Geordnetes Chaos

Auf den ersten Blick erscheint das Bild in der Mitte der westlichen Fensterfron in der Autobahnkirche sehr einheitlich. Das Bild vom Lamm strahlt Ruhe und Ordnung aus, man ist auf diese Mitte fokussiert. Bei genauerem Hinsehen merkt man aber, dass sich die rechte und die linke Seite unterscheiden. Während die Struktur rechts sehr geordnet erscheint, ist die linke Seite sehr viel chaotischer. Man erkennt noch einzelne Formen und Strukturen, zu denen sich die Mosaiksteine der Fenster ordnen, aber es scheint, als ob diese Seite noch im Fluss ist, nach einer Ordnung sucht. Wir finden viele goldene Elemente, die für die göttliche Gegenwart stehen, wir sehen ein größeres schwarzes Feld, es tauchen rote und blaue Mosaiksteine auf, die für die menschliche und irdische Seite der Offenbarung stehen.
Alles ist hier noch im Fluss, es zielt auf eine Ordnung hin, die sich erahnen lässt, die aber noch nicht vollkommen sichtbar ist wie auf der rechten Seite. Von dieser Dynamik lebt dieses zentrale Bild in der Autobahnkirche. Ordnung und Chaos liegen nebeneinander, es ist noch nicht alles so, wie es sein sollte. Nimmt man diese halb chaotische, halb geordnete Struktur für sich, dann macht sie nachdenklich und gibt vielen Gedanken Raum. Wie könnte eine spätere Ordnung aussehen? Was setzt sich am Ende durch? Das Göttliche? Das Menschliche? Oder das Irdische? 
Diese Betrachtung geht davon aus, dass die Ordnung das Ziel des Ganzen ist. Was ist, wenn es umgekehrt ist? Wenn unsere Leserichtung nicht wie üblich von links nach rechts sondern andersherum geht? Dann ist nicht die Ordnung das Ziel, sondern eher das Chaos. Das gibt den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft recht, die behaupten, dass das Chaos, das Durcheinander das niedrigste Energielevel hat und alles dahin strebt. Dann wäre das Ziel der Schöpfung nicht eine große geordnete Struktur, sondern eine chaotische Dimension, in der wir alles in allem finden können. Das, was zunächst als wenig erstrebenswert erscheint, entwickelt sich zu dem, was uns neue Perspektiven eröffnet: dass alles von allem durchdrungen ist.
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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