Unverdaulicher Gott

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Manchmal wird uns auch in spiritueller Hinsicht einiges zugemutet. Wir reiben uns an biblischen Aussagen, weil sie nicht oder nicht mehr unserer Überzeugung entsprechen. Wir wehren uns gegen Vereinnahmungen in Schriften und Gottesdiensten. Wir möchten gerne unsere Unabhängigkeit behalten und lehnen dann Botschaften ab, die uns auf einen scheinbar falschen Weg bringen. Das ist richtig und entspricht unserer Vorstellung von mündigen Christen und einem eigenverantwortlich gestalteten Glauben. Wir lassen uns nicht mehr alles vorsetzen und prüfen sehr genau, ob etwas zu uns passt oder nicht. Da gehen die Meinungen weit auseinander und es ist schwer, einen Ausgleich untereinander und einen Konsens miteinander zu finden. Wie sieht es dann aber mit den Ansprüchen aus, die Gott scheinbar an uns stellt? Müssen wir es nur unhinterfragt schlucken, weil es Wort Gottes ist?
Dieses Fensterbild an der Südseite der Autobahnkirche hat dieses Thema zum Inhalt. »Nimm und iss« fordert dieses Mosaik von Emil Wachter auf. Der Mensch steht in goldener göttlicher Gegenwart, er ist selbst Teil des Göttlichen und lässt sich davon aber noch nicht ausfüllen. Wir sind gezwungen, uns dem zu stellen und im wahrsten Sinne des Wortes zu uns zu nehmen. Das heißt nicht, dass wir alles übernehmen müssen. Im Gegenteil, wir können das, was brauchbar ist, verdauen, und das, was uns nicht nährt, wieder ausscheiden. Das Bild vom Essen der göttlichen Botschaft hat etwas Tröstliches. 
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Das, was scheinbar von Gott kommt, das unverdaulich ist und uns nicht zum Leben dient, vielleicht auch schädlich ist, müssen wir nicht verdauen! Das Wissen darum, dass ich das auch wieder weggeben darf, hilft dabei, das Gute vom Schlechten zu trennen. Die Einsicht, dass auch Unverdauliches von Gott kommt, mag da hilfreich sein. Doch das weiß ich erst dann, wenn ich es verdaut habe, das heißt, wenn es durch mich hindurchgegangen ist. Das für mich Hilfreiche erkenne ich erst dann. Die Aufforderung »Nimm und iss!« ist die Einladung, sich damit auseinander zu setzen. Erst, wenn etwas durch mich hindurchgegangen ist, kann ich auch die Geister richtig unterscheiden!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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