweichen. Es wird aber auch nicht die ganz große Antwort erwartet, sondern nur die, die für den Moment gilt, jetzt und heute, genau hier an diesem Ort. 
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Die Frage an mich stellt sich nicht nur bei dieser Darstellung, sondern bei allem, was wir an Weihnachten sehen und tun, bei unseren Ritualen, bei unseren Weihnachtsliedern und unserer Weihnachtsmusik, bei unserem Weihnachtsschmuck. Selbst wenn wir zunächst nur oberflächlich etwas tun, hat das eine Bedeutung. Es steht immer die Frage dahinter, was es für mich bedeutet. Wenn wir es mit einer guten Erfahrung verbinden können, dann ist es gut. Wenn wir auch mal etwas Schlechtes oder Böses erleben, dann kann uns diese Frage eine andere Perspektive geben, ja vielleicht gerade dann: Was bedeutet es für mich, dass Gott Mensch wird, wenn mir das Wasser bis zum Hals steht?
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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