Erschienen!

Was verbinden wir mit Weihnachten? Wenn wir jetzt aufzählen, dann würde die Liste sehr lang werden. Viele Gefühle, Erinnerungen werden ihren Platz darin haben. Und irgendwann taucht dann das Ereignis auf, warum wir Weihnachten feiern: Die Geburt von Jesus Christus. Nach christlicher Überlieferung wurde er als Sohn Gottes durch Maria in einem wundervollen Akt einer Jungfrauenzeugung und -geburt zur Welt gebracht. Das wird uns im Matthäus- und Lukas-Evangelium beschrieben. Das ist das Geschehen, das wir an Heiligabend und am Weihnachtstag feiern. Das zweite Weihnachtsfest kommt da schon weniger emotional daher. Wir feiern am 6. Januar das Fest »Epiphanie«, übersetzt: »Erscheinung«. Es wird traditionell mit dem Zug der Weisen aus dem Morgenland verbunden, die das Kind in Betlehem finden. Sie haben sich aufgemacht, weil sie aufgrund einer bestimmten Planetenkonstellation die Geburt eines neuen Königs in Juda erkannt haben. Sie wurden in ihrer Hoffnung nicht enttäuscht. 
Was haben sie aber gefunden, dass wir uns an einem eigenen Fest daran erinnern? Zwar reden wir immer noch von Weihnachten, aber die Zielrichtung ist durch den Namen des Festes eine andere. Nicht mehr die Menschwerdung Gottes als kleines Kind in der Krippe steht im Mittelpunkt, sondern die Erscheinung Gottes in menschlicher Gestalt wird besonders betont. Es ist mehr von Christus als von Jesus die Rede. 
Jetzt haben wir den Sohn Gottes vor uns, ja Gott selbst. In der orthodoxen Kirche wird deshalb von »Theophanie«, von Gotteserscheinung gesprochen. Gott zeigt sich der ganzen Welt, Gott wird sichtbar und erfahrbar, eine neue Wirklichkeit ist erschienen, ist aufgeschienen. Gott hat in Jesus Christus ein Gesicht bekommen. Dieses menschliche Gesicht sehen wir im Geburtsfenster der Autobahnkirche. Gott ist erschienen und wohnt jetzt mitten unter den Menschen - und zwar für alle Zeiten. Wir feiern deshalb nicht nur dieses Fest, sondern wir stellen uns in den Strom derer, die diese Erfahrung machen. Wir erfahren in diesem - wie die Weisen aus dem Morgenland - wie Gott Mensch wird in Jesus Christus und uns allen erscheint.