Bilderweltarchiv 2022

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Gott genießt Gastfreundschaft

Im Buch Genesis wird auf fast schon lustige Weise beschrieben, wie Abraham von Gott Besuch erhält und wie Abraham zur Gastfreundschaft einlädt: »Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der Herr. Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder und sagte: ›Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu Diensten! Man wird euch sogleich Wasser bringen. Ihr könnt euch die Füße waschen und es euch unter dem Baum bequem machen. Ich will inzwischen eine kleine Erfrischung holen, damit ihr euch stärken und dann euren Weg fortsetzen könnt. Wozu sonst seid ihr bei eurem Diener vorbeigekommen?‹ ›Es ist gut‹, sagten die Männer. ›Tu, was du vorhast!‹«

Heilige Maria, Mutter Jesu

Es gibt in der Autobahnkirche wenige Darstellungen von Maria, die Emil Wachter gestaltet hat. Alle befinden sich in der Krypta. Eine davon kann man als die klassische Abbildung ansehen. Wir sehen Maria, die ihr Kind im Arm hält. Hier ist sie ganz einfach eine Mutter, nicht mehr und nicht weniger. Es fällt uns schwer, nur das in ihr zu sehen. Was wurde ihr nicht alles im Verlauf der 2000 Jahre christlicher Verkündigung zugeschrieben. Dass sie eine einfache Frau aus Nazareth war, ist nur eine Facette. Sie wird als Miterlöserin bezeichnet. Sie ist Mutter Gottes und Retterin, sie überbringt Botschaften, sie wird in Kirchen verehrt, sie gilt in vielen Kirchen als Kirchenpatronin. Viele Länder haben sie zu ihrer Patronin erwählt. In der Dichtung, Malerei und Musik gilt sie als der Inbegriff der weiblichen Schönheit. Sie ist die reine Jungfrau, die dies nicht nur vor, sondern auch während und nach der Geburt Jesu geblieben ist. Und sie ist, als einziger Mensch die »unbefleckt Empfangene«, will sagen, dass ihr die Erbschuld, die allen Menschen anhängen soll, nicht zuteil wurde. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. 

Gott ruht sich aus

Gottes Thron ist leer. So sieht man ihn in der Fensterfront an der Nordseite der Autobahnkirche. Ob und warum er leer ist, dazu können wir ausgiebig spekulieren. Auf jeden Fall ist dieser Thron ein Zeichen für die Gegenwart Gottes und ein ganz besonderes dazu. Normalerweise ist ein Stuhl oder Sessel ein Ort, an dem man es sich gemütlich macht, ein Thron ist das weniger. Aber nehmen wir doch mal an, Gott braucht solch einen Stuhl, um sich auszuruhen. Gott hat das nötig, so wird es nämlich für den siebten Schöpfungstag berichtet: »Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von aller seiner Arbeit aus. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag, der ihm gehört, denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.« (Genesis 2,2-3, Übersetzung Gute Nachricht). 

Keine Schafe, nur ein Reh

Bei der Krippendarstellung in der Krypta der Autobahnkirche stellt sich eine Frage, die man bei einer Weihnachtskrippe nie hört: »Was sucht ein Reh an der Krippe?« Vielmehr hätte man doch Schafe erwartet oder bestenfalls Ziegen, wie sie von Hirten im Umfeld von Betlehem zur Geburt Jesu gehütet wurden. Ein Reh ist kein Tier, das in Herden gehalten wird, sondern in freier Wildbahn lebt. Ein Reh braucht keine Hirten, die es hüten und vor wilden Tieren beschützen. Es ist kein Haustier, auch kein Nutztier, das vom Menschen in sein direktes Umfeld hineingenommen wird und zur Versorgung der Grundbedürfnisse benötigt wird. Dieses Reh weist in neuer und besonderer Weise darauf hin, was an Weihnachten geschehen ist.

Wilde Orgien

Feiern ist ein wichtiger Teil aller menschlichen Gesellschaften. Wir brauchen die Gestaltung von Festen und Lebenswenden, Ereignissen und Gedenktagen, um uns ins Bewusstsein zu rufen, dass wir in größere Bezüge eingebunden sind. Diese Feiern geben unserem Leben eine Richtung, schaffen Sinn und stellen die Verbindung zum großen Ganzen her. Sie sind auch Ausdruck unserer Kultur. Mit der Tradition, auf die wir uns berufen, verbinden wir uns mit den Menschen, die das gleiche schon lange vor uns getan haben. Wir legen Wert darauf, diese Traditionen an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Ja, es ist wichtig, dass wir miteinander feiern und so für uns und unsere Gemeinschaft eine Kraftquelle für das Zusammenleben erschließen.

