Gehimmelter Mensch

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Wann sprechen wir vom Himmel? Meistens verschieben wir ihn auf die Zeit nach unserem Leben. Wir verlegen dann alles, was uns hier nicht gelingt in den Himmel. Dort gehen alle die Dinge in Erfüllung, die un s hier auf Erden verwehrt sind. Dieser Himmel hat viel vom Schlaraffenland an sich. Doch es geht auch anders, wir müssen uns nicht auf das ewige Leben vertrösten, um eine Vorstellung vom Himmel zu haben, sondern um die Erfahrung zu machen, im Himmel zu sein. In der Autobahnkirche, bei der rechten Treppe zur Krypta sehen wir eine Darstellung eines Menschen, der schon jetzt im Himmel ist. Nicht nur, weil seine Darstellung sich in einer Kirche befindet, einer der Orte, in der unserer Tradition nach ein Stück vom Himmel verwirklicht ist. Wir sehen einen Menschen, dem es aufgrund seiner Barttracht gut geht, er findet Zeit für intensive Körperpflege. Er ist von einer besonderen Sonne beschienen, deren Mitte ein Edelstein ist. So gesehen lebt er äußerlich im Himmel, es geht ihm gut. Wir verbinden das mit Himmel und ewigem Leben. Es wird uns gut gehen und wir werden uns keine Sorgen machen müssen.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Himmel ist nicht nur die Befreiung von allen materiellen Sorgen, das dürfte sicherlich den kleinsten Teil dieser Vorstellungen ausmachen, wenn sie ernstgemeint sind. Himmel meint, dass ich schon jetzt frei von Sorgen bin. Hier hilft uns Gelassenheit und Achtsamkeit weiter.
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 Ich bin mir bewusst, dass ich schon jetzt im Himmel bin, weil ich mich eins mit allem fühle und Sorgen keine Rolle spielen. Das ist die Dimension der Ewigkeit im Sinne von Zeitlosigkeit. Wir kennen das, wenn wir die Zeit vergessen und ganz mit einer Tätigkeit oder einem Zustand eins sind. Es fehlt nichts mehr, es fühlt sich gut an, ich fühle mich wohl. Dieses Sein in der Gegenwart ist ein Gegenkonzept zum Himmel, der in ferner Zukunft liegt und den ich mir »erst verdienen muss«. Nein, im Himmel bin ich schon jetzt, ich erlebe ihn und weiß, dass ich schon drin bin. Wir reden gerne davon, dass wir uns erden müssen. Das ist wichtig, um nicht den Realitätsbezug zu verlieren. Aber wir müssen auch bereit sein, uns zu »himmeln«, dass wir die Beziehung zu den anderen Dimensionen entdecken, pflegen und bewahren.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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