Wenn der Mond brennt

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Der Zyklus mit den Fenstern aus der Apokalypse weist auf eine neue Welt hin und ist eine Vision für die Zukunft. Sie gipfelt im Fenster an der Westseite mit dem Lamm im Mittelpunkt. Unten rechts dieser beeindruckenden Vision sieht man einen kleinen zunehmenden Mond, der in Flammen steht. Warum brennt der Mond und warum brennt er blau? Die Farbe Blau taucht in der Autobahnkirche immer dann auf, wenn das Irdische betont wird. Der Mond brennt im irdischen Feuer, es ist ein kaltes, unwirkliches Feuer. Erst weiter rechts sehen wir rote Flammen, die für das menschliche Leben stehen. Der Mond in Flammen hat nichts Romantisches an sich, es ist ein Zeichen der Krise, er steht für die Zerstörung der Natur und des ganzen Kosmos. Es gibt auch das neutrale, weiße Licht, in dem der Mond strahlt und nach außen hin strahlt, das auf seinen Ursprung hinweist.
In den apokalyptischen Beschreibungen aller Religionen fallen die Gestirne vom Himmel, sie wandeln sich. Wenn sie vorher das Leben ermöglicht haben und die Zeiten regelten, so werden sie jetzt zur Bedrohung und löschen das Leben aus. Wenn sie nicht mehr am Himmel stehen, dann ist die Welt auch nicht mehr das, was sie einmal war. Der ganze Kosmos, in den wir eingebettet waren, hat sich verändert - und damit auch wir selbst. Der Ort des Lebens ist jetzt ein Ort des Untergangs. Der Himmel ist uns im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gefallen. Wie können wir mit solchen Vorstellungen umgehen? Vielleicht haben wir heute andere Vorstellungen davon, wie die Welt untergeht, aber sie unterscheiden sich nicht sonderlich von denen aus der Apokalypse. 
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Wir kommen nicht darum herum, uns damit auseinanderzusetzen. Ob es jetzt der eigene persönliche Tod ist oder der Untergang den der ganzen Menschheit, immer geht es um das Ende und um das, was danach kommt. Nicht die Zerstörung ist das Ziel, sondern der Himmel, die Erlösung, die dann kommt. Diese neue  Welt soll eine bessere Welt sein. Damit es so weit kommt, muss das Alte vernichtet werden. Ob das ein schmerzlicher, schrecklicher Prozess wird oder ob wir mitgestalten können, dass er zu unserem Heil wird, ist die Frage, die wir beantworten müssen und können.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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