Wie erzählt man von einer Begegnung mit Gott? Wahrscheinlich lässt sich das, was man erlebt hat, gar nicht in Worte fassen. Wir kennen viele Beschreibungen davon. Oft ist vom Licht die Rede, es fällt das Wort der Erleuchtung, die man erfahren hat. In der Mystik wird von der Erfahrung des Eins-Seins gesprochen. In den meisten Fällen sind es auch keine großen, mächtigen Erscheinungen, wie bei einer Theophanie, in der sich Gott in aller Macht und Herrlichkeit zeigt. Es sind die kleinen alltäglichen Erfahrungen, die uns die Tür zur wirklichen Erfahrung Gottes öffnen. Vom Propheten Elia wird ein Erlebnis berichtet, das diese Ansicht bestätigt: »11 Der Herr sagte zu Elia, der in einer Höhle wartete: ›Komm aus der Höhle und tritt auf den Berg vor mich hin! Ich werde an dir vorübergehen!‹ Da kam ein Sturm, der an der Bergwand rüttelte, dass die Felsbrocken flogen. Aber der Herr war nicht im Sturm. Als der Sturm vorüber war, kam ein starkes Erdbeben. Aber der Herr war nicht im Erdbeben. 12 Als das Beben vorüber war, kam ein loderndes Feuer. Aber der Herr war nicht im Feuer. Als das Feuer vorüber war, kam ein ganz leiser Hauch. 13 Da verhüllte Elija sein Gesicht mit dem Mantel, trat vor und stellte sich in den Eingang der Höhle.« (1 Könige 19,11-13a, Übersetzung Gute Nachricht)
Im leisen, unscheinbaren Säuseln des Windes erlebt Elia, wie er Gott nahe ist. Nicht in den großen, überwältigenden Naturereignissen, in denen man zuerst die Anwesenheit Gottes vermuten würde. Am Elia-Fries der Autobahnkirche sehen wir es dargestellt. Es bewegt sanft die Grashalme und knickt sie nicht ab. Es ist ein stilles Bild, das Emil Wachter hier zeichnet. Auch die Schilderung aus dem ersten Buch der Könige rechnet mit einer Gottesvorstellung ab, in der sich Gott nur machtvoll zeigen kann.
Gott ist sanft, liebevoll, ja fast schon zärtlich. Dieses Erlebnis ist für Elia viel eindrücklicher als das, was ihm Angst macht. Er erlebt, dass das Einssein mit Gott keine niederschmetternde Erfahrung, trotzdem aber sehr eindrücklich ist. Hier kann er bestehen, er kann sich in das Säuseln des Windes stellen, ohne weggeblasen oder vernichtet zu werden, wie es die ersten Erscheinungen des Sturmes, des Erdbebens und des Feuers nahelegen. Die Begegnung mit Gott ist die Erfahrung des Einseins mit dem, was ihn umgibt. Das können wir auch erleben. Wie wir es dann nennen, wie wir es beschreiben, das können wir getrost offen lassen.