Der Prophet Jona ist eine schillernde Figur. Er hat viel von uns modernen Menschen an sich. Seinen Auftrag möchte er nicht wahrnehmen, weil er Angst vor der öffentlichen Reaktion hat. Er hadert mit seinem Schicksal, weil es ihn aus seiner Komfortzone herausholt, er ist bequem und mutig zugleich. Herausgehoben ist die Zeit, die er im Bauch eines Fisches verbringt. Es ist für ihn eine Zeit des Rückzugs, in der er im wahrsten Sinne des Wortes in sich gehen kann und zumindest für eine kurze Zeit, zur Besinnung kommt: »1 Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. 2 Dort betete er zum Herrn, seinem Gott.« (Jona 2,1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Nach dieser Zeit nimmt Jona seinen Auftrag an und wirkt als Prophet. Er hat diese Zeit im Bauch des Fisches gebraucht, um sich seiner Mission bewusst zu werden.
Es ist das, was wir mit »Fastenzeit« in Verbindung bringen. Der Rückzug ist die wohl beste Form des Fastens. Man verzichtet nicht nur auf die gewohnten Lebensmittel und andere Konsumgüter, sondern zieht sich aus der Welt und den sozialen Kontakten zurück. Man hat Zeit, um sich dessen bewusst zu werden, was wirklich wichtig ist und worauf man gerne selbst seinen Schwerpunkt legen will. Wir brauchen diese Zeiten des Rückzugs, wir brauchen Fastenzeiten, in denen wir uns neu ausrichten. Es geht dabei weniger um eine Umkehr um 180 Grad, sondern eher um eine Änderung des Lebens, eine neue Ausrichtung auf das Ziel hin. Es müssen dabei gar nicht neue Ziele gesucht werden, sondern wenn man sich der »alten Ziele« neu bewusst wird, kann man feststellen, ob man sich noch in diese Richtung bewegt. Diese Auszeiten können wir bewusst gestalten. Wir können die offiziellen Angebote nutzen, die an uns herangetragen werden.
Es ist aber auch so, dass wir hin und wieder gezwungen werden, Auszeiten wahrzunehmen. Krankheiten, berufliche Veränderungen, gesellschaftlich erforderliche Lockdowns zwingen uns dazu, dass wir das, was bisher so selbstverständlich lief, nicht mehr tun können. Wir können diese Zeiten, so schwierig sie für uns sind, dazu nutzen, das Beste daraus zu machen und uns neu an unseren Zielen auszurichten. Veränderungen geschehen, aber wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Wir haben die Chance, uns zu besinnen und neue Wege auszuprobieren.