Im Gethsemane-Fenster sehen wir einen Jünger Jesu, der eingeschlafen ist. Diese Darstellung ist Ausdruck einer Haltung, dass ich mich dem, was mich umgibt, gerne entziehen will. Heute dringt ganz vieles auf uns ein und der erste Wunsch ist der, dass all das ausgeblendet werden kann. Zu einem gewissen Grad ist das möglich, aber auf die Dauer hilft es nicht. Ständig nur schlechte Nachrichten zu hören, macht müde. Immer nur Katastrophenmeldungen zu sehen, raubt die Kraft. Im Beruf und in der Freizeit nur mit Verzweiflung und Schrecken konfrontiert zu sein, lässt uns erschlaffen.
Bilderweltarchiv 2026
Dass Gott dreinfahre
In alten, mythischen Schriften finden wir immer Beispiele dafür, wie Götter in den Ablauf der Welt und in das Leben der Menschen machtvoll eingreifen. Im Buch Genesis wird so eine Begegnung zwischen Gott und Abraham beschrieben. Für Emil Wachter war diese Erzählung die Grundlage für die Darstellung am Abraham-Fries: »7 Der Herr sagte zu Abram: ›Ich bin es, der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat, um dir dieses Land zu geben, ich, der Herr!‹ 8 ›Herr, mein Gott‹, erwiderte Abram, ›kann ich denn sicher sein, dass ich es je besitzen werde? Gib mir doch eine Bestätigung dafür!‹ 9 Der Herr sagte: ›Bring mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Schafbock, eine Turteltaube und eine junge Taube!‹ 10 Abram holte die Tiere, zerteilte jedes der Länge nach in zwei Hälften und legte die Teile einander gegenüber; nur die Vögel zerteilte er nicht. 11 Raubvögel fielen über die Stücke her, aber Abram verscheuchte sie. 12 Als die Sonne unterging, fiel Abram in einen tiefen Schlaf, und eine unheimliche, erdrückende Angst legte sich auf ihn. (...) 17 Als die Sonne untergegangen und es ganz dunkel geworden war, sah Abram auf einmal einen rauchenden Schmelzofen und eine brennende Fackel, die fuhren zwischen den zerteilten Tieren hindurch. 18 Auf diese Weise schloss der HERR damals mit Abram einen Bund und gab ihm die Zusage: ›Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land.‹ (Genesis 15,7-12.17-18b, Übersetzung Gute Nachricht)
Bitten und Flehen
Ein Mensch schreit um Hilfe! Es ist die Haltung eines Ertrinkenden, der mit letzter Kraftanstrengung noch einmal die Arme hochreckt und auf sich und seine hoffnungslose Lage aufmerksam macht! Es ist die Haltung, die wir auch mit einem verzweifelten Gebet in Verbindung bringen können. So spricht beispielsweise der Beter aus dem Psalm 121: » 1 Ich blicke hinauf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen? 2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat!« (Psalm 121, 1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Das ist die gläubige Bitte um Hilfe, die gleich auch eine vertrauensvolle Verheißung ausdrückt, dass Gott eingreifen wird. Diese Glaubensaussage ist aber nicht selbstverständlich, weil es nicht sicher ist, ob Gott wirklich eingreift. Im Gegenteil! Wie oft verhallt ein verzweifelter Hilferuf ungehört? Wie oft wird das Vertrauen in göttlichen Beistand enttäuscht? Da hat dann alles Bitten und Flehen nichts geholfen, das Leben oder Schicksal (oder Gott?) hat erbarmungslos zugeschlagen. Der Hilferuf ist verrauscht und das Leben geht seinen normalen Gang weiter, als ob nichts geschehen wäre.
Furchtbar grausam
Gibt es etwas Schlimmeres, als über den Tod von Kindern berichten zu müssen? In Nachrichten wird besonders darauf hingewiesen, wenn bei Anschlägen, Kampfhandlungen und bei Naturkatastrophen und Unfällen Kinder ums Leben kommen. Sicherlich wird diese Information eingesetzt, um die Grausamkeit des Angriffs oder deren Unrechtmäßigkeit zu demonstrieren. Das ist auch richtig so. Trotzdem ist es bedenklich, dass der Tod von Erwachsenen fast schon billigend in Kauf genommen wird. Das nur nebenbei.
Der Mord an den Jungen von Bethlehem, der von Herodes angeordnet wurde, um den neugeborenen König als Nachfolger auszuschalten, wird gerne als Paradebeispiel für den Zynismus der Macht hergenommen, der vor dem Tod von Kindern nicht Halt macht. Sie werden hier nicht nur als Opfer in Kauf genommen, sie sind sogar das Ziel des Krieges, denn darum handelt es sich. Herodes führt ihn gegen sein eigenes Volk. Kriege fordern Opfer, jedes Opfer ist eines zuviel. Das wird besonders an den Kindern deutlich, die dabei umkommen.
Der Mord an den Jungen von Bethlehem, der von Herodes angeordnet wurde, um den neugeborenen König als Nachfolger auszuschalten, wird gerne als Paradebeispiel für den Zynismus der Macht hergenommen, der vor dem Tod von Kindern nicht Halt macht. Sie werden hier nicht nur als Opfer in Kauf genommen, sie sind sogar das Ziel des Krieges, denn darum handelt es sich. Herodes führt ihn gegen sein eigenes Volk. Kriege fordern Opfer, jedes Opfer ist eines zuviel. Das wird besonders an den Kindern deutlich, die dabei umkommen.
