Unbequem und verletzend

Johannes der Täufer, der auch als Vorläufer für Jesus bezeichnet wird, ist eine schillernde Persönlichkeit. Nicht nur, dass er auf Jesus hinweist und damit auch die religiösen und staatlichen Hoheiten seiner Zeit provoziert, er hat auch eine für alle Menschen unbequeme Botschaft. Emil Wachter stellt am Johannes-Turm mit einer Distel oder Dornenhecke diese Eigenschaft des Johannes dar. Johannes ist das von Anfang an, sogar schon in seiner Jugendzeit, für die diese Darstellung neben zwei anderen steht. Johannes ist ein Prophet und als solcher schon unbequem genug. Die Worte, die er sagt, verletzen, weil sie Selbstverständlichkeiten des Lebens in Frage stellen. Er fordert die Menschen aus seiner Umgebung heraus und holt sie aus ihrer Bequemlichkeit. Er verlangt ein sichtbares Zeichen für eine Lebensveränderung. Deshalb ruft er zur Taufe auf, die als Zeichen der Veränderungsbereitschaft gilt. Und er hat Erfolg. Nicht bei den Obrigkeiten, nein, beim einfachen Volk. Diejenigen, die vom System profitieren und etwas zu verlieren haben, bekämpfen diesen unbequemen Menschen.
Eine Distel ist gefährlich. Wenn sie sich einmal eingenistet hat, dann bekommt man sie nicht mehr heraus. Sie treibt immer wieder aus. Sie erinnert daran, dass es nicht nur schöne Pflanzen gibt. Johannes steht für eine andere Wirklichkeit ein. Er zeigt, dass es nicht nur um Schönheit und Bequemlichkeit geht. Das Leben hat auch eine andere Seite, derer wir uns stets bewusst sein können und müssen. Es ist immer ernst. Die Stacheln der Distel erinnern an diese schmerzhafte Seite des Lebens, die Johannes uns ins Bewusstsein ruft. Johannes ist da konsequenter und radikaler als es Jesus war. Man geht sogar davon aus, dass Jesus sich von dem radikalen Weg des Johannes abgewandt hat. 
Wo Johannes ganz eindeutig bleibt, sucht Jesus nach Kompromissen, die den Menschen in seiner Lebensrealität gerecht werden sollen. Wenn Johannes die Stacheln der Botschaft betont, die tief ins Fleisch eindringen und schmerzhaft sind, hat Jesus eher die Blüten im Blick, die an Schönheit und Genuss erinnern. Wir brauchen beide Propheten, diejenigen, die uns die Augen für die Schönheit öffnen und die, die zur Konsequenz aufrufen - in einem gesunden Maß.
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Aktuelles
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.