Beten oder Opfern

Im Fenster der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir einen Engel, der eine Schale mit Weihrauch über einem Altar hält, der ansonsten leer ist. Weihrauch und Altar stehen für zwei Weisen, wie wir uns Gott nähern können. Der Altar bezieht sich auf das Opfer. Man gibt Gott etwas vom eigenen Reichtum ab und erhofft sich dadurch eine bevorzugte Behandlung. Man kann sich aber nicht sicher sein, ob das Opfer angenommen wird, deshalb wird es von Bittgebeten begleitet. Das Opfer gehört zu den ältesten Praktiken der Menschen. Um Altäre herum sind Kultstätten entstanden. Nicht zuletzt wurden Tempel, dann Kirchen um sie herum gebaut. Wir reden noch immer vom Opfer, aber es werden keine Tiere mehr geschlachtet und auf den Altären verbrannt. Am Altar gedenken wir heute des Todes und der Auferstehung Jesu, wenn wir in Erinnerung an das letzte Abendmahl in Brot und Wein Jesus wieder gegenwärtig werden lassen. Doch eine Frage muss erlaubt sein: Setzen wir das Opfer immer noch im alten Sinn ein, damit wir von Gott bemerkt und angesehen werden?
Auch mit dem Beten treten wir zu Gott in eine Beziehung. Mit mehr oder weniger Worten sprechen wir zu Gott oder mit Gott. Sinnbildlich dafür steht der Weihrauch. Denn unser Gebet soll wie Weihrauch zu Gott emporsteigen, wie Weihrauch den Raum bis in den letzten Winkel ausfüllt, so soll unser Gebt die Welt umfassend erfüllen und prägen. Einige Gebet sind sehr stark von Opfergaben geprägt. Man versucht, Gott mit Worten auf die eigene Seite zu ziehen, Gott im eigenen Sinn zu beeinflussen, so dass am Ende alles so geschieht, wie ich es mir vorstelle. Hier taucht
oft die Formulierung »Wir bitten dich, dass...« auf. Die andere Form von Gebet ist eher wie Weihrauch, er steigt auf, ohne dass er ein bestimmtes Ziel verfolgt. Er verändert den Raum von innen heraus ohne Gott vorzuschreiben, was getan werden soll. Das ist eher das stille Gebet, das absichtslos stattfindet. Es ist nicht an Worte gebunden, sondern daran, dass man in der Gegenwart Gottes verweilt. Es geht weniger um das Geben, sondern um das Sein. Und wie betest Du?
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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