Wir haben ein Ziel vor Augen und darauf bewegen wir uns zu. Das Bild vom einfachen Gehen ist wieder modern geworden Aber ist es wirklich noch Ausdruck unseres Lebensgefühl oder steht es nicht vielmehr für die Unruhe, die uns tagtäglich umtreibt und der wir kaum etwas entgegensetzen können? Mobilität ist nicht umsonst ein Schlagwort unserer Zeit. Ja, wir sind unterwegs, aber meistens ohne dass wir genau wissen, wohin. Es hat sich eingebürgert, die alte Pilgerweisheit zu zitieren, die sagt: »Der Weg ist das Ziel!« Das klingt gut, hilft aber nicht viel weiter. Wir machen damit aus der Ziellosigkeit eine Tugend und geben dem Ganzen noch einen spirituellen Anstrich.
Bilderweltarchiv 2021
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Sintflut heute
Das zwanzigste Jahrhundert wird oft als das Jahrhundert des Öls bezeichnet. Und auch jetzt im 21. Jahrhundert bestimmt das Erdöl als fossile Energie das Wirtschaftsdenken auf der ganzen Welt. Wer das Öl kontrolliert, kontrolliert auch die Wirtschaft. Öl war und ist für die Industrie im wahrsten Sinn des Wortes der Schmierstoff. Um ausreichend mit Erdöl versorgt zu sein, werden große Anstrengungen unternommen, Naturschutz ausgehebelt, Kriege geführt und Kompromisse geschlossen. Es wird viel dafür in Kauf genommen. Als Emil Wachter Ende der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Autobahnkirche gestaltete, hatte die Welt gerade die erste Ölkrise hinter sich, als die OPEC versuchte, die Staaten des Westens zu erpressen und kein Öl mehr lieferte.
Sich tragen lassen
Normalerweise erkennt man Mose daran, dass er zwei Gesetzestafeln in den Händen hält. So hat ihn Emil Wachter auch öfters dargestellt. An der Nordseite des Mose-Turmes sehen wir ihn aber, wie er das Volk Israel trägt. Mose hat zusammen mit seinen Geschwistern Aaron und Miriam das Volk Israel aus Ägypten geführt und es im wahrsten Sinne des Wortes vierzig Jahre lang durch die Wüste getragen. Immer wieder waren sie dabei von Hunger und Durst, von äußeren Feinden und durch Ängste bedroht. Oft lief das ganze Unternehmen Gefahr, zu scheitern. Mose wusste das zu verhindern. Er hatte durch die tatkräftige Hilfe Gottes immer das rechte Mittel an der Hand, um diese Gefahren abzuwehren. Was liegt dann näher, ihm eine tragende Rolle für die Geschichte Israels zuzuweisen. Was die Rettung und Befreiung von Israel bewirkt hat, kann auch für uns eine große Hilfe sein.
Hochmut kommt vor dem Fall
Isebel, die Frau von König Ahab, so wird es in den beiden Büchern der Könige im ersten Testament berichtet, war eine durch und durch böse Frau. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt dadurch erzeugt, dass sie dem Baal und der Göttin Aschera anhing und damit den Kult des Volkes Israels verraten hat. Ihren Ehemann Ahab, den König, brachte sie dazu, dass er dem Gott des Bundes abschwor. Dies alles, weil sie aus einem anderen Land kam, einer anderen Religion und Kultur angehörte. Ihre Traditionen wollte sie auch in ihrem neuen Umfeld leben und praktizieren. Dabei hat sie aber alle Grenzen überschritten, die man überschreiten kann.
