Es ist schwer, von Gott zu reden. Wir tun uns heute schwer, das in Worte zu fassen, was Gott ist. Unsere Bilder reichen nicht so weit, dass sie annähernd das auszudrücken vermögen, was wir uns unter Gott vorstellen. Selbst wenn wir göttliche Eigenschaften benennen, kommen wir keinen Schritt weiter. Im Denken sind uns immer Grenzen gesetzt, die wir nicht überschreiten können. In der Gebetssprache allerdings wimmelt es von ganz konkreten Aussagen über Gott. Das ist nicht verwunderlich, denn beim Beten stützen wir uns auf fassbare Bilder. Wir verwenden Begriffe, unter denen wir uns im Alltag etwas vorstellen können, die war aber auf Gott hin ins Unermessliche steigern. Das sind zwar keine konkreten Aussagen über Gott, sie helfen uns doch, etwas ins Wort und ins Reden zu bringen, was uns sonst nicht möglich wäre.
Bilderweltarchiv 2024
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Das Böse besiegen
Das, was das Leben bedroht, ist böse und muss vernichtet werden. So lautet einer der wichtigsten Glaubenssätze unserer Zeit. Doch wir merken, dass vieles, was wir als böse bezeichnen, die Folge unseres eigenen Handelns sind. Ob das die Klimaerwärmung ist, ob Krieg oder Umweltzerstörung, immer sind wir zumindest zu einem Teil mitverantwortlich, oder es gäbe das nicht, wenn es unsere Gattung Mensch nicht gäbe. Das Böse lässt sich nicht ausrotten. Wenn wir es doch versuchen, dann schaffen wir neues Unheil, und das, was als das Böse bezeichnet wird, setzt sich fort. Manchmal hat man den Eindruck, man wird es gar nicht los und es verfolgt uns auf Tritt und Schritt. Dann ist der Gedanke nicht mehr weit, dass die Welt die Hölle an sich ist, die es zu überwinden gilt. Ich muss hier nichts anstreben, sondern mein ganzes Tun und Trachten auf das Andere, das Gute, das himmlische Leben richten.
Mose teilt das Meer
Es ist das Bild, das am der Nordseite des Mose-Turmes sofort ins Auge springt: Mose stemmt sich gegen die Wassermassen und ermöglicht es seinem Volk, trockenen Fußes durch das Schilfmeer zu ziehen und den Ägyptern zu entkommen: »21 Nun streckte Mose seine Hand über das Meer aus, und der HERR ließ die ganze Nacht über einen starken Ostwind wehen, der das Wasser zurücktrieb. So verwandelte sich das Meer in trockenes Land. Das Wasser teilte sich, 22 es stand auf beiden Seiten wie eine Mauer, und die Israeliten gingen trockenen Fußes mitten durchs Meer.« (Exodus 14,21-22, Übersetzung Gute Nachricht) Im Bibeltext hört es sich lange nicht so spektakulär an, wie wir es am Mose-Turm sehen. Hier ist es Moses, der sich zwischen das Wasser und sein Volk stellt. Er agiert als Held, der mit Einsatz all seiner Kraft seinem Volk die Rettung bringt.
Engel, die dich begleiten
»Da habe ich einen Schutzengel gehabt!« Solche Aussagen treffen wir dann, wenn wir eine große Gefahr für Leib und Leben weitgehend unbeschadet überstanden haben. Wir knüpfen an ein Bild an, das wir von Kindertagen kennen. Da wurde oft davon erzählt, dass Engel auf uns aufpassen und vor Gefahren behüten. Sie sind von Gott beauftragt, damit wir gut und sicher durchs Leben gehen. Unsere Erfahrung ist aber oft eine andere, das Leben ist lebensgefährlich, und immer wieder geht etwas schief. Der Schutzengel war nicht zur Stelle und hat nicht rettend eingegriffen. Da kommen zu Recht Zweifel auf, ob wir da noch von Engeln, besonders von Schutzengeln reden sollen. Sicherlich stellen wir uns keine ätherischen Wesen vor, die hinter uns stehen und auf uns aufpassen uns rechtzeitig vor oder in der Gefahr retten.
Babylonisches Sprachgewirr
An der Westseite des Noah-Turmes sehen wir eine sonderbare Darstellung. Ein kopfloser Mensch sitzt da. Er ist nackt und hält eine Schlange mit einem Menschenkopf in der Hand. Dieser Kopf trägt eine Brille, das Zeichen für einen gelehrten Menschen. Drum herum sind mehrere Köpfe zu sehen. Bei jedem hat man den Eindruck, dass er redet. Emil Wachter möchte mit diesem Relief die Folgen des Turmbaus von Babel darstellen. Durch die Überheblichkeit der Menschen, einen Turm zu bauen, der bis in den Himmel reicht, das heißt also wieder einmal so zu werden wie Gott, zerstreiten sie sich, das Projekt scheitert kläglich. Sie werden in alle Winde zerstreut, weil sie sich nicht mehr verständigen können und sich nicht mehr verstehen. Im Buch Genesis ist das die Erklärung dafür, warum es so viele Sprachen auf der Welt gibt. Tiefer gesehen auch eine symbolische Erzählung darüber, warum sich Menschen entzweien und sich nicht mehr verstehen.
