Bilderweltarchiv 2022

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Ins rechte Licht gestellt

Für eine Verkündigungsszene fällt diese Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche ziemlich aus dem Rahmen. Maria kniet nicht, um die Botschaft des Engels zu empfangen. Sie sitzt auch nicht, ins Gebet versunken, auf ihrem Stuhl. Sie steht selbstbewusst da und hört, was der Engel Gabriel ihr zu sagen hat. Das ist ein modernes Bild von Maria. Sie ist die junge Frau, die weiß, was sie will, die nicht demütig empfängt, sondern die kreativ am Plan Gottes mitwirkt. So muss man auch ihre Antwort verstehen, die der Evangelist Lukas überliefert: »Ich gehöre dem Herrn, ich bin bereit. Es soll an mir geschehen, was du gesagt hast.« (Lk 1,38, Übersetzung Gute Nachricht). 

Notwendender Josef

Auch wenn er in unseren Kirchen große Verehrung genießt, führt der Heilige Josef ein Schattendasein. Man findet ihn als Statue, manchmal auch mit einem eigenen Altar in den Kirchen. Im Zweiten Testament wird von ihm nur am Anfang des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums berichtet. Aber dort in entscheidender, ja notwendender Funktion. Er ist es, der Maria trotz ihrer unerwarteten Schwangerschaft zu sich nimmt und zu ihr steht. Er macht sich auf den Weg in seine Vaterstadt Bethlehem, er erhält im Traum wichtige Botschaften, die die Heilsgeschichte »am Laufen halten«. Er wird gebraucht! So ist es nur richtig, ihm auch in der Autobahnkirche eine Abbildung jenseits der Krippendarstellungen zu widmen. An der Christophorus-Stelle taucht er auf als eines der vielen Gesichter, wie wir sie des öfteren finden. An der Stele ist der richtige Ort für ihn.

Kommt ein Vogel geflogen

Ein Vogel bringt einen kleinen Blumengruß. So sieht man es auf der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche. Zunächst einmal ein Bild mit viel Humor. Doch welche Bedeutung könnte dieser Blumengruß haben? Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden. Der Legende nach trug er Christus über einen reißenden Fluss auf seinen Schultern und fand so die Aufgabe seines Lebens. Das, was er im Großen tut, tut dieser Vogel im Kleinen. Er überbringt eine Blume dorthin, wo sie hin soll. Christophorus meinte, unter der Last, die ihm zunehmend schwerer wurde, zusammenzubrechen. Der Vogel stellt das Gegenteil dar. Die Blume ist leicht, sie kann einfach überbracht werden. 

Gelehrtenstreit

Da stecken sie ihre Köpfe zusammen und beratschlagen, was wohl die beste Lösung sein könnte. Drei Männer mit Brillen, die ihre Augen verstecken bzw. blind scheinen. So werden in der Bildersprache in der Autobahnkirche die Gelehrten dargestellt. Die Brille ist das Zeichen des Intellektuellen, der seine Augen damit verdorben hat, dass er bei schlechtem Licht in Büchern gelesen hat. Wie gesagt, die Augen sieht man nicht und damit wird schon eine wichtige Aussage über diese Gelehrten gemacht: bei all ihrem Wissen und bei allem, was sie sagen, ist der Weg zu ihrem Herzen verstellt. Das, was sie zu Menschen macht, ist nicht mehr sichtbar. Sie streiten sich kollegial und tauschen ihre Ansichten aus. 

Weg mit dem!

Man muss schon sehr genau hinschauen, um das dunkelgrüne Auto im südlichen Fenster der Autobahnkirche zu entdecken. Die Scheinwerfer leuchten in die Dunkelheit, aber das andere sieht man fast nicht. Es ist das Fahrzeug der Gestapo, der Staatssicherheit, des Geheimdienstes oder anderer Organisationen, die das helle Tageslicht scheuen. Ihnen fallen Menschen zum Opfer fallen. Sie werden heimlich abtransportiert. Und auf diese Heimlichkeit wird größter Wert gelegt. Es könnte ja Reaktionen der Solidarität provozieren, vor allem werden Fragen gestellt, die schwer zu beantworten sind. Und je heimlicher, umso mehr Angst wird geschürt.

