Bilderweltarchiv 2020

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Jerusalem, du Stadt des Friedens

Jerusalem ist eine der ältesten Ansiedlungen der Menschheit. Jerusalem ist aber auch eine der Städte, die im Lauf der Geschichte immer wieder im Brennpunkt des Interesses gestanden ist. Und Jerusalem ist auch die Stadt, die am meisten von verschiedenen Religionen profitiert und unter den Konflikten, die diese Religionen mit sich brachten, gelitten hat.

Es ist ein Ros' entsprungen

Im Weihnachtsfenster der Autobahnkirche finden wir einige bekannte Motive wieder. Neben der Krippe, dem Esel, der heiligen Familie auf der Flucht finden wir eine sehr unscheinbare kleine Rose. Das ist eine Anspielung auf das Weihnachtslied »Es ist ein Ros’ entsprungen«. Dieses Lied gehört für uns ganz selbstverständlich zu Advent und Weihnachten. Es wird in diesem Rätsellied ein Hinweis auf Maria gegeben. Es verweist auf die Geburt von Jesus, der aus dem Stammbaum Davids und damit von seinem Vater Jesse oder Isai kommt. Diese kleine Rose, die Emil Wachter im Fenster versteckt hat, so dass sie erst beim zweiten oder dritten Hinschauen auffällt, zeigt auch die Unscheinbarkeit der Geburt Jesu. Sie ist wie das Blühen einer Rose, das kommt ohne dass man etwas dafür tun kann, und ist so klein und wenig beachtenswert für die Zeitgenossen.

Das ist mal eine gute Nachricht

Wir sind heute jeden Tag mit neuen Nachrichten konfrontiert. Und nach dem Grundsatz, das nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind, wird unsere Sichtweise der Welt durch diese Auswahl geprägt. Wir erfahren nur dann etwas, wenn es schlimm ist, je schlimmer umso besser. Warum ist das so? Vielleicht ist es der Schrecken, der uns aufhorchen lässt? Oder nicht doch die Erleichterung darüber, dass man vom Schicksal, das andere getroffen hat, verschont geblieben ist? Wenn wir ehrlich sind, dann interessieren wir uns ja mehr für all das Unglück, das geschieht. Wir sehen, hören und lesen lieber davon. Positive Nachrichten sind lange nicht so interessant.

Wie ein Vogel im Nest

Es gehört wohl zu den schönsten Bildern, die Geborgenheit vermitteln: Das Vogeljunge, das im Nest sitzt und von den Eltern gefüttert wird. Solch eine Darstellung sehen wir am Elia-Turm. Ein Nest drückt Heimat und Zugehörigkeit aus, ich weiß, wo ich hingehöre, wenn ich ein Nest habe. Diesen Gedanken griff Emil Wachter am Elia-Turm auf, kehrt ihn aber in seiner Aussage in sein Gegenteil um. Er beschreibt das Prophetenschicksal. Ein Prophet weiß eben nicht mehr, wo er hingehört. Durch seine Berufung ist er seinem bisherigen Umfeld entrissen. Seine Erfahrungen machen es ihm unmöglich, wieder in sein altes Leben zurückzukehren. Er hat sein Nest verloren und geht einer ungewisse Zukunft entgegen.

Tor zur Welt

Steht man vor dem Glockenturm an der Autobahnkirche, dann sieht man drei Tore, die sich zum Schwarzwald hin öffnen. Drei Tore, die man durchschreitet, wenn man das Gelände der Autobahnkirche verlässt oder auf sie zugeht. Das hat eine tiefe Symbolik. Mit Toren trennen wir Bereiche ab und schaffen gleichzeitig die Möglichkeit, durch scheinbar unüberwindbare Mauern hindurchzuschreiten. Heute müssen wir unsere Städte nicht mehr durch Mauern und bewachte Tore schützen. Wir können unsere Sicherheit anders garantieren. Aber sinnbildlich bestehen immer noch Mauern, die Grenzen zwischen Menschen und Institutionen, zwischen Lehren und Überzeugungen sind oft unüberwindlich. Wir wissen heute auch, dass es schwieriger ist, Mauern in den Köpfen zu durchbrechen als sie im wirklichen Leben zu schleifen.

