Der Tanz der Salome und der Tod des Täufers als Konsequenz hat in der christlichen Kultur immer wieder die Künstler angeregt, nach einer Umsetzung zu suchen. Wir finden sie im Markus- und Matthäus-Evangelium. Herodias wollte Johannes töten lassen, weil er sie und ihren zweiten Ehemann, Herodes Antipas kritisierte: »21 Dann kam für Herodias die günstige Gelegenheit. Herodes hatte Geburtstag und veranstaltete ein Festessen für seine hohen Regierungsbeamten, die Offiziere und die angesehensten Bürger von Galiläa. 22 Dabei trat die Tochter von Herodias als Tänzerin auf. Das gefiel Herodes und den Gästen so gut, dass der König zu dem Mädchen sagte: ›Wünsche dir, was du willst; du wirst es bekommen.‹ 23 Er schwor sogar: ›Ich gebe dir alles, was du willst, und wenn es mein halbes Königreich wäre!‹« Die Phantasie wurde durch diesen Tanz angeregt: Wie musste sie getanzt haben, dass ein machbesessener König sich zu einem solchen Versprechen hinreißen lassen und wie muss diese Frau gestrickt sein, dass sie ihrer Mutter folgend, den Tod eines Menschen verlangt. Es waren besonders Komponisten und Maler, die diesen Tanz versinnbildlicht haben, weil sie beide Seiten, die körperliche Darstellung und die musikalische Ausführung zeigen können. So auch Emil Wachter am Johannes-Fries der Autobahnkirche.
Wenn man sich diese Geschichte vor Augen führt, dann blickt man in seelische Abgründe. Hier werden dekadente Menschen dargestellt, die bereit sind, für ihr Vergnügen alle Beschränkungen über Bord zu werfen und nur ihren eigenen Begierden folgen.
Auch dieses Thema hat Künstler angesprochen. Hinter einem zunächst harmlosen Tanz zeigt sich ein Sittengemälde einer Zeit. »So treiben es die da oben, sie kennen keine Schranken mehr!« Diese Antwort legt sich nahe und sie stimmt auch. Doch es geht nicht nur um die Herrschenden. Auch unser Vergnügungsbetrieb kostet unzählige Opfer und für das, was Spaß macht, müssen Menschen sterben. Das ist nicht so offensichtlich, aber das Vergnügen hat seine Schattenseiten, die wir uns bei allem Spaß bewusst machen müssen.