Grün ist die Hoffnung
In den Fenstern der Autobahnkirche ist die Farbe Grün die Ausnahme. Sie kommt selten vor und wenn, dann nur in ganz kleinen Splittern. So auch im rechten Seitenstreifen an der Tür Richtung Süden. Ein kleiner grüner Farbklecks, der deshalb umso mehr aus der Fläche mit den blauen Vierecken heraussticht. Man fühlt sich an eine Seite eines fast kompletten Zauberwürfels erinnert, den es zur Zeit des Baus der Autobahnkirche noch gar nicht gab. Ein kleiner grüner Farbklecks, der die Langeweile eines einfachen Gitters durchbricht. Ein kleiner grüner Farbklecks, der eine andere Geschichte erzählt als seine Umgebung.
Im Volksmund sagt man: »Grün ist die Hoffnung.« Die Farbe Grün steht für das Wachstum in der Natur, für das Aufstrebende von Pflanzen, von der unbändigen Kraft, die es ausstrahlt. Wenn die Natur im vollen Saft steht, wie man so sagt, dann sieht man unendlich viele Grüntöne in der Landschaft. Hildegard von Bingen spricht von der »Grünkraft«, die sich Bahn bricht und nicht aufzuhalten ist.
Mutterglück
Eine Mutter herzt ihr Kind und drückt es fest an ihre Brust. Sie schenkt ihm Geborgenheit und Liebe. Es handelt sich hier um Sara, die ihren einzigen Sohn Isaak im Arm hält, aber das ist zweitrangig. Es könnte ebenso ihre Magd Hagar sein, die Ismael, ihren Erstgeborenen liebkost. Oder jede andere Mutter, die ihr Kind festhält. Diese Darstellungen ähneln sich, weil das Gefühl, von dem sie erzählen, sich ähnelt. Über die Kulturen und Zeiten hinweg ist die Liebe, die eine Mutter ihrem Kind entgegenbringt immer gleich beeindruckend. Das ist nicht einmal etwas besonderes bei der menschlichen Rasse, selbst im Tierreich beobachten wir Mütter, die ganz liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Aus der Forschung wissen wir, dass in diesem herzigen Umarmen ganz viele Hormone ausgeschüttet werden, die die Bindung zwischen Mutter und Kind festigen und ihre Beziehung vertiefen - und wichtige Weichen für das weitere Leben stellen. Berührungen und Streicheln gehören ebenso dazu wie Geräusche und Worte, Lieder und Bewegungen.
Hiobs Frau
Wenn wir nach einem Menschen gefragt werden, der viel erdulden musste, dann kommt uns sehr rasch Hiob in den Sinn. Der Teufel wettet mit Gott, dass Hiob seinen Glauben verlieren würde, wenn ihn das Glück verlassen hat. Hiob bleibt aber standhaft, auch wenn er seine ganzen Güter sein Hab und Gut, Haus und Hof verliert und schließlich auch seine sieben Söhne und drei Töchter. Hiob bleibt treu. So weit so gut, aber was ist eigentlich mit Hiobs Frau, die das alles auch erdulden muss? Von ihr ist nicht die Rede, nur einmal wird sie im Buch Hiob erwähnt. Ein Name von ihr ist nicht überliefert.
Der Weinberg des Herrn
Es gibt Bilder, die tauchen in der Heiligen Schrift immer wieder auf. Sie haben einen Bezug zur Kultur des Landes und werden von allen Menschen dort verstanden, weil sie zu den Selbstverständlichkeiten ihrer Kultur gehören. So ist es auch mit einem Weinberg. Der Prophet Elia nimmt immer wieder Bezug auf einen Weinberg, Jesus tut das später auch. Der Weinberg wird dann verglichen mit dem Volk Israel. Ein Weinberg wird angelegt, damit Trauben geerntet werden können, aus denen dann Wein gekeltert wird. Er muss einen bestimmten Ertrag erbringen, damit sich die Arbeit lohnt, die in den Anbau investiert wird. Wie gut ein Weinberg ist, sieht man letzten Endes daran, wieviel Wein produziert wird.
Vergitterte Sicht
Diese Aussicht passt zu der dargestellten Szene. Jesus wird in einem Kerkerverlies gegeißelt, die Schergen gehen ihrem Alltagsgeschäft nach und lassen sich in ihrer Tätigkeit nicht stören. Es wirkt alles sehr düster, es dringt ja auch kam Tageslicht von außen herein. Und wenn man nach außen sieht, dann erkennt man, wenn die Gitter überhaupt etwas durchlassen, einen tiefdunklen Nachthimmel. Das ist die Perspektive aus einem Folterkeller, wie es sie durch die Jahrtausende hindurch bis in unsere Zeit gibt. Dunkle Verliese, in denen Menschen gefoltert und getötet werden, ohne eine Aussicht auf eine freie Sicht, geschweige denn auf Freiheit. Dieses vergitterte Fenster steht für alle Folterkeller der Welt, aus denen nicht einmal mehr die Schreie der Menschen nach draußen dringen. Hier ist keine Taube zu sehen, die die Gitterstäbe durchbricht.
Fleischgewordenes Wort
Der Beginn des Johannes-Evangeliums gehört zu den berühmtesten und am meist zitierten Versen des zweiten Testamentes, wenn nicht der ganzen Bibel: »1 Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Der, der das Wort ist, war am Anfang bei Gott. 3 Durch ihn ist alles entstanden; es gibt nichts, was ohne ihn entstanden ist. 4 In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht der Menschen. 5 Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.« (Joh 1,1-5, zitiert nach Neue Genfer Übersetzung) In der katholischen Messfeier wird dieses Evangelium am Weihnachtstag gelesen. Für viele ist das ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Dieser poetische Text, der wohl nicht zur Spekulation darüber taugt, wer denn Christus sei, rührt die Menschen an und lässt etwas von dem Geheimnis erahnen, das ihm zugrunde liegt.
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