Notwendender Josef

A
uch wenn er in unseren Kirchen große Verehrung genießt, führt der Heilige Josef ein Schattendasein. Man findet ihn als Statue, manchmal auch mit einem eigenen Altar in den Kirchen. Im Zweiten Testament wird von ihm nur am Anfang des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums berichtet. Aber dort in entscheidender, ja notwendender Funktion. Er ist es, der Maria trotz ihrer unerwarteten Schwangerschaft zu sich nimmt und zu ihr steht. Er macht sich auf den Weg in seine Vaterstadt Bethlehem, er erhält im Traum wichtige Botschaften, die die Heilsgeschichte »am Laufen halten«. Er wird gebraucht! So ist es nur richtig, ihm auch in der Autobahnkirche eine Abbildung jenseits der Krippendarstellungen zu widmen. An der Christophorus-Stelle taucht er auf als eines der vielen Gesichter, wie wir sie des öfteren finden. An der Stele ist der richtige Ort für ihn.
Er hat Jesus  ins Leben getragen, so wie es Christophorus getan hat. Er ist der Beschützer des Kindes, der Ernährer der Familie. Er erfüllt die Funktion, die wir heute den Nothelferinnen und Nothelfern zuschreiben. Josef wird als unscheinbarer, einfacher Mann verehrt, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tut. So sehen wir ihn auch als Vorbild. Wir wissen wenig von ihm. Er geht seinem Beruf als Zimmermann nach, er war Familienvater und wird als  gerechter Mann beschrieben. Die Legenden, die es von ihm gibt, erzählen sehr viel mehr, doch da bewegen wir uns im Bereich der Spekulation. Diese Legenden bringen auch keinen Mehrwert für seine Bedeutung.
Josef ist, so wie er in den Evangelien beschrieben wird, nicht nur der Vater von Jesus und der Ernährer einer größeren Familie. Er ist gläubig und von Gottesvertrauen erfüllt. 
Er steht Maria dabei in nichts nach. Er richtet sein Leben an dem aus, was er von Gott hört. Er vertraut diesen Aussagen und geht den Weg mit, der für ihn vorgezeichnet ist. Josef lässt sich auf das Abenteuer mit Gott ein und geht dabei seinen eigenen Weg. Dass er es eher im Kleinen tut, spricht für ihn. Je weniger er im Mittelpunkt des Interesses steht, umso besser kann er wirken. Nothelfer wirken im Verborgenen! Deshalb reicht auch das kleine Bild von ihm an der Christophorus-Stele als Erinnerung an einen Mann, der Nöte gewendet hat.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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