Alles hat seine Ordnung

Wenn wir nach einem Bild suchen, das die Ordnung der Welt symbolisieren kann, dann fällt einem sehr schnell die Säule ein, die trägt und hält. Aus massivem Stein geschlagen kann sie ein schweres Gewölbe tragen und gibt so im umgebenden Raum Halt und Sicherheit. Die klare Form strahlt diese Ordnung aus. Sie richtet den Blick nach oben zum Dach und nach unten zu ihrem Fundament. Die Ordnung ist geschaffen. Normalerweise sind es Menschen, die dafür sorgen und entsprechende Vorrichtungen bauen. In diesem Fall in der Westfront der Fenster der Autobahnkirche ist die Ordnung ein Werk Gottes, denn es sind die Säulen des Himmels dargestellt, die sich erheben und Sicherheit schaffen.

Grandios erbärmlich

Das Doppelgesicht auf der linken Seite der Haupttreppe, das man sieht, wenn man die Kirche verlässt, provoziert zu ungewöhnlichen Gedanken. Wir sehen hier möglicherweise zwei Seiten des Menschen, eine, die nach unten blickt und alles erschließt, was ist, die andere die nach oben ausgerichtet ist, aber ohne Hilfe von oben nicht bestehen kann. Im Gedicht »Grenzen der Menschheit« benennt Johann Wolfgang Goethe diese zwei Seiten des Menschen: »Hebt er sich aufwärts und berührt mit dem Scheitel die Sterne, nirgends haften dann die unsichern Sohlen, und mit ihm spielen Wolken und Winde. Steht er mit festen, markigen Knochen auf der wohlgegründeten dauernden Erde, reicht er nicht auf, nur mit der Eiche oder der Rebe sich zu vergleichen.« Was Goethe hier beschreibt ist die erbärmliche Seite des Menschen. Ganz gleich wohin er sich orientiert, nach oben oder nach unten, er wird scheitern und an den großen Ansprüchen zerbrechen. 

Wenn der Mond brennt

Der Zyklus mit den Fenstern aus der Apokalypse weist auf eine neue Welt hin und ist eine Vision für die Zukunft. Sie gipfelt im Fenster an der Westseite mit dem Lamm im Mittelpunkt. Unten rechts dieser beeindruckenden Vision sieht man einen kleinen zunehmenden Mond, der in Flammen steht. Warum brennt der Mond und warum brennt er blau? Die Farbe Blau taucht in der Autobahnkirche immer dann auf, wenn das Irdische betont wird. Der Mond brennt im irdischen Feuer, es ist ein kaltes, unwirkliches Feuer. Erst weiter rechts sehen wir rote Flammen, die für das menschliche Leben stehen. Der Mond in Flammen hat nichts Romantisches an sich, es ist ein Zeichen der Krise, er steht für die Zerstörung der Natur und des ganzen Kosmos. 

Unverdaulicher Gott

Manchmal wird uns auch in spiritueller Hinsicht einiges zugemutet. Wir reiben uns an biblischen Aussagen, weil sie nicht oder nicht mehr unserer Überzeugung entsprechen. Wir wehren uns gegen Vereinnahmungen in Schriften und Gottesdiensten. Wir möchten gerne unsere Unabhängigkeit behalten und lehnen dann Botschaften ab, die uns auf einen scheinbar falschen Weg bringen. Das ist richtig und entspricht unserer Vorstellung von mündigen Christen und einem eigenverantwortlich gestalteten Glauben. Wir lassen uns nicht mehr alles vorsetzen und prüfen sehr genau, ob etwas zu uns passt oder nicht. 

Geordnetes Chaos

Auf den ersten Blick erscheint das Bild in der Mitte der westlichen Fensterfron in der Autobahnkirche sehr einheitlich. Das Bild vom Lamm strahlt Ruhe und Ordnung aus, man ist auf diese Mitte fokussiert. Bei genauerem Hinsehen merkt man aber, dass sich die rechte und die linke Seite unterscheiden. Während die Struktur rechts sehr geordnet erscheint, ist die linke Seite sehr viel chaotischer. Man erkennt noch einzelne Formen und Strukturen, zu denen sich die Mosaiksteine der Fenster ordnen, aber es scheint, als ob diese Seite noch im Fluss ist, nach einer Ordnung sucht. 
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Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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