Sintflut heute

Das zwanzigste Jahrhundert wird oft als das Jahrhundert des Öls bezeichnet. Und auch jetzt im 21. Jahrhundert bestimmt das Erdöl als fossile Energie das Wirtschaftsdenken auf der ganzen Welt. Wer das Öl kontrolliert, kontrolliert auch die Wirtschaft. Öl war und ist für die Industrie im wahrsten Sinn des Wortes der Schmierstoff. Um ausreichend mit Erdöl versorgt zu sein, werden große Anstrengungen unternommen, Naturschutz ausgehebelt, Kriege geführt und Kompromisse geschlossen. Es wird viel dafür in Kauf genommen. Als Emil Wachter Ende der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Autobahnkirche gestaltete, hatte die Welt gerade die erste Ölkrise hinter sich, als die OPEC versuchte, die Staaten des Westens zu erpressen und kein Öl mehr lieferte. Das Denken kreiste um das Öl und die Angst, nicht genügend zu bekommen, war überall spürbar. Damals gab es als Reaktion und Sparmaßnahme »Autofreie Sonntage«, an denen nicht gefahren werden durfte. Seither gab es aber auch große Katastrophen mit Öltankern, die gekentert sind und auf Jahre hinaus ganze Küstenstreifen zerstört haben. Das stellt Emil Wachter hier da. Ein Tanker, der an der Küste zerschellt und auseinanderbricht. Das Öl ergießt sich als moderne Sintflut über die Erde und vernichtet alles Leben. Wir alle haben die Bilder von Seevögeln mit ölverklebtem Gefieder vor Augen.
Diese Sintflut ist aber nicht von Gott gesandt, sondern sie ist menschengemacht. Aus wirtschaftlichen Interessen wird in Kauf genommen, dass die Natur zerstört oder zumindest in Gefahr gebracht wird. Emil Wachter thematisiert diesen unbedachten Umgang mit der Schöpfung am Noah-Turm. Es braucht das Gericht Gottes nicht mehr, jetzt ist der Mensch selbst in der Lage, aus Gier heraus die ganze Welt zu zerstören. Wo ist jetzt die Arche? Wie kann das Leben gerettet, wie erhalten werden? In dieser Darstellung ist sie nicht zu sehen und so bleibt allein die Frage stehen: »Wie gehst Du mit Gottes Schöpfung um?« Die Antwort muss jeder für sich finden. Das Risiko, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören und aus wirtschaftlichen Interessen heraus alle Bedenken über Bord werfen, ist heute nicht nur eine Frage des Öls sondern sie betrifft alle Lebensbereiche. Das ist heute anders als in den Siebzigern, aber nicht weniger bedrohlich!
 
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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