Das Fenster vom Weinstock, mit den Rebzweigen und den Trauben als Früchten bezieht sich auf die zweite Abschiedrede aus dem Johannesevangelium. Jesus schärft auf seine Art mit eindrücklichen, aber auch geheimnisvollen Bildern seinen Jüngerinnen und Jüngern ein, wie sie ihr Leben gestalten können. Ihm ist es dabei ganz wichtig, in Beziehung zu sein, untereinander, zu ihm selbst und zu Gott. Wenn das gelingt, dann gelingt auch das Leben. Er sagt: »10 Wenn ihr meine Gebote befolgt, dann bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich die Gebote meines Vaters befolgt habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Ich habe euch dies gesagt, damit meine Freude euch erfüllt und an eurer Freude nichts mehr fehlt. 12 Dies ist mein Gebot: Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe.« (Übersetzung Gute Nachricht 2018). Diese Verbindung wird durch die Liebe geschaffen. Es gibt wohl kein Band, das stärker eine Beziehung zwischen Menschen und darüber hinaus stiftet als die Liebe. Was das ist, ist schwer zu sagen. Viele TheologInnen, PhilosophInnen und WissenschaftlerInnen haben versucht diese Verbundenheit, die Liebe zu beschreiben - und sind gescheitert.
Es sind dann die KünstlerInnen, die in Gedichten und Musikstücken, in bildhaften Darstellungen oder im Tanz zeigen, was Liebe ist und wie sie wirkt. Auch das sind keine Beschreibungen, sondern umgesetzte Erfahrungen, die immer wieder neu interpretiert werden müssen. Auf diese Weise gelingt aber, was durch Beschreibung schwer auszudrücken ist: Liebe und Freude. Das Bild vom Weinstock zeigt das auf eindrückliche Weise. Die Reben halten die Verbindung zum Weinstock, sie holen sich das, was sie brauchen, aus ihm heraus. Sie geben aber auch ihr eigenes dazu, denn sie empfangen von der Sonne die Lebenskraft. Reben und Weinstock stärken einander, geben einander Kraft. Dieses Zusammenspiel schließlich schafft die Früchte, die Trauben. Sie können nur gedeihen, wenn die Verbindung besteht und bestehen bleibt, zumindest solange, wie sie reifen. Für diese Verbindung, die nicht aufgelöst werden kann, verwendet Jesus das Wort Liebe, besser noch, das Verb: lieben. Er bezieht es auf sich und auf seine Zuhörerinnen und Zuhörer, also auf uns. Er sagt ganz lapidar: »Liebt einander! Ich habe es Euch gezeigt, wie es geht!« Mehr ist nicht nötig.