Mose muss fliehen

Es sieht aus wie bei einem Krimi. Genaugenommen ist es ja auch einer. Eine finstere Gestalt macht sich gerade aus dem Staub, doch er wird verfolgt von einem, der mit dem Finger auf ihn zeigt: »Der war es!« Über allem ein Gesicht, das diese Szene beobachtet. Man hat den Eindruck, als bewege man sich in unterirdischen Katakomben, es herrscht eine düstere Stimmung. Dieser Krimi, den Emil Wachter an der Südseite des Mose-Turmes darstellt, ist ein echter Kriminalfall, vor über dreitausendvierhundert Jahren in Ägypten verübt: »11 Als Mose erwachsen war, ging er einmal zu seinen Brüdern, den Israeliten, hinaus und sah, wie sie Fronarbeiten verrichten mussten. Er wurde Zeuge, wie ein Ägypter einen Hebräer, einen von seinen Brüdern, totschlug. 12 Da schaute er sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass niemand in der Nähe war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand. 13 Am nächsten Tag ging er wieder hinaus. Da sah er zwei Hebräer, die miteinander stritten. Er sagte zu dem, der im Unrecht war: ›Warum schlägst du einen Mann aus deinem eigenen Volk?‹ 14 Der antwortete: ›Wer hat dich zum Aufseher und Richter über uns eingesetzt? Willst du mich auch umbringen wie den Ägypter?‹ Da bekam Mose Angst, denn er dachte: ›Es ist also doch bekannt geworden!‹ 15 Als der Pharao von dem Vorfall erfuhr, wollte er Mose töten lassen. Mose aber floh vor ihm in das Land Midian.« (Exodus 2,11-15, Übersetzung Gute Nachricht)
In diesem Krimi kommt Mose ungestraft davon. Seine Flucht ist erfolgreich. Aber er sieht auch, dass er nicht unumstritten in seinem Volk ist. Er, der als Hebräer am ägyptischen Hof aufgezogen wurde, steht zwischendrin. Durch den Mord an dem Aufseher hat er klar Position bezogen, was seine Landsleute aber nicht  beachten und ihn angreifen, er gehört ja auch zu den Aufsehern, er hat nichts zu melden - und wurde beobachtet. Da hilft nur eines: Flucht und sich jeder Verfolgung entziehen. Klammheimlich macht er sich aus dem Staub. Diese Flucht war notwendig, denn jetzt findet er endlich seine Bestimmung. So wird aus einer Gewalttat doch noch etwas Gutes.