Salome tanzt
Kaum eine Szene, vielleicht von der Kreuzigung Jesu abgesehen, hat die Phantasie von Dichtern, Malern und Komponisten so angeregt wie der Tanz der Tochter des Herodias vor Herodes Antipas. Als Belohnung für diesen Tanz lässt sie sich auf Befehl ihrer Mutter das Haupt des Täufers bringen. Wie muss dieser Tanz gewesen sein, dass er einen so hohen Preis wert war? Ob es ein Schleiertanz oder ein Bauchtanz war, ob mehr oder weniger lasziv, das lässt sich schwer sagen, er wird ja nicht beschrieben, das bleibt der Kunst vorbehalten, die diesen Tanz deutet. So stellt auch Emil Wachter am Johannes-Fries die tanzende Salome dar.
Die acht Seligkeiten
Die Seligpreisungen gehören zu den schönsten Predigten, die wir im zweiten Testament aus dem Munde Jesu kennen. Hier bringt er auf den Punkt, wem seine Botschaft gilt: »3 Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt. 4 Freuen dürfen sich alle, die unter dieser heillosen Welt leiden – Gott wird ihrem Leid ein Ende machen. 5 Freuen dürfen sich alle, die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten – Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben. 6 Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten, dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger und Durst stillen. 7 Freuen dürfen sich alle, die barmherzig sind – Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein. 8 Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen. 9 Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften – Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen. 10 Freuen dürfen sich alle, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt. 11 Freuen dürft ihr euch, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört. 12 Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn. So haben sie die Propheten vor euch auch schon behandelt.« (Matthäus 5,3-12, Übersetzung Gute Nachricht)
Alles, was wir brauchen
Es gehört zu den anrührendsten Bildern, wenn ein Vogel am Nest bei seinen Jungen gezeigt wird. Der Elternvogel, der die aufgesperrten Schnäbel seiner Jungen mit Futter stopft. Dieses Bild spricht nicht nur Kinder an, sondern es bewegt auch die Erwachsenen, denn es rührt an eine Sehnsucht, nach Fülle und Versorgt-sein. Man muss sich nicht kümmern, nur warten bis die Eltern zurückkommen und Futter bringen. Es ist auch ein Bild für die Sorge Gottes um die Menschen und ein Sehnsuchtsort für den, der sich von Gott verlassen fühlt. Der Beter des Psalmes 84 betet: »Sogar die Vögel dürfen bei dir wohnen; die Schwalben bauen ihr Nest bei deinen Altären und ziehen dort ihre Jungen auf.« (Psalm 84,4 Übersetzung Gute Nachricht) Den Vögeln geht es besser als ihm selbst, denn sie dürfen beim Tempel nisten, von dem er so weit entfernt ist. Das Nest, in dem er versorgt würde, in dem Gott auf ihn schauen würde, ist für ihn unerreichbar.
Mose muss fliehen
Es sieht aus wie bei einem Krimi. Genaugenommen ist es ja auch einer. Eine finstere Gestalt macht sich gerade aus dem Staub, doch er wird verfolgt von einem, der mit dem Finger auf ihn zeigt: »Der war es!« Über allem ein Gesicht, das diese Szene beobachtet. Man hat den Eindruck, als bewege man sich in unterirdischen Katakomben, es herrscht eine düstere Stimmung. Dieser Krimi, den Emil Wachter an der Südseite des Mose-Turmes darstellt, ist ein echter Kriminalfall, vor über dreitausendvierhundert Jahren in Ägypten verübt:
Engel, die Tränen zählen
Nach der Legende soll der römische Soldat Longinus die Seite Jesu, nachdem er gestorben war durchstoßen haben und ein Engel vom Himmel gekommen sein, der das Blut und das Wasser, das herausgeflossen war, mit einem Kelch aufgefangen haben. Die wertvolle Flüssigkeit sollte nicht verlorengehen, es war gleichsam ein Beweis dafür, dass Jesus gestorben und doch in der himmlischen Herrlichkeit geborgen war. Es ist ein Zeichen für das Leid, das geschieht. Aber es wird gesehen! Gott sieht es. Dieses Wissen, dieses Gefühl gehört wesentlich zur religiösen Erfahrung und hilft, dass Hoffnung angesichts von Leiden nicht stirbt. In dem heute weitestgehend unbekannten Gedicht Urania von Christoph August Tiedge (1752-1841), lautet ein Abschnitt, der durch die zweimalige Vertonung durch Beethoven im Gedächtnis blieb: »O Hoffnung, lass, durch dich empor gehoben, den Dulder ahnen, dass dort oben ein Engel seine Tränen zählt!«
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