Der Weinberg des Herrn

Es gibt Bilder, die tauchen in der Heiligen Schrift immer wieder auf. Sie haben einen Bezug zur Kultur des Landes und werden von allen Menschen dort verstanden, weil sie zu den Selbstverständlichkeiten ihrer Kultur gehören. So ist es auch mit einem Weinberg. Der Prophet Elia nimmt immer wieder Bezug auf einen Weinberg, Jesus tut das später auch. Der Weinberg wird dann verglichen mit dem Volk Israel. Ein Weinberg wird angelegt, damit Trauben geerntet werden können, aus denen dann Wein gekeltert wird. Er muss einen bestimmten Ertrag erbringen, damit sich die Arbeit lohnt, die in den Anbau investiert wird. Wie gut ein Weinberg ist, sieht man letzten Endes daran, wieviel Wein produziert wird. Das liegt nicht nur an der eingesetzten Arbeit, sondern auch an den Bedingungen wie Lage, Boden, klimatische Voraussetzungen und den zufälligen Auswirkungen des Wetters. Im übertragenen Sinn ist der Weinberg ein Sinnbild für das Volk Israel, besser noch für das Verhältnis zwischen Gott und dem auserwählten Volk. Im ersten Buch der Könige wird der Streit um einen Weinberg beschrieben. Bei dem der Besitzer Nabot von Königin Isebell getötet wird, nur damit König Ahab den Weinberg in Besitz nehmen kann. Dieses Verbrechen ist schließlich der Beginn des Untergangs von Ahab und Isebell. (1 Kön 21) Ein wertvolles Stück Land, das guten Ertrag bringt wird mit Israel verglichen und wer sich daran vergreift, hat sein leben verwirkt. Dieser Weinberg steht für den Schutz, den Gott dem Volk Israel zugesagt hat.
Ein Weinberg ist kein Selbstzweck. Verschiedene Faktoren , die wir Menschen nicht alle in der Hand haben, bestimmen darüber, wie ertragreich dieser Weinberg ist. Auch das Volk Israel muss sich immer bewusst sein, dass es die Gunst Gottes verlieren kann, wenn sich die Grundbedingungen ändern. Allerdings nur insoweit der Ertrag nicht mehr stimmt. Welche Bedingungen haben sich dann geändert? Liegt es in der Verantwortung des Winzers oder in äußeren Gegebenheiten? Ist der Boden oder das Klima nicht mehr förderlich? Das Bild hinkt spätestens jetzt, wenn wir ein geistliches Thema mit wirtschaftlichem Denken verknüpfen. Was für die damalige Zeit möglich war, ist es für heute wohl nicht mehr. Oder doch?