Man hört immer wieder, dass ein System, das darauf beruht, dass Schulden angehäuft werden, um irgendwann getilgt zu werden, nicht auf Dauer bestehen kann. Zu sehr wird dadurch ein Gefälle aufgebaut zwischen denen, die die Mittel haben, und denen, die sie brauchen. Denn wenn Schulden gemacht werden, kommt der Zins dazu, was die Spirale sich immer schneller drehen lässt. Die Schulden werden mehr und man kommt aus ihnen nicht mehr heraus. Mit Vermögen, Schulden und Zinsen funktioniert unser Wirtschaftssystem mehr schlecht als recht. Wenn es beim Geld schon so schwierig ist, wie ist es dann erst, wenn es um Verbrechen geht, bei denen Menschen Schuld auf sich geladen haben? Noch schwieriger wird es bei Verfehlungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen.
Bilderweltarchiv 2024
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Erlöse mich!
Wenn wir von Erlösen sprechen, dann verwenden wir einen durch und durch religiösen Begriff. Im ursprünglichen Wortsinn war damit der Loskauf von Sklaven gemeint, sie wurden aus den sie unterdrückenden Verhältnissen gelöst. Eine weitere Bedeutung liegt im Retten. Jemand wird aus Lebensgefahr erlöst, er wird auch hier von den ihn bedrohenden Gefahren gelöst, sie haben keine Macht mehr über ihn und er kann weiter leben. Diese ursprüngliche Bedeutung kennen wir nicht mehr, wir verwenden erlösen meist dann, wenn es um die Befreiung aus schuldhaften Zwängen geht, in die wir uns selbst hineingebracht haben. Aber auch das Negative, das uns umgibt und bedroht, das uns vom rechten Weg bringen will können wir nicht anders überwinden, als dass wir erlöst werden. Allen Wortbedeutungen eigen ist, dass der Betroffene nicht mehr handeln kann, er ist darauf angewiesen, dass jemand anderes für ihn eintritt, ihn rettet, ihn loskauft, ihn aus der Verstrickung befreit.
Allmächtiger Gott
Wenn man die Eigenschaften Gottes nennen soll, dann fällt einem zuerst die Allmacht ein. Das ist ein Attribut, das auch moderne Menschen einem göttlichen Wesen zuschreiben können. Da reicht es nicht zu sagen, Gott hätte die Macht, denn die ist begrenzt. Wenn wir Macht zusprechen, dann meist denen, die regieren, ob demokratisch, oligarchisch oder diktatorisch. Immer haben sie Macht und sie haben sie nicht auf Dauer. Vielleicht auf Lebenszeit, aber das ist ja auch nicht immer gegeben. Wenn Gott Macht hat, dann muss sie größer sein. Da bietet sich denn die Allmacht an.
Erlöse uns von dem Bösen
Kaum ein Satz drückt mehr menschliche Sehnsucht aus als der aus dem Vaterunser: »Erlöse uns von dem Bösen!« Es wird die Sehnsucht ausgedrückt, dass man von dem, was als Böses bezeichnet wird, nicht überwältigt wird, sondern davon befreit wird. Jetzt ist es aber so, dass wir das Böse an sich gar nicht so klar definieren können. Ist es eine Gestalt, wie der Teufel, die uns nachstellt und uns vernichten will? Ist es eine Macht, die der Macht Gottes gegenüber steht und wir uns entweder auf die eine oder andere Seite schlagen müssen? Oder sind wir gar der Kampfplatz, auf dem sich die ewige Schlacht zwischen gut und böse entscheidet? Es ist ein ganzes Bündel an Fragen, die in dieser Bitte des Vaterunsers angerissen werden. Es sind Fragen, auf die wir so schnell auch keine Antwort finden können.
Versuchung der Moderne
Schön, aber nicht tragend
Ein schlichtes Detail aus den Fenstern der Südseite in der Autobahnkirche. Wir sehen das obere Ende einer Säule, das Kapitell, das Köpfchen einer Säule. Meist zieht es die Blicke auf sich, zum einen, weil die Säule an sich den Blick nach oben wendet, zum anderen weil es genau aus diesem Grunde oft verziert ist. Die Spitze, der Kopf, das Ziel des Ganzen soll schön sein und den Blick belohnen. Die Funktion eines Kapitells ist nicht, dass es trägt, sondern dass es die Rundung einer Säule in die quadratische Deckplatte übersetzt. Die meisten Kapitelle sind schön und haben auch eine Botschaft, doch sie haben keine tragende Funktion. Die Säule würde auch ohne ein Kapitell funktionieren, auch der Übergang vom Kreis in das Viereck wäre verzichtbar. Der Stabilität eines Gebäudes täte das keinen Abbruch.