Plagegeister
Als der Pharao das Bittgesuch von Moses und Aaron abgelehnt hatte, wird das ganze Land von sieben Plagen heimgesucht. Die vierte davon waren Stechmücken: »12 Darauf sprach der HERR zu Mose: Sag zu Aaron: Streck deinen Stab aus und schlag damit auf den Staub der Erde! Im ganzen Land Ägypten sollen daraus Stechmücken werden. 13 Sie taten es. Aaron streckte die Hand aus und schlug mit seinem Stab auf den Staub der Erde. Da wurden Stechmücken daraus, die sich auf Mensch und Vieh setzten. Aller Staub der Erde wurde zu Stechmücken im ganzen Land Ägypten. 14 Die Wahrsager versuchten mit Hilfe ihrer Zauberkunst ebenfalls Stechmücken hervorzubringen, konnten es aber nicht. Die Stechmücken saßen auf Mensch und Vieh. 15 Da sagten die Wahrsager zum Pharao: Das ist der Finger Gottes. Doch das Herz des Pharao blieb hart und er hörte nicht auf sie. So hatte es der HERR vorausgesagt.« (Exodus 8,12-15, Übersetzung Einheitsübersetzung 2016)
Gott wartet
Die Mandalas, die in der Autobahnkirche von Emil Wachter gestaltet wurden, laden zur stillen Betrachtung ein. Sie regen an, über Fragen des Glaubens nachzudenken und eigene Positionen zu finden. In diesem Fall lassen wir uns von Meister Eckhart inspirieren: Er schreibt: »Du brauchst Gott weder hier noch dort zu suchen; er ist nicht ferner als vor der Tür deines Herzens. Da steht er und harrt und wartet, wen er bereit finde, der ihm auftue und ihn einlasse. Du brauchst ihn nicht von weither herbei zu rufen; er kann es weniger erwarten als du, dass du ihm auftust. Es ist ein Zeitpunkt: Das Auftun und das Eingehen.« Wer Meister Eckhart kennt, der weiß, dass dies eines seiner Lieblingsthemen ist. Gott ist immer schon da, noch bevor wir uns auf die Suche nach Gott machen.
Mensch, wo bist du?
Das Buch Genesis versucht in den Schöpfungserzählungen eine Erklärung dafür zu geben, warum wir so leben, wie wir es tun und warum unsere Lebensumstände nun mal so sind wie sie sind. Eine Erzählung am Anfang des Buches Genesis beschreibt, wie die Menschen Erkenntnis erlangen und wie sie deshalb mit sich selbst konfrontiert sind: »6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. 7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. 8 Als sie an den Schritten hörten, dass sich Gott, der Herr, beim Tagwind im Garten erging, versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott, dem Herrn, inmitten der Bäume des Gartens. 9 Aber Gott, der Herr, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?« (Gen 3,6-9, Einheitsübersetzung 2016)
Einfach nur leben
Das Wort »einfach« kommt in unserem modernen Sprachgebrauch sehr häufig vor. Wir verwenden es, um Anweisungen nicht so schwierig darzustellen. Wenn man einfach mal was tut, dann kommt man fast schon von alleine an die Lösung heran. Wir verwenden dieses Wort sehr unüberlegt, aber nicht zufällig, denn es verbindet sich immer mit einer Aufforderung: »Es liegt wohl nicht an der Sache, dass etwas nicht funktioniert. Wahrscheinlich hast Du jetzt noch nicht das richtige Mittel, dass es gelingen kann.« Oder so ähnlich. Das Wort »einfach« fällt auf, wenn wir darauf achten. So einfach, wie es uns über die Lippen kommt, ist es in der Regel nicht.
Der Thronsaal Gottes
Der Himmel als Wohnstatt Gottes hat die Menschen zu allen Zeiten fasziniert. Man versuchte, sich das Unvorstellbare vorzustellen und es finden sich Beschreibungen davon nicht nur in der Bibel. Der Prophet Jesaja hat eine Vision, in der er den Thron Gottes sieht: »Im Todesjahr des Königs Usija, da sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel aus.« (Jes 6,1) Diese Vision hat eine Dimension, die Jesaja erschaudern lässt. Wie groß muss Gott sein, dass der Saum seines Gewandes den in damaliger Zeit riesigen Tempel von Jerusalem ausfüllt? Gott selbst hat nicht im Tempel Platz genommen, sein Thron ist hoch erhaben.
Wer weiß, wie ich heiß?
Namen sind nicht Schall und Rauch, im Gegenteil, denn erst wenn ich weiß, wie jemand heißt, dann kann ich mit ihm besser in Kontakt kommen. Beziehung ist dann gut möglich, wenn ich den Namen meines Gegenübers kenne. Eine Botschaft kann ich besser übermitteln, wenn ich weiß und sagen kann, in wessen Name ich auftrete. So ist es naheliegend, wenn Mose am brennenden Dornbusch fragt, wie der Gott Abrahams, Isaak und Jakobs heißt, der das Volk Israel in die Freiheit führen will. Es reicht nicht aus, die Geschichte zu kennen, sondern ich muss auch wissen, mit wem ich es zu tun habe.
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