Staunender Pharao

Eine eigenartige Darstellung! Aus sich heraus wird sie nicht verständlich. Wir brauchen dazu die Beschreibung, die Emil Wachter dazu gibt: Er nennt dieses Relief: »Der Pharao in Tiergestalt vor dem Geheimnis Israels«. Emil Wachter verarbeitet dabei verschiedene Traditionen. Zum einen wird der Pharao als Tier gezeigt, was im alten Ägypten eher alltäglich war. Man denke nur an die Sphinxen, diese Mischwesen aus Mensch und Löwe. Einige Anklänge erkennt man hier auch. Wir sehen das, was Emil Wachter als Geheimnis Israels bezeichnet, in Form einer Pflanze, die erst noch aufblühen muss. Sie ist in sich verdreht, als Spirale kann sie sich entfalten. Im Buch Exodus ist überliefert, dass sich der Pharao immer wieder weigert, dem Drängen des Volkes Israels nach Freiheit nachzugeben. Als absoluter Herrscher muss er das ja auch nicht, es hat keine Veranlassung, ein versklavtes Volk, das wichtige Arbeiten zu verrichten hat, in die Freiheit zu entlassen. Er kann seine Macht ausspielen, so wie er es gewohnt ist.
Aber im Fall von Israel läuft es anders, als er es sich gedacht hat. Im Gott Jahwe hat es einen mächtigen Fürsprecher. Diese Gottheit erweist sich  mächtiger als alle ägyptischen Gottheiten und nach schrecklichen Plagen, die das Land auf Jahre hin verwüstet haben, muss der Pharao schließlich nachgeben, und als er dann noch zur Verfolgung ansetzt, erleidet er eine vernichtende Niederlage.
 Was ist das Geheimnis, das er nicht versteht? In der jüdisch-christlichen Verkündigung taucht das Geheimnisvolle immer wieder auf. Es ist im Magnificat, dem Lobgesang der Maria im zweiten Testament in Worte gefasst: »Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen« (Lk 1,52). Für einen gottgleichen Herrscher ist es unvorstellbar, dass sich ein Gott auf die Seiten der Niedrigen stellt. Die stabilen Verhältnisse sind umgekehrt, am Ende kann er nur noch klein beigeben und sich diesem Gott unterwerfen. Das Geheimnis Israels, dass ein Gott auf der Seite dieses kleinen Volkes steht, hat ihn überwältigt.