Kaum eine Stilrichtung aus dem letzten Jahrhundert wurde so sehr mit der Moderne in Verbindung gebracht wie das Bauhaus. Es hat die Kunst und vor allem das Design nachhaltig geprägt und vielfältige Spuren in unserem Alltag hinterlassen. Die Klarheit der Formen, der Grundsatz, dass die Funktion die Form bestimmen soll, steht für die Zweckmäßigkeit und das praktische Denken der Moderne schlechthin. Alles soll einen Nutzen haben und den auch sofort zeigen. Die Gefahr dabei ist, dass der Mensch diesen Grundsätzen untergeordnet wird. Das kann man nicht dem Bauhaus vorwerfen, aber der Moderne als Zeitströmung schon. Das ist die große Versuchung, die von ihr ausgeht. Möglichst alle Lebensbereiche auf ihren Nutzen hin befragt. Das ist an sich nichts schlechtes. Da die Moderne aber auch nach Kriterien sucht, nach denen diese Bewertung stattfinden soll, wurde meistens der finanzielle Nutzen herangezogen, obwohl es auch noch andere gibt. Das Bauhaus hat neben den funktionalen auch ästethetische Grundsätze genannt. Am Ende der Moderne steht ein durch und durch materialistisches Denken, das danach fragt, was dem Individuum oder doch nur dem Gemeinwesen nutzt.
In dieser Sichtweise sehe ich die große Versuchung, die die Moderne mit sich bringt. Es fehlen weitestgehend gemeinschaftsorientierte Werte, es fehlen geistige und geistliche Überzeugungen, die, wenn sie nicht messbar sind, auch keinen Wert haben. Am Ende kommt so jede Menschlichkeit zu kurz. Zwischen den Forderungen nach Zweckmäßigkeit wird der moderne Mensch zerquetscht. Mit der Aufklärung wurde unsere Welt entzaubert, wir können vieles erklären, wir finden auf viele Fragen, gute Antworten.
Da verdanken wir dieser Denkrichtung sehr viel und es wäre ein Fehler, wieder vor die Moderne zurückzugehen. Wir müssen durch die Moderne hindurch und das neu entdecken, was auf der Strecke geblieben schien. Wenn wir uns bei allem, was die Moderne mit sich bringt auch die offenen Fragen zu Herzen nehmen, wenn wir lernen, mit Menschlichkeit, Schönheit und Spiritualität unsere Welt zu gestalten, dann werden wir auch der Moderne ein anderes Gesicht geben.