Sonnengott

Welche Bilder verwenden wir für Gott? Wir sind ja darauf angewiesen, dass wir uns über das, über das wir nicht reden sollen und können, doch Gedanken machen und diese dann auch mitteilen müssen. Wir sind auf Bilder angewiesen, mit denen wir Unsagbares umschreiben können. Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, dass wir das Bild mit der Wirklichkeit verwechseln Wir müssen uns immer bewusst sein, dass die Wirklichkeit viel größer ist als das, was wir mit Worten und Bildern beschreiben können. Eines dieser Bilder für Gott ist das der Sonne. Jede Religion stellt eine Verbindung zwischen dem Göttlichen und der Sonne her. Früher wurde Gott und die Sonne gleichgesetzt, der jeweilige Sonnengott, ob man ihn jetzt Ra oder Aton nennt, wie es die alten Ägypter getan haben, oder Helios bei den Griechen, war oft auch der oberste alles Götter. Gott zieht als Sonne über den Himmel und offenbart sich den Menschen. Später wird aus der Gleichsetzung eine Analogie. Die Sonne ist ein Symbol für Gott. Es tauchen Formulierungen auf wie: »Gott ist wie die Sonne.« Oder: »Gott ist wie das Licht der Sonne.« Die Sonne verweist auf Gott, ist aber nicht mehr Gott selbst. Gott ist größer und anders als die Sonne. Gott ist wie die Sonne und zeigt sich auch in der Sonne. Gott spendet Leben wie die Sonne.
Die christlichen Verbindungen zur Sonne liegen auf der Hand. Immer wieder spielt das Licht eine große Rolle. Wir kennen den Gedanken, dass Gott im Licht offenbar wird. Die Eigenschaften der Sonne, die Leben ermöglichen, werden selbstverständlich auf Gott hin  gedeutet. Schließlich ist die Orientierung der religiösen Feste am Jahreskreis, der durch die Sonne bestimmt wird, ein 
Hinweis darauf, dass zwischen Gott und der Sonne ein großer inhaltlicher Zusammenhang besteht. Jesus Christus wird als Licht bezeichnet. Sein Geburtsfest am 25. Dezember wurde auf den Festtag des Reichsgottes im alten Rom, dem Tag des »Sol Invictus«, des unbesiegten Sonnengottes gelegt. Die Sonne ist also nach wie vor ein prägendes Element für unsere Vorstellungen von Gott. Deshalb sehen wir die Sonne auch an der Tür nach Süden an der Autobahnkirche. Wer die Treppe hochsteigt, schaut ihr direkt ins Angesicht. Man sieht etwas vom Geheimnis Gottes in unserer Zeit.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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