Mose mahnt
Der Mose-Fries an der Südseite der Autobahnkirche wird von zwei Darstellungen des Mose eingerahmt. Im Westen sehen wir im Dreieck an der Treppe Mose, der als Retter dargestellt wird, im Osten hält er mahnend seinen Zeigefinger nach oben. Dieser mahnende Moses ist derjenige, der sein Volk immer wieder auf den rechten Weg schicken muss. Er weiß um die Bedeutung des Auszuges aus Ägypten und warum das eigene Land so wichtig für dieses Volk ist. Er hält die Erzählung von der Befreiung aufrecht, er fordert immer wieder dazu auf, die errungene Freiheit zu verteidigen und sich auch den Pflichten zu stellen, die damit verbunden sind. Manchmal wird er dabei zornig und zertrümmert die erhaltenen Gesetzestafeln, manchmal redet er mit Engelszungen auf die Menschen ein, manchmal bleibt nur noch die eindringliches Bitte an Gott, die Herzen der Menschen für seine Botschaft zu öffnen oder sie zu schonen.
Tanz mit tödlicher Konsequenz
Der Tanz der Salome und der Tod des Täufers als Konsequenz hat in der christlichen Kultur immer wieder die Künstler angeregt, nach einer Umsetzung zu suchen. Wir finden sie im Markus- und Matthäus-Evangelium. Herodias wollte Johannes töten lassen, weil er sie und ihren zweiten Ehemann, Herodes Antipas kritisierte: »21 Dann kam für Herodias die günstige Gelegenheit. Herodes hatte Geburtstag und veranstaltete ein Festessen für seine hohen Regierungsbeamten, die Offiziere und die angesehensten Bürger von Galiläa. 22 Dabei trat die Tochter von Herodias als Tänzerin auf. Das gefiel Herodes und den Gästen so gut, dass der König zu dem Mädchen sagte: ›Wünsche dir, was du willst; du wirst es bekommen.‹ 23 Er schwor sogar: ›Ich gebe dir alles, was du willst, und wenn es mein halbes Königreich wäre!‹«
Liebevoll
So ganz passt diese Darstellung nicht in die Reihe der Bilder zur Zerstörung von Sodom und Gomorrha am Abraham-Tor. Ein Paar sitzt, engumschlungen und lässt sich durch das Geschehen drumherum nicht aus der Ruhe bringen. Bei allem Schrecken, der gerade passiert, ist die Liebe und die körperliche Nähe, die hier wie selbstverständlich dazugehört, wichtiger als alles andere. Im ersten Korintherbrief schreibt Paulus im berühmten Hymnus über die Liebe: »13 Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.« (1 Korinther 13,13 - Übersetzung Gute Nachricht) In der Geschichte finden sich immer wieder Beispiele, wie die Liebe und liebevolles Miteinander geholfen haben, schlimme Situationen, lebensbedrohliche und lebensvernichtende Katastrophen zu ertragen und zu überleben. Es verwundert also nicht, wenn Emil Wachter gerade diese Darstellung in die Reihe der Katastrophenbilder von Zerstörung durch die Zeiten hindurch einfügt.
Gott erleben
Wie erzählt man von einer Begegnung mit Gott? Wahrscheinlich lässt sich das, was man erlebt hat, gar nicht in Worte fassen. Wir kennen viele Beschreibungen davon. Oft ist vom Licht die Rede, es fällt das Wort der Erleuchtung, die man erfahren hat. In der Mystik wird von der Erfahrung des Eins-Seins gesprochen. In den meisten Fällen sind es auch keine großen, mächtigen Erscheinungen, wie bei einer Theophanie, in der sich Gott in aller Macht und Herrlichkeit zeigt. Es sind die kleinen alltäglichen Erfahrungen, die uns die Tür zur wirklichen Erfahrung Gottes öffnen.
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