Mose mahnt

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Der Mose-Fries an der Südseite der Autobahnkirche wird von zwei Darstellungen des Mose eingerahmt. Im Westen sehen wir im Dreieck an der Treppe Mose, der als Retter dargestellt wird, im Osten hält er mahnend seinen Zeigefinger nach oben. Dieser mahnende Moses ist derjenige, der sein Volk immer wieder auf den rechten Weg schicken muss. Er weiß um die Bedeutung des Auszuges aus Ägypten und warum das eigene Land so wichtig für dieses Volk ist. Er hält die Erzählung von der Befreiung aufrecht, er fordert immer wieder dazu auf, die errungene Freiheit zu verteidigen und sich auch den Pflichten zu stellen, die damit verbunden sind. Manchmal wird er dabei zornig und zertrümmert die erhaltenen Gesetzestafeln, manchmal redet er mit Engelszungen auf die Menschen ein, manchmal bleibt nur noch die eindringliches Bitte an Gott, die Herzen der Menschen für seine Botschaft zu öffnen oder sie zu schonen. Mose erinnert immer wieder daran, warum sie diesen Weg gehen. Er nimmt somit die prophetische Aufgabe wahr, nicht die Zukunft vorherzusagen, sondern das, was gegolten hat, in Erinnerung zu rufen. Er ist somit der erste Prophet des Volkes Israel und wird als solcher verehrt.
Mit dem mahnenden Zeigefinger tun wir uns heute schwer. Er steht für eine vordergründige moralische Begründung im Sinne von »Das macht man nicht!« oder »Das gehört sich nicht!«. Die Konsequenz ist dann ein »Du sollst!« Das Verhalten, das daraus resultiert, war dann eher blinder Gehorsam, aber keine Überzeugung. Man tat etwas aus Angst vor Sanktionen. 
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In der Moderne wurde dies zurecht als äußerlich und oberflächlich entlarvt, der erhobene Zeigefinger ist noch das Symbol für diese vergangene Zeit. Doch wie wird daraus ein Wegzeichen, das uns hilft bessere Menschen zu werden? Das Volk Israel wird ja auch nicht nur mit Vorschriften, sondern mit Überzeugung auf dem Weg gehalten. Der mahnende Moses erinnert daran, dass die Freiheit im Mittelpunkt steht. Und wenn Gott das Volk befreit hat, dann wird es aus eigenen Stücken den Bund mit Gott nicht brechen. Das »Du sollst nicht!« Wie wir es in den zehn Geboten kennen, wird dann zu einem »Du wirst nicht!«