Ein Herz, das lebt

Wir verbinden mit dem Herzen immer Lebendigkeit. Wenn das Herz schlägt, dann sind wir am Leben, mit dem Herzschlag belegen wir auch, ob jemand am Leben ist oder nicht. Wenn das Herz kalt und hart wird, wenn es versteinert, dann werden Menschen selbst hart und unbarmherzig. In der Religion ist das eine wichtiges Thema. Wir finden beim Propheten Ezechiel dieses Bild, um einen Neuanfang zu wagen. In der Gottesrede bei Ezechiel heißt es: »25 Ich besprenge euch mit reinem Wasser und wasche den ganzen Schmutz ab, der durch den Umgang mit euren Götzen an euch haftet. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt. 27 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinen Ordnungen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen.« (Ezechiel 36,25-27, Übersetzung Gute Nachricht 2018) Nach Ezechiel ist es die Verehrung fremder Götter, die die Menschen hart macht und ihre Herzen zu Stein werden lässt. Und so stellt sich heute, 2500 Jahre nach Ezechiel die gleiche Frage: Was macht unsere Herzen steinhart und wie werden sie wieder lebendig.
Am Altar in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir ein Herz, das verwundet ist. Das geht nur, wenn es ein Herz aus Fleisch ist, wenn es lebt. Herzen aus Stein können nicht verwundet werden. Hier ist ein Widerspruch, den Emil Wachter thematisiert. Dargestellt ist ein lebendiges, verwundbares Herz, aber als Betonrelief. Beton steht für die Härte unserer Zeit. Lebendig und tot gleichzeitig, darum geht es für uns heute. Wir kennen beide Seiten, so wie sie in diesem Herzen sichtbar sind. Und wir müssen uns dieser Frage stellen, was unsere Herzen hart macht. Es geht um all die Götzen, denen wir Platz in unseren Herzen geben und die unbarmherzig machen. Dabei geht es nicht nur um materielle Güter, sondern auch die Religionen sind angefragt. Auch sie kennen unbarmherzige Regeln und menschenverachtende Aussagen. Auch sie folgen Götzen, die ihre Botschaft ins Gegenteil verkehren. So dienen sie dem Tod und nicht dem Leben. Suchen wir nach der Kraft, die unsere Herzen lebendig macht.