Bilderweltarchiv 2020

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Mit Vollmacht sprechen

Neben dem Pfingstbild in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir einen Petrus, der entschlossen ist. Er spricht von Herzen, er weiß, dass er etwas zu sagen hat. Und er tut das auch. Er ist ganz bei der Sache und spricht mit ganzem Körpereinsatz. Sein Gesichtsausdruck lässt keinen Zweifel daran, dass seine Botschaft für ihn die Rettung bedeutet und für die Welt wichtig ist. So predigt er vor den Volksmassen und verkündet den auferstandenen Christus. Es hat gedauert, bis Petrus so entschlossen auftreten konnte. Es gibt einige Darstellungen in der Autobahnkirche, wo er ganz andere Seiten von sich zeigt. Hier stellt ihn Emil Wachter aber als einen dar, der sich einer Botschaft verpflichtet weiß, der voll und ganz überzeugt ist. Wahrscheinlich kann er das nur sein, weil er durch alle Zweifel hindurch gegangen ist, den Zweifel an Jesus und Gott, den dieser verkündet hat, aber auch Zweifel an sich selbst und seinen Möglichkeiten.

Am Boden zerstört

Unter dem mit Dornen gekrönten Jesus sehen wir in der Krypta der Autobahnkirche einen Petrus, der im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört ist. Er hat die Hände vors Gesicht geschlagen. Er liegt in sich gekrümmt auf dem Boden, er kann all das nicht mit ansehen, was passiert. Er hat zwar keine direkte Schuld daran, dass Jesus verurteilt wird, doch er wirft sich vor, dass er sein Versprechen nicht gehalten hat und nicht zu Jesus und seiner Botschaft gestanden ist, als es darauf ankam. Er hat ihn verleugnet und sich selbst in seine Angst geflüchtet. Als es zu spät ist, tut es ihm Leid und er bereut zutiefst.

Wenn wir frieden

Wir kennen viele Wortschöpfungen, in denen das Wort Frieden vorkommt: Wir schaffen Frieden, wir schließen Frieden, wir sind friedlich oder zufrieden. Und wir arbeiten für den Frieden, wir demonstrieren, marschieren, beten, meditieren für den Frieden, wir sprechen vom Landesfrieden oder befrieden ganze Landstriche. Die Liste ließe sich fortsetzen. Jede und jeder hat seine eigenen Wortbilder wenn es um den Frieden geht. Und Frieden ist wichtig, bleibt oft ein Traum und ist wahrscheinlich eine Voraussetzung dafür, dass die Menschheit weiterlebt, und überlebt.
Bei all diesen Begriffen, die den Frieden beinhalten, ist Friede immer Objekt, etwas, das uns gegenüber steht.

Gut gehimmelt, gut geerdet

Als Menschen tragen wir laut dem zweiten Schöpfungsbericht die Erde im Namen: Adam leitet sich vom hebräischen adamah = Erdboden ab. Der Mensch wurde aus Erde geschaffen, so lesen wir im zweiten Kapitel im Buch Genesis. Diesen Bezug drücken wir auch aus, wenn wir Menschen beisetzen und Erde mit ins Grab geben: »Von der Erde bist du genommen, zur Erde kehrst du zurück.« Es ist einfach, uns als Menschen der Erde zu verstehen, auch wenn wir uns oft genug darüber erheben. Die Erde stellt auch das dar, was wir wissenschaftlich sind: Materie. Da steckt das Wort mater, lateinisch für Mutter, drin. Aus Materie sind wir geschaffen, heute sagt man, dass wir Sternenstaub sind, dass heißt, wir sind aus dem gemacht, was seit 16 Milliarden Jahren in mehreren Sonnengenerationen ausgebrütet wurde.

