Auch Gott hat Charismen

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Es ist schwer, Gott feste Eigenschaften zuzusprechen. Jede Aussage grenzt Gott ein und zieht Gott auf eine eher menschliche Stufe. Gott wird dadurch mehr und mehr zu einer Projektionsfigur all dessen, was Menschen fehlt oder was Menschen nicht sind. Einen Beweis für die Existenz Gottes stellen diese Zuschreibungen ja auch nicht dar, das haben die Philosophen der Aufklärung zur Genüge gezeigt. Und dahinter können wir auch nicht mehr zurück. Am Südeingang der Autobahnkirche, an der Innenseite der Tür hat Emil Wachter die Schlussformulierung aus dem Vater unser handschriftlich zugefügt. Es sind dies vier Eigenschaften Gottes, die wir uns selbst, wenn wir ehrlich sind, nicht zusagen können: Macht, Kraft, Herrlichkeit und Ewigkeit sagen viel darüber aus, wie wir von Gott denken. Und damit sagen wir wahrscheinlich mehr über uns selbst aus, als über Gott. Wir erleben, dass wir ohnmächtig sind, wir können oft nicht über unser eigenes Leben vollmächtig bestimmen. Wir haben nur begrenzte Kräfte und kommen oft an unsere Grenzen, wenn wir mehr wollen, oder wir stehen ständig in der Überforderung. Wir erkennen uns als Wesen, die sich schwer tun, eigene Fehler und Schwächen zu erkennen und sie zu akzeptieren. Selten erleben wir uns als gelungen, als Menschen in Pracht und Herrlichkeit. Schließlich sind wir, und darin gipfelt diese Aufzählung, sterbliche Menschen und erleben in der Zeit nur einen kurzen Ausschnitt. Je mehr wir von den Zeiträumen wissen, in denen die Zeit verläuft, umso kleiner und minderwertiger erkennen wir uns selbst. Ewigkeit wird zum Gegenkonzept für unser eigenes begrenztes Dasein.
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Wenn wir all das in unserem Leben sehen, wenn wir tagtäglich erleben, wo wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden, dann ist es verlockend, all das, was wir nicht sind, auf ein höheres Wesen projizieren und uns von ihm abhängig machen. So haben wir zumindest ein klein wenig Teil an den göttlichen Eigenschaften und profitieren hoffentlich von den Geistesgaben. Aber wirklich hilfreich ist das nicht. Vielleicht müssen wir lernen, ohne diese göttlichen Charismen auszukommen. Nur so ist eigenständiges und selbstbestimmtes Leben möglich.
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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