Über allem das Kreuz

Wenn auf dem Turm oder wie bei der Autobahnkirche auf dem Dach ein Kreuz steht, dann wissen wir, dass es sich bei diesem Gebäude wohl um eine Kirche handelt. Das Kreuz stellt dann den höchsten Punkt des Bauwerkes dar und zeigt, was wichtig ist. Es ist ein Erkennungszeichen für die Religion und gleichzeitig auch ein Glaubensbekenntnis. Nicht nur beim Segen wird es mit der Glaubensformel »Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« begleitet, sondern es schwingt mit, wann immer wir es sehen. Es ist das Bekenntnis zu Gott, nach christlichem Verständnis in drei Personen, drei Wesenheiten oder Erscheinungsweisen erfahrbar. Wenn das Kreuz gezeigt wird, bekennen wir, dass wir Gott in unserer Gegenwart erleben können. Doch dieses Bekenntnis zum dreifaltigen Gott ist nicht das zentrale Glaubensgut. 

Engel der Stille

Nicht immer werden Engel so dargestellt wie Menschen. Wir reden von ihnen, aber wir wissen nicht, wie sie aussehen. Wir haben bestimmte Vorstellungen, an denen wir sie erkennen. Ganz gleich wie groß oder ernsthaft, wie niedlich oder klein, die Flügel sind ihnen meistens eigen und daran erkennen wir sie. Emil Wachter beschränkt sich oft darauf, die Flügel zu zeigen, wenn er von Engen erzählen will. In der Südostecke in der Krypta der Autobahnkirche entdecken wir die Flügel eines Engels, den ich Engel der Stille nennen will. Er steht im Dunkeln, ist etwas verborgen, er springt nicht sofort ins Auge, aber er ist da.

Gehimmelter Mensch

Wann sprechen wir vom Himmel? Meistens verschieben wir ihn auf die Zeit nach unserem Leben. Wir verlegen dann alles, was uns hier nicht gelingt in den Himmel. Dort gehen alle die Dinge in Erfüllung, die un s hier auf Erden verwehrt sind. Dieser Himmel hat viel vom Schlaraffenland an sich. Doch es geht auch anders, wir müssen uns nicht auf das ewige Leben vertrösten, um eine Vorstellung vom Himmel zu haben, sondern um die Erfahrung zu machen, im Himmel zu sein. In der Autobahnkirche, bei der rechten Treppe zur Krypta sehen wir eine Darstellung eines Menschen, der schon jetzt im Himmel ist. Nicht nur, weil seine Darstellung sich in einer Kirche befindet, einer der Orte, in der unserer Tradition nach ein Stück vom Himmel verwirklicht ist. Wir sehen einen Menschen, dem es aufgrund seiner Barttracht gut geht, er findet Zeit für intensive Körperpflege. Er ist von einer besonderen Sonne beschienen, deren Mitte ein Edelstein ist. So gesehen lebt er äußerlich im Himmel, es geht ihm gut. Wir verbinden das mit Himmel und ewigem Leben. Es wird uns gut gehen und wir werden uns keine Sorgen machen müssen.

Lebenslust und Lebensfreude

Die Gesichter, von denen wir sehr viele an der Autobahnkirche entdecken können, haben einen vielfältigen Ausdruck. An der Mosetreppe zur Krypta hinunter sehen wir einen freundlichen Menschen, der uns, wie es scheint pfeifend entgegen blickt. Der Ton kommt aus seinem Mund und hallt in der ganzen Kirche wider. Normalerweise würden wir das als störend empfinden, wenn man es richtig hören würde. Aber warum? Wenn Pfeifen ein Ausdruck der Lebensfreude ist, dann ist doch auch eine Kirche der rechte Ort, an dem man es hören darf. Aber wir verbinden mit Kirchenräumen oft Besinnlichkeit und vor allem Ernsthaftigkeit. Nichts soll die andächtige Atmosphäre der anderen Welt, in die wir eintauchen wollen, stören. 

Heilige Geistkraft kommt zu dir

Die Szene der Verkündigung an Maria, die wir in der Krypta der Autobahnkirche sehen, ist sehr dynamisch dargestellt. Der Engel kommt auf Maria zu, er streckt ihr die geöffneten Hände entgegen und ist selbst noch in der Bewegung auf sie zu. Es ist eine sehr intime Begegnung, die beiden sind für sich allein und geben sich der Erfahrung voll und ganz hin. Während der Engel voller Bewegung ist, steht Maria ruhig da, sie ist nicht statisch, sie scheint nur kurz in ihrer Bewegung verharrt. Es ist hier der Moment der Empfängnis gezeigt, in der beides, Ruhe und Bewegung, einen Platz hat.
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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