Im Segen stehen

Religionen sind notwendig, damit wir einander zusagen können, dass wir gesegnet sind. Aber was bedeutet das eigentlich? Die Darstellung der Verkündigung von Emil Wachter in der Krypta der Autobahnkirche zeigt uns einen Weg. Der Engel Gabriel verkündet Maria, dass sie einen Sohn empfängt und gebären soll. Sie selbst steht regungslos da, in einer Körperhaltung, die Versunkenheit ausdrücken kann. Der Engel Gabriel ist dagegen reine Dynamik und Bewegung. Er ist es auch, der Maria den Segen zusagt: Und diese Zusage meint etwas Besonderes: »Gott schaut dich an!« Oder anders ausgedrückt: »Du stehst im Blickfeld Gottes! Du stehst unter oder im Segen Gottes!«

An der Spielkonsole

Bei manchen Darstellungen in der Autobahnkirche wundert man sich, wie weit Emil Wachter die Zukunft vorausgesehen hat. Einige Bilder kann man so deuten, als wären sie für unsere Zeit geschaffen und nicht schon vor über 40 Jahren entstanden. So auch das Tier aus der Offenbarung, das am Schreibtisch sitzt und den Untergang der Welt nicht nur plant sondern auch durchführt. Auch schon in den späten siebziger Jahren war man sich darüber bewusst, dass das Töten im Krieg nicht mehr direkt geschieht, sondern dass man tötet, indem man Maschinen bedient.

Machtgötter

Immer dann, wenn wir Menschen uns ohnmächtig fühlen, dann suchen wir nach Modellen, wie wir dieser Ohnmacht begegnen können. Wir erzählen Geschichten, in denen beispielsweise Götter den Sieg davon tragen und den Menschen wieder ein gutes und glückliches Leben ermöglichen. In vielen Mythen werden so die Unbilden des Lebens ins Gegenteil gewendet und aus der Ohnmachtserfahrung wird eine Demonstration göttlicher Macht. Es gab eine Zeit der Menschheitsentwicklung, in der wir ohne diese mächtigen Götter nicht ausgekommen sind. Ihre Spuren sind noch immer in den Heiligen Schriften quer durch alle Religionen zu finden, auch in der Bibel. Der Gott des ersten Testaments wird oft als mächtiger Krieger geschildert, der für sein Volk kämpft oder es dem Untergang preisgibt.

Drachenbrut

In mythologischen Geschichten und in Fantasy-Welten spielen Drachen eine wichtige Rolle und selbst in der Bibel kommt man nicht ohne aus. In der Apokalypse bedroht ein Drache, Sinnbild des Bösen, die Frau mit dem Kind. In Sagen und Legenden sind Drachen auch meist böse. Sie müssen bekämpft und besiegt werden. Drachen sind Wesen mit übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten. Sie können Feuer spuken und haben einen besonderen Zugang zu Weisheit und Intelligenz. Drachen sind verschlagen und herrschsüchtig, Drachen haben große Macht und sind fast unbesiegbar. Einzig auserwählten Helden ist es vergönnt, sie zu besiegen und im Drachenblut zu baden, um selbst unbesiegbar zu werden.

Erdgebunden und geistgewirkt

Die Engel im Westfenster der Autobahnkirche haben etwas gemeinsam. Ihre Gesichter sind weiß, ihre Flügel tragen die Farben rot und blau. In der Farbsprache der Autobahnkirche taucht blau immer dann auf, wenn es um die Verbindung zum Irdischen geht. Rot dagegen ist die Farbe der heiligen Geistkraft, die alles durchdringt. Wenn man die Kirche betritt scheinen diese beiden Farben zu dominieren, auch wenn es de facto nicht so ist. Doch wenn Emil Wachter die beiden Flügel jeweils in einer der beiden Farben gestaltet, dann hat das einen Grund.

Auch Gott hat Charismen

Es ist schwer, Gott feste Eigenschaften zuzusprechen. Jede Aussage grenzt Gott ein und zieht Gott auf eine eher menschliche Stufe. Gott wird dadurch mehr und mehr zu einer Projektionsfigur all dessen, was Menschen fehlt oder was Menschen nicht sind. Einen Beweis für die Existenz Gottes stellen diese Zuschreibungen ja auch nicht dar, das haben die Philosophen der Aufklärung zur Genüge gezeigt. Und dahinter können wir auch nicht mehr zurück. Am Südeingang der Autobahnkirche, an der Innenseite der Tür hat Emil Wachter die Schlussformulierung aus dem Vater unser handschriftlich zugefügt. Es sind dies vier Eigenschaften Gottes, die wir uns selbst, wenn wir ehrlich sind, nicht zusagen können: Macht, Kraft, Herrlichkeit und Ewigkeit sagen viel darüber aus, wie wir von Gott denken. Und damit sagen wir wahrscheinlich mehr über uns selbst aus, als über Gott.
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Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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