Propheten und ihr zuhause

Propheten werden immer in Aktion dargestellt. Sie haben ja auch eine wichtige Tätigkeit. Sie treten für Gott und die göttliche Botschaft sein, sie weisen den richtigen Weg und sagen vielleicht noch voraus was geschehen kann. Sie sind durch und durch verantwortungsvoll, sie stehen zu ihrem Wort und tun, was sie sagen. Selbst wenn Propheten wie Elia beim Ausruhen beschrieben werden, dann steht auch das im Dienst der Botschaft, die sie vertreten. Doch haben sie auch einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und mal ganz privat sein können? Wahrscheinlich ist das eine Frage, die nur wir als moderne Menschen stellen. Nur wir kennen ja so etwas wie Freizeit und ein Privatleben. Vor zweihundert Jahren hätte man bei diesen Begriffen verständnislos den Kopf geschüttelt, wieviel mehr vor fast dreitausend Jahren zu Lebzeiten des Elia. Stellen wir diese Frage aber als moderne Menschen und überlegen, ob Elia und wenn ja wie, ein Privatmensch war.
Diese Frage mag Emil Wachter bewogen haben, Elia in der Freizeit am Elia-Turm darzustellen. Wir sehen den Propheten in seinen vier Wänden, rechts und links jeweils eine dezent verzierte Säule. Er ist aufrecht, er ruht sich nicht aus, wie wir das vielleicht erwartet hätten. Auch sein Gesichtsausdruck ist entschlossen, so als hätte er auch jetzt etwas Wichtiges zu sagen. Nein, dieser Elia ist nicht privat für sich, er ist auch jetzt, wenn er zuhause ist, im Dienst. Von Jesus ist das Wort überliefert: »Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.« (Matthäus 8,20)
Das ist das Prophetenschicksal. Auch Elia kann nicht abschalten, die Botschaft, sein Auftrag treibt ihn immer wieder an. Ihm bleibt keine andere Wahl. Er ist und bleibt entschlossen bei der Sache. Es spielt keine Rolle, ob wir ihn als Privatmann oder im Auftrag des Herrn unterwegs sehen. Er bleibt seiner Berufung treu. Muss man Mitleid mit ihm haben oder wäre das auch nur eine Sichtweise von modernen Menschen. Vielleicht einmal anders gefragt: Gibt es so etwas wie Privatleben überhaupt? Oder ein Recht darauf?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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