Gott am Kreuz

Die Kreuzesdarstellung im Fenster an der Westfront der Autobahnkirche ist von Emil Wachter als vielschichtiges Werk gestaltet. Er dabei auch Anleihen bei anderen Künstlern gemacht und deren Themen neu ausgestaltet. So springt zunächst Jesus als der Gekreuzigte in den Blick. In ihm erkennen wir den Menschen, der er war. Seine blutenden Arme sind am schwarzen Kreuzesbalken festgenagelt. Das Schwarz ist in den Fenstern eine immer wiederkehrende Farbe. Es ist das Schwarz der Betonfassungen der einzelnen kleinen Glaselemente.

Gekreuztes Leben

»Schließe ab mit dem was war, sei glücklich mit dem was ist und offen für das was kommt. Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede.« So lautet ein Sinnspruch, der immer wieder gepostet und besonders mit dem letzten Satz auf Karten gedruckt wird. Es wird die Erfahrung ausgedrückt, wie unser Leben bedingt ist durch das, was wir erlebt haben, was uns geprägt hat. Diese Erlebnisse sind Vergangenheit. Wir können sie nicht mehr ändern, doch sie bleiben uns in der Erinnerung erhalten. Wie das geschieht, das liegt viel an uns selbst. Unser Leben ist aber auch auf Zukunft hin angelegt. Wir wissen nicht, was kommt.

Es ist sehr gut

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Die Vignette auf der unteren der beiden Glocken im Glockenturm der Autobahnkirche zeigt das Auge Gottes, das auf die Schöpfung blickt. Im Buch Genesis wird dieser Blick Gottes mehrfach beschrieben: »Gott sah, dass es gut war.« Am Ende des sechsten Schöpfungstages, als alles vollendet wurde wir der Kommentar noch deutlicher: »Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.« (Gen 1,31) Das ist das Urteil Gottes über die gesamte Schöpfung, den gesamten Kosmos, mit allem, was ihn erfüllt. Ganz gleich ob es belebte oder unbelebte Natur ist, ob Leben Intelligenz oder keine Intelligenz hat. Alles ist in den Augen Gottes sehr gut. Die Schöpfung ist gut gelungen. Und dieses Selbstlob wird vom Verfasser des Schöpfungsliedes Gott in den Mund gelegt. Es ist sehr gut, und damit haben wir auch eine Möglichkeit, wie wir auf die Schöpfung schauen können.

Nach innen gewandt

Wir kennen unterschiedliche Haltungen für das Gebet. Neben den gefalteten Händen können wir mit Händen und Armen, aber auch mit dem ganzen Körper verschiedene Aspekte des Betens ausdrücken. Emil Wachter stellt an einem der Betonstühle in der Autobahnkirche einen betenden Menschen dar. Dieser hat die Arme vor der Brust gekreuzt. Diese Gebetshaltung wird oft dann verwendet, wenn man das stille, innerliche Gebet darstellen will. Die gekreuzten Arme erzählen von Sammlung und Innerlichkeit. Sie sind ein Schutz vor dem Außen, ich möchte alles ausblenden, was mich von der Konzentration auf mein Innerstes, auf Gott ablenken kann.

Da ist Nichts

Es sind einfache Mandalas, die wir an der Decke der Krypta in der Autobahnkirche finden. Das Wort »Mandala« stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet ganz einfach einen Kreis. Im Hinduismus und später auch im Buddhismus dienten diese Kreisbilder zur Sammlung und Meditation. Sie entstanden als Bilder aus gefärbtem Sand auf dem Boden, die nach ihrer Fertigstellung wieder zusammengefegt wurden. Manchmal viereckig, meist rund haben Mandals Eingang in unsere westliche Kultur gefunden. Wir beschreiben damit Meditationsbilder, die auf ihre Mitte hin konzentriert sind. Das außen hilft dabei, sich auf die Mitte zu konzentrieren oder den Blick, wie auf diesem Deckenbild von Emil Wachter, in die Mitte zu lenken. In diesem Fall aber ist die Mitte - leer.
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Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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