Erdgebunden und geistgewirkt

Die Engel im Westfenster der Autobahnkirche haben etwas gemeinsam. Ihre Gesichter sind weiß, ihre Flügel tragen die Farben rot und blau. In der Farbsprache der Autobahnkirche taucht blau immer dann auf, wenn es um die Verbindung zum Irdischen geht. Rot dagegen ist die Farbe der heiligen Geistkraft, die alles durchdringt. Wenn man die Kirche betritt scheinen diese beiden Farben zu dominieren, auch wenn es de facto nicht so ist. Doch wenn Emil Wachter die beiden Flügel jeweils in einer der beiden Farben gestaltet, dann hat das einen Grund.
Engel tauchen in der Bibel immer dann auf, wenn eine Verbindung vom Himmel und der Erde geschaffen wird. Engel sind die Verkünder des göttlichen Willens, einer göttlichen Botschaft, Begleiter und Beschützer von Menschen oder ganz einfach eine Erscheinungsweise des Göttlichen auf der Erde. Sie haben oft menschliche Gestalt, werden dann aber auch mit Flügeln dargestellt, die sie den oberen Sphären zuordnen. Wie die Vögel können sie die Erde verlassen und zum Himmel aufsteigen oder von dort auf die Erde herabschauen. Wie das gehen soll, wird nicht beschrieben, das muss es ja auch nicht. Engel bewahren ihr Geheimnis. Sie haben aber eine wichtige Botschaft für uns, denn sie verkörpern etwas, was auch wir Menschen verwirklichen können. Engel haben einen menschlichen Körper, oft werden sie auch so gezeigt, dass man sie gar nicht von Menschen unterscheiden kann. Manche werden erst gar nicht als Engel offenbart. Engel sind also erdgebunden, wie wir Menschen auch. Sie haben nicht nur einen menschlichen Körper, sondern sie unterliegen auch ähnlichen Grundgegebenheiten.
Engel sind aber noch viel mehr. Sie haben Teil an der göttlichen Herrlichkeit, sie sind durch und durch von heiliger Geistkraft durchwirkt, Sie übersteigen das Mensch-Sein dadurch, dass sie der Geistkraft Raum lassen und für das Wort Gottes durchlässig werden. Sie wissen, wo und wie Gott zu erfahren ist und teilen dies mit. Wenn man diese beiden Seiten erkennt, dann merkt man auch, dass wir uns gar nicht so sehr von Engeln unterscheiden, Wir sind erdgebunden und geistgewirkt. Sind wir Engel?
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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