Im Segen stehen

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Religionen sind notwendig, damit wir einander zusagen können, dass wir gesegnet sind. Aber was bedeutet das eigentlich? Die Darstellung der Verkündigung von Emil Wachter in der Krypta der Autobahnkirche zeigt uns einen Weg. Der Engel Gabriel verkündet Maria, dass sie einen Sohn empfängt und gebären soll. Sie selbst steht regungslos da, in einer Körperhaltung, die Versunkenheit ausdrücken kann. Der Engel Gabriel ist dagegen reine Dynamik und Bewegung. Er ist es auch, der Maria den Segen zusagt: Und diese Zusage meint etwas Besonderes: »Gott schaut dich an!« Oder anders ausgedrückt: »Du stehst im Blickfeld Gottes! Du stehst unter oder im Segen Gottes!«
In diesem Fall wird Maria vom Segen überrascht, er kommt gleichsam über sie. Sie kann sich dem nicht entziehen, warum auch. Gesegnet sein heißt ja, dass es mir gut geht. Wenn Gott mich anschaut, dann kann mir ja nichts mehr passieren: »Ich werde nicht zugrunde gehen.« Oder, so wie es der Engel ihr gegenüber auch sagt: »Ich muss keine Angst haben.« Wenn wir uns unter den Segen Gottes stellen, dann drücken wir genau das aus. Wenn wir Kinder oder einander segnen, dann geben wir dieses Vertrauen weiter. Wir sagen einander zu, dass wir in einen größeren Zusammenhang eingebunden sind, dass wir bildlich gesprochen in einem großen Raum stehen, der vom Segen Gottes ausgefüllt ist und der uns so beeinflusst, dass die bösen Mächte der Welt uns nichts anhaben können. Wer im Segen steht, der ist auf der sicheren Seite. Maria ist diejenige, die den Segen empfängt. Sie muss nichts für sich und ihr Heil tun. Es geht ihr gut! Später wird ihre Tante Elisabeth zu ihr sagen: »Du bist gesegnet unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.«
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Der Segen, in dem Maria steht, strahlt aus in das direkte Umfeld. Wer Segen empfängt, kann ein Segen für die anderen sein. Maria gibt den Segen an ihr Kind weiter und an ihre Umwelt und verändert sie dadurch. Wer im Bewusstsein lebt, gesegnet zu sein, verändert die Welt zum Besseren, und kann ein Segen für die Welt sein. Wer im Segen steht, kann nicht anders, als selbst ein Segen für die Mitmenschen zu sein. Dann reicht es doch vollkommen aus, sich gesegnet zu wissen.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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