Fleischgewordenes Wort

Der Beginn des Johannes-Evangeliums gehört zu den berühmtesten und am meist zitierten Versen des zweiten Testamentes, wenn nicht der ganzen Bibel: »1 Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Der, der das Wort ist, war am Anfang bei Gott. 3 Durch ihn ist alles entstanden; es gibt nichts, was ohne ihn entstanden ist. 4 In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht der Menschen. 5 Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.« (Joh 1,1-5, zitiert nach Neue Genfer Übersetzung) In der katholischen Messfeier wird dieses Evangelium am Weihnachtstag gelesen. Für viele ist das ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Dieser poetische Text, der wohl nicht zur Spekulation darüber taugt, wer denn Christus sei, rührt die Menschen an und lässt etwas von dem Geheimnis erahnen, das ihm zugrunde liegt. 
Wenn wir diese Verse mit dem Johannes-Evangelium in eins setzen, dann verstehen wir auch, warum wir das Symbol des Johannes, den Adler, zusammen mit den drei anderen Kennzeichen der Evangelisten Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Matthäus (Engel oder Mensch) an den vier großen Trägern der Autobahnkirche sehen. Sie tragen die Kirche, das Evangelium gibt der ganzen Kirche Halt. Ohne sie könnte das Zeltdach der Autobahnkirche nicht existieren. Emil Wachter als Künstler und Friedrich Zwingmann als Architekt haben hier eine klare und eindeutige Botschaft. 
Beriefen sich die Christen früherer Jahrhunderte auf die Apostel, die die Kirche getragen haben - die Säulen von alten Kirchen wurden nach ihnen benannt - so ist es jetzt viel Grundsätzlicher: Das Evangelium trägt die Kirche und hält sie zusammen. Christus ist der Schlussstein, in dem sich die vier Evangelisten treffen. Ohne ihn wäre auch das Evangelium sinn- und bedeutungslos. So aber ergibt sich ein stimmiges Ganzes. Das Wort wird Fleisch, es nimmt Gestalt an und wird in dieser Kirche symbolisiert, genauso wie in der Gemeinschaft der Gläubigen. Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Es ist das Evangelium, die frohe Botschaft, die uns diese Tür öffnet. Ohne eine eigene Geburtserzählung zu haben, bringt uns das Johannes-Evangelium genau diese Erfahrung nahe: Das Wort wird Fleisch in der Gemeinschaft der Gläubigen.